Corona-Krise: Trump gibt plötzlich den Pessimisten

  • Vor wenigen Tagen noch wollte der US-Präsident Ostern zur Normalität zurückkehren. Nun verlängert er die Restriktionen für Bürger und Geschäfte bis Ende April.
  • Zugleich stimmt Donald Trump die US-Bürger auf dramatische Todeszahlen mit mehr als 100.000 Opfern ein.
  • Doch bei Fox-News ist ihm vor allem eins wichtig: “Meine Umfragewerte sind auf Rekordniveau.”
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Washington. Die Frühstücks-Talkshow “Fox & Friends” verfolgt Donald Trump jeden Morgen. Doch wenn die Lage wirklich ernst ist, greift der Präsident der USA kurzerhand zum Hörer und ruft live in der Sendung an. Am Montagmorgen war es wieder soweit. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Präsident mehr machen würde als ich”, brüstete er sich in gewohnter Weise: “Meine Umfragewerte sind auf Rekordniveau.”

Doch der eigentliche Grund des Telefonats war ein anderer. Trump musste seinen Wählern vor den Fernsehgeräten eine schwindelerregende Kehrtwende erklären. Schon in zwei Wochen wolle er das Land in der Corona-Krise zur Normalität zurückführen, hatte er noch vor wenigen Tagen erklärt und von vollen Kirchen zu Ostern geschwärmt. Nun will er die präventiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens bis Ende April verlängern. Um Ostern herum erwartet er den Höhepunkt der Pandemie. "Wir hoffen, das Anfang Juni die Todeszahlen wieder auf ein niedrigeres Niveau fallen", erklärte er im Fernsehen.

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Nicht nur der Zeitplan des Präsidenten hat sich urplötzlich radikal verändert. Auch die Abwägung zwischen Nutzen und Risiken der Richtlinien, die vor Ansammlungen von mehr als zehn Menschen warnen, zur Heimarbeit aufrufen und die Schließung der Innenräumlichkeiten von Restaurants empfehlen, fällt auf einmal ganz anders aus. “Nichts wäre gefährlicher, als zu früh aufzuhören, und dann kommt alles noch viel schlimmer zurück”, argumentierte der Präsident. Vor wenigen Tagen noch hatte er massiv auf eine Zurücknahme der Restriktionen gedrängt: “Das Heilmittel darf nicht schlimmer sein als das Problem.”

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Trump will nicht für Harry und Meghan zahlen
1:15 min
Prinz Harry und Herzogin Meghan sollen sich entschieden haben, einige Zeit in den USA zu verbringen.  © Karl Doemens/Reuters

Die Fernsehbilder von Leichensäcken beeindruckten Trump

Trump hat seine Positionen in der Corona-Krise wiederholt sehr sprunghaft geändert. So hatte er in der vergangenen Woche die Abriegelung der von der Pandemie besonders dramatisch heimgesuchten Millionenmetropole New York angekündigt, die er wenig später dann doch zurücknahm. Was seinen jüngsten Sinneswandel bewirkt hat, ist nicht ganz klar. US-Medien spekulieren, die Fernsehbilder aus dem New Yorker Stadtteil Queens von Leichensäcken, die in Kühllaster verladen werden, hätten Trump bewegt. In der Nachbarschaft war der Milliardär aufgewachsen.

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Einen mindestens so starken Eindruck aber scheint eine Zahl gemacht zu haben, die ihm seine Experten vorlegten: Eine Studie des Imperial College in London vom 16. März geht von 2,2 Millionen Toten in den USA aus, wenn überhaupt keine Maßnahmen zur Eindämmung des Virus unternommen werden. Bei einer Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses am Sonntagabend wiederholte er die Zahl immer wieder, und auch im Frühstücksfernsehen am nächsten Morgen zeigte er sich beeindruckt: "Das ist wirklich viel." Er hoffe nun, die Todeszahl auf 100.000 begrenzen zu können. Wenn das gelinge, so Trump, "dann haben wir alle zusammen einen guten Job gemacht".

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Die dramatische Ankündigung muss viele Amerikaner schockieren, denn lange hatte der US-Präsident behauptet, die Corona-Pandemie werde wie eine normale Grippe vorüberziehen. Wie falsch diese Einschätzung war, zeigt sich seit zwei Wochen. Inzwischen sind in den USA mehr als 140.000 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt. Die offizielle Zahl liegt höher als in irgendeinem anderen Land der Welt. Rund 2500 Menschen sind gestorben. Alleine in New York gibt es mit rund 60.000 Betroffenen etwa so viele Infizierte wie in ganz Deutschland. Obwohl sich Trump für sein Krisenmanagement lobt, fehlen im ganzen Land weiter Tests, Schutzkleidung und Beatmungsgeräte.

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