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Corona-Krise: Mehr Aufbruch, weniger Anspruchsdenken

  • Die gemeinsame Impfstoffbeschaffung in der EU steht derzeit in der Kritik.
  • Und es stimmt: Brüssel erscheint wieder zu schwerfällig, Deutschland muss einen Mangel an Impfdosen verwalten.
  • Nur Hätte, Wenn und Aber, das Zaudern und Jammern löst keine Probleme, kommentiert Kristina Dunz.
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Berlin. Nichts darf verharmlost werden, in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie erst recht nicht. Fehler müssen benannt und analysiert werden, um Lehren daraus zu ziehen. Wer sich Versäumnissen selbstkritisch stellt, ist beim nächsten Mal besser gewappnet. Oder man erklärt noch einmal umstrittene Entscheidungen, damit die Bevölkerung etwa besser verstehen kann, warum die Regierung bei der Bestellung der Impfdosen keinen nationalen Alleingang gemacht hat.

Oft ist Kanzlerin Angela Merkel von europäischen Partnern bitter vorgeworfen worden, sie drücke der EU einen deutschen Stempel auf – Deutschland, die größte europäische Volkswirtschaft, ignoriere die Probleme finanzschwächerer Länder. Das war in der Schulden- und Eurokrise so und auch in der Flüchtlingspolitik.

Merkel wollte Deutschland diesem Vorwurf nicht auch noch in der sich um Leben und Tod drehenden Corona-Krise aussetzen, schon gar nicht in den Monaten der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Es gilt in dieser historischen Ausnahmesituation nicht nur, das eigene Land zusammenzuhalten, sondern auch noch Europa.

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Es stimmt, Brüssel erscheint wieder zu schwerfällig. Nun muss Deutschland einen Mangel an Impfdosen verwalten. Was auch daran liegt, dass die Bundesregierung ausgerechnet bei dem von ihr mit vielen Millionen Euro geförderten deutschen Biotechnologieunternehmen Biontech keine Lieferungen auf eigene Kappe nachbestellt hat, nachdem die EU-Ebene in einem ersten Schritt bedient war.

Das ist ebenso bedauerlich wie das Ruckeln beim Impfstart, weil an und zwischen den Feiertagen vom Krisen- in den Weihnachtsruhemodus gewechselt wurde. Nur Hätte, Wenn und Aber, das Zaudern und Jammern löst keine Probleme.

2021 sollte auch ein Jahr des Aufbruchs werden

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2021 wird ein Jahr der Zäsur. Die Politik wird mit sechs Landtagswahlen und der Bundestagswahl neu geordnet, Merkel tritt ab. 2021 sollte auch ein Jahr des Aufbruchs werden, mit mehr Mut, Demut, Solidarität, Eigenverantwortung und weniger Anspruchsdenken.

Wenn die beiden Frauen und die 14 Männer in der Ministerpräsidentenkonferenz mit Merkel am Dienstag die Corona-Kontaktbeschränkungen bis Ende Januar verlängern, dann machen wir am besten das Beste daraus. Es geht um nichts anderes, als das Gesundheitssystem am Laufen zu halten und zu verhindern, dass Patienten keine lebensrettende Hilfe bekommen, weil die Intensivstationen überlastet sind.

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9847 Corona-Neuinfektionen und 302 neue Todesfälle gemeldet
0:59 min
Das Robert-Koch-Institut verzeichnet 9847 Corona-Neuinfektionen und 302 neue Todesfälle innerhalb eines Tages.  © dpa

Erst wenn diese Gefahr gebannt ist, kommt die schrittweise Rückkehr zur Normalität. Denn ohne Gesundheit ist alles nichts. Und es ist gut möglich, dass der Shutdown noch weiter verlängert wird – immer mit einer Überprüfung der Maßnahmen spätestens nach vier Wochen.

Es mag sich profan anhören, aber man muss es sich einfach einmal vergegenwärtigen: Wir haben Wasser, wir haben Strom, wir haben Essen. Wir bekommen Überbrückungshilfen, so weit der Staat sich verschulden kann. Alles Werte, an denen es vielen Menschen auf der Welt mangelt. Was uns oft fehlt, ist Mitgefühl, Nachsicht, Geduld, Bescheidenheit. Wir sind darin weniger geübt, als Forderungen zu stellen.

Die Corona-Krise wirft Deutschland zurück. Wir müssen akzeptieren, dass unser Wohlstand eine Zeit lang nicht wachsen wird und Billionenschulden zurückgezahlt werden müssen. Politikerinnen und Politiker müssen das vor den Parlamentswahlen deutlich machen.

So wie sie die Pandemie nutzen müssen, die großen Probleme des Landes bei der Digitalisierung, der überbordenden Bürokratie oder der Vereinsamung vieler Menschen viel intensiver als bisher anzugehen. Die durch Corona sichtbar gewordenen gesellschaftlichen Schwächen werden nicht durch wärmeres Wetter und Impfungen überwunden.

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