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„Monothematische Verengung auf Corona“

Virologe Schmidt-Chanasit kritisiert Corona-Kurs von Lauterbach

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit von der Universität Hamburg (Symbolfoto).

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit von der Universität Hamburg hat den Gesundheitsminister Karl Lauterbach dafür kritisiert, sich bei gesundheitspolitischen Fragen ausschließlich auf Corona zu konzentrieren. Es sei „höchste Zeit, die monothematische Verengung auf Corona zu überwinden“, sagte er der „Neuen Zürcher Zeitung“.

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„Das Gesundheitssystem hat enorme Finanzierungsprobleme an vielen Stellen. Wir brauchen einen Ausgleich, damit wir uns auch wieder besser der Krebsvorsorge, den Stoffwechselerkrankungen und den vielen psychischen Erkrankungen zuwenden können. Ein Gesundheitsminister sollte alle Gesundheitsgefahren im Blick haben und nicht nur Corona“, fuhr er fort.

Schmidt-Chanasit: Lauterbach differenziert nicht

Schmidt-Chanasit kritisierte auch Lauterbachs Darstellung, wonach täglich etwa 230 Menschen an oder mit Corona sterben: „Bei einem hohen Infektionsdruck, wie wir ihn derzeit erleben, entfällt eine gewisse Zahl der Krankenhauseinweisungen auf Menschen, die zufällig positiv getestet wurden. Es kann sich um Herz-Kreislauf- oder um Schlaganfallpatienten handeln. Karl Lauterbach differenziert das nicht exakt, er sagt nicht, wie viele Menschen an Corona sterben oder eben an einer anderen Krankheit mit dem Nebenbefund einer Corona-Infektion.“

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Doch eben das sei wichtig, um die deutsche Corona-Strategie der letzten zwei Jahre zu rechtfertigen. Ob die damit verbundenen weitreichenden Corona-Beschränkungen ein Erfolg waren, bezweifelt Schmidt-Chanasit.

Gesundheitsminister Lauterbach: „Eine klare und bittere Niederlage für die Impfpflicht“

Der Bundesgesundheitsminister hatte sich nach eigenen Angaben „intensiv“ für die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht eingesetzt.

Vorwurf: Angst vor genauer Aufarbeitung

Darauf angesprochen, dass Politiker sich selbst beglückwünschen, Deutschland sei gut durch die Pandemie gekommen, sagte er: „Das klingt für mich wie Pfeifen im Wald, um die Angst zu verjagen vor den möglichen Ergebnissen einer genauen Aufarbeitung dessen, was wir mit den Lockdownmaßnahmen tatsächlich erreicht haben.“

Die geringe Anzahl an Toten reiche nicht als Beleg dafür aus. Man müsse auch fragen, welche Schäden die Gesellschaft wirtschaftlich, sozial und kulturell davongetragen habe. Zu Beginn der Pandemie sei ein Lockdown vertretbar gewesen. Doch später hätte man „differenzierter und gezielter“ vorgehen müssen, um Kollateralschäden zu verhindern.

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Er sprach von Spielsucht und Fettleibigkeit bei Kindern sowie von häuslicher Gewalt. „Eine breite Datenerhebung all dieser Fakten durch Soziologen, Psychologen, Ökonomen und Mediziner, insbesondere in Deutschland, könnte Aufschluss über Vor- und Nachteile der Corona-Maßnahmen der letzten beiden Jahre geben“, betont er.

Auch die Todeszahlen selbst zog er umfassend in Zweifel: „Schon die Frage, ob jemand an oder mit Corona in Deutschland gestorben ist, lässt sich rückblickend für die meisten Fälle nicht seriös beantworten.“

RND/sf

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