Niedersachsens Ministerpräsident Weil: „Wir sind schon in der dritten Welle“

  • Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hält die aktuelle Corona-Lage für „brandgefährlich“.
  • Er sieht derzeit keinen Spielraum für weitere Öffnungsschritte und will stattdessen die Notbremse ziehen.
  • Die Bundesregierung fordert er auf, Mallorcareisen in den Osterferien zu erschweren.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Vor der Corona-Konferenz von Bund und Ländern an diesem Montag hat sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) besorgt über die steigenden Infektionszahlen geäußert und weitere Lockerungsschritte abgelehnt. „Wir sind schon in der dritten Welle, da müssen wir nicht herumreden“, sagte Weil dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die Situation ist ernst.“ Die Zahl der Neuinfektionen wieder zu drücken werde dieses Mal weit schwieriger als im Frühjahr oder Herbst, warnte er. „Die dritte Welle wird durch ansteckendere Virusmutationen getrieben und trifft auf eine coronamüde Bevölkerung – das macht sie so brandgefährlich.“

Für weitere Öffnungsschritte sehe er aktuell keine Spielräume, sagte Weil. „In dieser brisanten Situation stur den Öffnungsplan abzuarbeiten, wäre verantwortungslos“, betonte er. Stattdessen müssten Öffnungsschritte zurückgenommen werden, wenn die Inzidenz über 100 Fälle pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen steige. „Niedersachsen wird die beschlossene Notbremse ziehen, und ich rate allen, das auch zu tun“, sagte Weil.

Dennoch müsse es eine Perspektive für die unter dem Lockdown leidenden Menschen geben, forderte der SPD-Politiker. „Schnelltests verschaffen uns selbst bei steigenden Infektionszahlen eine verhältnismäßig große Sicherheit für einen begrenzten Zeitraum“, so Weil. „Diese Möglichkeit sollten wir zumindest im Rahmen von Modellvorhaben nutzen. Wir müssen Erfahrungen sammeln.“ Es gehe darum, ob Menschen mit einem negativen Schnelltest in Geschäfte, Theater oder das Restaurant gehen dürfen, wenn das Testergebnis nicht älter als zwölf Stunden ist, sagte Weil.

Maskenpflicht auch im Großraumbüro am Schreibtisch

Anzeige

Er selbst werde beim Bund-Länder-Treffen am Montag auf strengere Regeln am Arbeitsplatz dringen, kündigte der niedersächsische Ministerpräsident an. „Wo mehr als zwei Menschen für einen längeren Zeitraum zusammenkommen, brauchen wir eine Maskenpflicht – in Großraumbüros auch am Schreibtisch“, sagte der SPD-Politiker. „Außerdem muss sichergestellt sein, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten in Präsenz regelmäßige Schnelltests zur Verfügung zu stellen.“

Video
Mallorcaeindrücke: „An der Playa de Palma ist es noch sehr leer“
2:47 min
Touristen aus Deutschland dürfen wieder nach Mallorca. Dennoch gibt es massive Corona-Einschränkungen. RND-Reporterin Hannah Scheiwe schildert die Lage vor Ort.  © RND
Anzeige

Darüber hinaus forderte Weil die Bundesregierung auf, ihre Entscheidung zu Mallorcareisen zu überprüfen. „Die Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca durch die Bundesregierung war ein schwerer Fehler“, sagte er. „Das beste wäre es, die Bundesregierung würde ihre Entscheidung revidieren, so der SPD-Politiker weiter. „Wenn sie dazu nicht bereit ist, müssen wir über eine strenge und mehrfache Testpflicht bei der Wiedereinreise oder eine Quarantänezeit sprechen“, sagte er.

„Noch mag das Infektionsgeschehen auf Mallorca unkritisch sein, aber wenn über Ostern Menschen aus ganz Europa auf der Insel zusammenkommen, haben wir sofort wieder einen neuen Hotspot“, warnte Weil. Außerdem nehme er massive Akzeptanzprobleme wahr. „Ich kann niemandem erklären, warum er mit seiner Familie kein Ferienhaus in der Lüneburger Heide buchen darf, aber sehr wohl den Flieger nach Mallorca“, sagte Weil. Mindestens müsse es auch in Deutschland die Möglichkeit zu kontaktlosem Urlaub in Ferienwohnung oder Ferienhäusern geben.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen