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Corona-Krise: Lauterbach fordert Ende der Einzelfall-Nachverfolgung

  • Angesichts der steigenden Corona-Infektionen arbeiten auch die Gesundheitsämter am Limit, viele sind bereits wieder überlastet.
  • SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach spricht sich daher für eine Abkehr von der Nachverfolgung sämtlicher Kontakte jedes Einzelfalls aus.
  • Er sagt: “Das Robert Koch-Institut muss jetzt endlich den Schalter umlegen.”
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Berlin. Um einen Kontrollverlust der Gesundheitsämter in der Corona-Krise zu verhindern, fordert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach eine Abkehr von der Nachverfolgung sämtlicher Kontakte jedes Einzelfalls.

„Ein Kontrollverlust ist nur noch abzuwenden, wenn wir sofort umsteuern: Weg von der Einzelfall-Nachverfolgung, hin zur retrospektiven Cluster-Aufarbeitung“, sagte Lauterbach der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Wenn Ämter nicht mehr jeden Fall verfolgten, werde Personal frei, um Clustermitglieder - also Mitglieder bestimmter Gruppen - zu kontaktieren. „Das Robert Koch-Institut muss jetzt endlich den Schalter umlegen.“

Konkret bedeute das, bei einem neuen Corona-Fall systematisch abzufragen, ob die Person in den fünf Tagen vor der Ansteckung zu einem bestimmten Zeitpunkt eng mit vielen anderen Menschen zusammen war, etwa in einer Schulklasse, bei einer Chorprobe, einer Feier, in einer Pflegeeinrichtung, erläuterte Lauterbach. „Dann jagt man nicht allen Einzelkontakten der Person nach, sondern kontaktiert gezielt nur diejenigen, die an den Clustern beteiligt waren, also Mitschüler, Chormitglieder und so weiter.“

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Die Verbandschefin der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, Ute Teichert, hatte sich am Donnerstag in den ARD-„Tagesthemen“ ähnlich geäußert. „Tatsächlich wäre es gut, wenn man auf die Cluster vorwiegend gucken würde. Das würde aber bedeuten, dass man insgesamt einen Strategiewechsel in der Gesellschaft bräuchte“, hatte sie gesagt.

Das bedeute aber, dass man sich in Quarantäne begeben müsse, bloß weil man bei einem Cluster dabei war - dafür müssten auch rechtliche Grundlagen geschaffen werden. „Ich glaube, dass das insgesamt schwierig wird.“

RND/dpa

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