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Pressestimmen nach Merkel-Schalte: “Mehr Schweden wagen”

  • Die zwischen Bund und Ländern vereinbarten Corona-Lockerungen beschäftigen alle deutsche Medien.
  • Viele zeigen Verständnis für die Interessen der Bundesländer.
  • Entscheidend bleibt, meinen viele Kommentatoren, dass die Bürger diszipliniert bleiben.
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Berlin. Die zwischen Bund und Ländern vereinbarten Corona-Lockerungen beschäftigen alle deutsche Medien. Viele zeigen Verständnis für die Interessen der Bundesländer.

Entscheidend bleibt, meinen viele Kommentatoren, dass die Bürger diszipliniert bleiben. Die Pressestimmen aus Deutschland im Überblick:

Weser-Kurier

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Die Bund-Länder-Konferenz hat ein ganzes Bündel von Lockerungen auf den Weg gebracht. Doch für andere Themen fehlen noch die Lösungsansätze. So warnt der DGB bereits vor einem “Corona-Crash” auf dem Ausbildungsmarkt. Branchen wie Luftfahrt, Messebau oder Kleinkunst warten immer noch darauf, dass die Politik ihnen Perspektiven aufzeigt. Es bleiben jede Menge Baustellen.

Stuttgarter Nachrichten

Kanzlerin Angela Merkel musste ihre Strategie der generellen Vorsicht verlassen. Die Heftigkeit der Debatte mit den Ministerpräsidenten zeigt, dass der Druck größer war als die Überzeugung, den eingeschlagenen Weg zu gehen. Allerdings ist genau das der Haken: Anders als bisher haben Bund und Länder jetzt Entscheidungen zur Lockerung getroffen, ohne genau sagen zu können, wohin das führt. Die Zeit der Vorsicht ist vorbei – mit ungewissen Folgen.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung

Weit mehr als in den vergangenen Wochen wird die Epidemiebekämpfung jetzt zu einer Sache der Eigenverantwortung der Bürger. Denn wer will kontrollieren, ob sich tatsächlich nur Personen aus ein, zwei oder drei Hausständen treffen? Wer will, wenn alle Läden wieder unter strengen Auflagen öffnen dürfen, kontrollieren, ob „soziale Distanz“ auch in der Fußgängerzone eingehalten wird? Es wird Widersprüche, Unwillen und Uneinsichtigkeit geben. Zum Aufatmen ist es deshalb noch zu früh, aber dennoch ist es an der Zeit zu sagen: Mehr Schweden wagen.

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Badische Zeitung

Gerade wenn es aus guten Gründen Unterschiede gibt zwischen Kiel und Konstanz, sind Akzeptanz und verantwortliches Mittun der Bürger entscheidend. Und nur, wenn es gelingt, mögliche neue Corona-Hotspots mithilfe regionaler Notbremsmanöver einzudämmen, haben wir die Chance, auch eine zweite Infektionswelle vergleichsweise gut zu überstehen.

Berliner Morgenpost

Bei allem Verständnis für den Willen zur Normalität zurückkehren zu wollen, sollte sich niemand von den aktuellen Zahlen täuschen lassen. Es kann sein, dass die in den vergangenen Tagen und am gestrigen Mittwoch beschlossenen Erleichterungen für die Bevölkerung ein erhöhtes Infektionsgeschehen nach sich ziehen. Das wird man aber erst in zwei Wochen sehen. Die Macht ist groß, die die Ministerpräsidenten in diesen Tagen haben, ihre Verantwortung für ganz Deutschland aber auch.

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Süddeutsche Zeitung

Einheitlich werden die Regelungen auch in den nächsten Wochen nicht sein. Das trifft auch auf die Seuche zu: Zum Beispiel ist in sämtlichen ostdeutschen Bundesländern zusammengenommen die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen nicht einmal halb so hoch wie in Bayern alleine. Und auch die Zahl der Fälle pro 100 000 Einwohner ist im Süden und Südwesten, wozu das Saarland zu rechnen ist, eklatant höher als im Rest der Republik. Wenn die Verhältnisse also so unterschiedlich sind, dann ist es auch sinnvoll, unterschiedlich mit ihnen umzugehen.

Freie Presse

Es werden Medikamente kommen und vielleicht ein Impfstoff. Bis wir soweit sind, reden wir uns gerne die Köpfe heiß. Aber unterschätzen wir den Gegner nicht. Sars-CoV-2, sagen Virologen, verschwindet wohl nicht mehr von dieser Welt. Aber der Tag wird kommen, da aus einer Unsicherheit ein Risiko geworden ist. Und Risiken sind weniger beängstigend. Sie sind beherrschbar.

Video
Söder: „Wir wandeln die Ausgangsbeschränkung in eine Kontaktbeschränkung um"
2:34 min
Die Bayern dürfen sich von Mittwoch an wieder nach Belieben mit ihren Kindern, Geschwistern und Großeltern treffen, kündigte der Ministerpräsident heute an.  © Reuters

Südwest Presse

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Als Wendigster unter ihnen hat sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder erwiesen. Als strengster Shutdowner startete er in den vergangenen Wochen dynamisch durch und schoss in den Sympathiewerten so hoch, wie er es wohl selbst kaum erträumt hatte. Noch am Wochenanfang mahnte er zur Vorsicht beim Lockern, um sodann das von ihm selbst als vorbildlich gepriesene bayerische Lockerungskonzept zu präsentieren. Soweit war sein nordrhein-westfälischer Kollege Armin Laschet (CDU) allerdings schon vor Wochen – und musste viel Schelte einstecken, weil er sich zu früh von der Herde entfernt hatte. Die Frage ist nun, auf welches Pferd die Union in Sachen Kanzlerkandidatur setzen sollte.

Die Zeit

Vor dem Virus sind alle gleich. Es wird von Mensch zu Mensch übertragen und unterscheidet dabei nicht zwischen Ost- und Süddeutschen. Das macht einen Überbietungswettbewerb der Bundesländer um die Öffnung von Restaurants oder Kitas so gefährlich. Auch wenn es in Deutschland beispielhaft gelungen ist, die exponentielle Ausbreitung der Seuche zu stoppen, auch wenn wir Notfallpläne und Intensivbetten aufgestellt, Masken genäht und Testkapazitäten ausgebaut haben – dem Virus gegenüber stehen wir nicht anders da als zu Beginn des Ausbruchs.

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