Die Nebenwirkungen des Lockdowns sind zu hoch

  • Die massiven Corona-Einschränkungen haben Tausende Menschen vor schweren Erkrankungen oder dem Tod geschützt.
  • Doch inzwischen gibt es andere Wege.
  • Der Kollateralschaden des Lockdowns ist inzwischen höher als der Nutzen, kommentiert Tim Szent-Ivanyi.
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Berlin. Noch Mitte Februar hielt die Mehrheit der Deutschen in Umfragen die harten Corona-Beschränkungen für angemessen. Doch schon damals hatte die Abstimmung mit den Füßen längst begonnen – messbar an den Bewegungsdaten.

Danach liegt die Mobilität trotz der strengen Kontaktbeschränkungen seit Tagen nur knapp unter dem Wert von Februar 2019. Im Januar betrug der Rückgang dagegen zeitweise über 50 Prozent.

Lockdown: Die Zustimmung schwindet

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Die Menschen haben es satt. Sie wollen ihr Leben wiederhaben. Sie wollen von Corona nichts mehr hören. Sie möchten Freunde sehen, Essen gehen, shoppen, reisen. Sie wollen: Normalität. Doch so mancher Politiker hat sich bequem eingerichtet in einem angeblichen Allheilmittel, das da heißt: Lockdown.

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Da muss man sich nicht den Kopf zerbrechen über geeignete Impf- oder Teststrategien, muss nicht auf die Tube drücken. Schließlich erkauft man sich mit den harten Beschränkungen Zeit.

Zu starke Nebenwirkungen

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Ja, der Lockdown hat in den vergangenen Monaten Tausende Menschen vor schweren Erkrankungen und dem Tod gerettet. Doch es ist wie bei jeder Therapie: Die erwünschte Wirkung und die unerwünschten Nebenwirkungen müssen in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen.

Es ist kein Zufall, dass immer wieder Vertreter der Ärzteschaft vor den Folgen der massiven Beschränkungen warnen: Für sie ist dieser schwierige Abwägungsprozess Alltag. Nicht selten raten sie zum Beispiel von einer Krebstherapie ab, die das Leben zwar um einige Wochen verlängert, jedoch mit massiven Schmerzen verbunden ist.

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Eklatante Bildungslücken

Die Nebenwirkungen des Lockdowns sind bekannt: Kinder und Jugendliche wachsen mit eklatanten Bildungslücken auf, die nur schwer wieder zu schließen sind. Sie sind vermehrt Opfer häuslicher Gewalt, leiden unter Vereinsamung, Depressionen, Bewegungsmangel. Nicht anders ergeht es vielen Erwachsenen.

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Und in der Wirtschaft droht eine Pleitewelle ungeahnten Ausmaßes. Dabei steigen die Schäden nicht linear mit der Dauer des Lockdowns an, sondern sie explodieren ab einem bestimmten Zeitpunkt. Irgendwann hält ein Betroffener dem psychischen Druck nicht mehr stand, irgendwann ist die Kasse eines Unternehmens leer.

Schutz der verletzlichen Gruppen wird immer besser

Gleichzeitig entfällt zunehmend der Hauptzweck des Lockdowns, nämlich der Schutz der besonders verletzlichen Personengruppen. Denn anders als noch im vergangenen Jahr stehen jetzt Impfungen und massenhaft Tests zur Verfügung. Das Auftreten von Mutationen ändert daran nichts. Wirkung und Nebenwirkungen des Lockdowns, so muss man feststellen, stehen nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis.

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Die Strategie muss jetzt heißen: Schneller impfen, intelligent testen, sofortige Öffnungsschritte. Beim Impfen muss unter anderem durch eine Lockerung der Rangfolge dafür gesorgt werden, dass so viele Menschen so schnell wie möglich zumindest die erste Dosis bekommen. Das Testen muss so alltäglich werden wie die Desinfektion der Hände, um in allen Lebensbereichen wieder zur Normalität zurückkehren zu können.

Ganz oben auf der Öffnungsliste müssen alle Kitas und Schulen stehen – mit festen Gruppen, Wechselunterricht und einem Impfangebot für jeden Lehrer. Einzelhandel, Gastronomie, Freizeiteinrichtungen, Museen und Theater sollten schrittweise folgen – aber nicht gekoppelt an unrealistisch niedrige Inzidenzziele, sondern verbunden mit wirkungsvollen Testkonzepten und Tools zur Kontaktnachverfolgung wie der Luca-App.

Der Zielwert von 35 mag für ein Land sinnvoll sein, das dem Virus schutzlos ausgeliefert ist. Deutschland ist trotz aller Probleme davon aber inzwischen weit entfernt.

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