Corona-Lage in Lateinamerika: Auf dem Weg ins Armenhaus

  • Die Corona-Pandemie trifft Lateinamerika mit voller Wucht.
  • Immer mehr Menschen leben in Armut und prekären Verhältnissen.
  • Warum das auch für Europa und Deutschland Konsequenzen haben kann.
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Bogotá. Für die meisten Deutschen ist Lateinamerika weit weg. Doch was sich gerade in der Region zwischen dem Rio Bravo und Feuerland abspielt, hat Konsequenzen, die auch schon bald hierzulande zu spüren sein werden. Auf den Schulhöfen, in den Clubs und an den Grenzen.

“Lateinamerika wird nach der Pandemie viel ärmer sein”, sagt Luis Alberto Moreno, Präsident der Interamerikanischen Entwicklungsbank, und die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) geht von einem Rückgang der Wirtschaft um 9,1 Prozent aus.

Die drei am schlimmsten von einem Einbruch der Wirtschaft betroffenen lateinamerikanischen Länder sind demnach Venezuela (minus 26 %), Peru (–13 %) und Argentinien (–10,5 %). “Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Menschen in Armut um rund 45 Millionen zunehmen wird”, sagte Cepal-Exekutivsekretärin Alicia Barcena vor wenigen Tagen.

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Millionen Menschen in Armut

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Millionen Menschen mehr in Armut und prekären Verhältnissen, das sind ideale Wachstumsbedingungen für die mächtigen und finanzstarken Drogenkartelle. Wenn die Preise für Kokain oder Heroin weiter hoch bleiben und die Arbeitslosigkeit weiter steige, erhöhe das die Attraktivität für eine Zugehörigkeit zu einem Drogenkartell, warnen die Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC).

Das bedeutet: In den Produzentenländern Peru, Bolivien und Kolumbien oder im Vertriebsland Mexiko könnten mehr und mehr Menschen gezwungen sein, in die Produktion oder den Vertrieb des Drogenhandels zu gehen, weil sie sonst ihr eigenes Überleben nicht mehr sichern können. Und das bedeutet mehr Koks und Heroin auf Schulhöfen oder in den Clubs – auch in Deutschland.

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Die möglichen Folgen: Drogenschwemme und Migrationsdruck

Ein mögliche Drogenschwemme ist nur ein Problem. Ein anderes sind neue Migrationsbewegungen. Auch das bettelarme mittelamerikanische Dreieck Guatemala, Honduras und El Salvador ist von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hart getroffen. Von hier stammen traditionell viele Migranten, die sich auf den gefährlichen Weg durch Mexiko in Richtung USA machen. Experten sagen voraus, dass durch die Vernichtung von Arbeitsplätzen die nächste Migrationswelle schon bevorsteht.

Die Ärztin Diana Pacheco (l.) führt einen Covid-19-Test in einem Zelt in Mexiko-Stadt durch, das von der städtischen Gesundheitsbehörde aufgestellt wurde. Die lokale Gesundheitsbehörde hat mobile Testeinheiten in den von der Corona-Pandemie am stärksten betroffenen Stadtvierteln eingerichtet – allerdings mit begrenzten Testvorräten. © Quelle: Rebecca Blackwell/AP/dpa
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Dramatisch ist auch die Lage in Argentinien. Präsident Alberto Fernandez, der anfangs für seinen Kurs in der Corona-Pandemie gelobt wurde, muss mit ansehen, wie sein Land zunehmend tiefer in die Krise abrutscht. Da das Land aber hoch verschuldet ist und immer noch keine Einigung mit den internationalen Gläubigern für im August fällige Rückzahlungen hat, droht wieder einmal die Zahlungsunfähigkeit.

Bislang aber hat Fernandez noch keinen überzeugenden Plan vorgelegt, wie er dieses Problem angehen will. Ein Zahlungsausfall Argentiniens könnte auf den ohnehin nervösen Finanzmärkten für Turbulenzen sorgen.

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