Corona-Krise: Die Schlagbäume müssen wieder hoch

  • Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will trotz zahlreicher Proteste an den Grenzkontrollen vorerst festhalten.
  • Das sollte er sich nochmal überlegen.
  • Denn die Kontrollen schaden Europa, kommentiert Markus Decker.
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Berlin. Horst Seehofer bekommt jetzt von überall her Briefe: Von Unionsleuten, von Grünen, von Landrätinnen und Landräten aus baden-württembergischen Grenzregionen. Der Tenor ist immer der gleiche: Die Absender fordern den Bundesinnenminister von der CSU auf, die Grenzen im Zuge der Corona-Krise endlich wieder zu öffnen. Sie haben Recht damit.

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Grenzschließungen machen vorübergehend Sinn, wenn es in Nachbarregionen gefährliche Infektionsherde gibt – so wie zuletzt im Elsass. Allerdings sind die Kollateralschäden erheblich. Denn die Schließungen zerschneiden menschliche Bindungen, schränken das wirtschaftliche Leben ein und erzeugen noch dazu den Eindruck, als werde das Virus in erster Linie aus dem Ausland übertragen, was ja nicht stimmt.

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Gestörte Kommunikation

Überhaupt müsste über Grenzschließungen in, durch oder mit der EU-Kommission in Brüssel entschieden werden, nicht in Berlin. Die Bürger verbinden mit der Europäischen Union in erster Linie Reisefreiheit. Diese Errungenschaft darf man nicht aufs Spiel setzen. Der Bundesinnenminister hat bereits im großen Flüchtlingsstreit 2018 gezeigt, dass er dafür keinen Sensor hat.

Dass sich sogar die eigenen Leute öffentlich an den Grenzschließer Seehofer wenden müssen, legt im Übrigen noch ein ganz anderes Problem offen: dass die Kommunikation mit ihm ansonsten schlicht nicht funktioniert. Normalerweise würden derlei Fragen in Fraktionssitzungen geklärt. An denen nimmt der zuweilen erratische 70-Jährige aber in der Regel nicht teil.

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Auch sonst ist von seinem Ministerium in der Corona-Krise nicht viel zu sehen. Dessen Öffentlichkeitsarbeit ist ohnehin längst so erratisch wie der Minister selbst. Öffentliche Aufforderungen an den Ressortchef aus den eigenen Reihen wirken da wie ein Misstrauensvotum. Das soll es in diesem Fall wohl auch sein.

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