Heil drängt Unternehmen zu mehr Homeoffice

  • Schulen und Kitas sind dicht, gegen volle Büros gibt es jedoch nur Appelle.
  • Arbeitsminister Heil hat Unternehmen nun erneut aufgefordert, Beschäftigte ins Homeoffice zu lassen. Er bedauere, dass ein Rechtsanspruch auf das Arbeiten von zu Hause an der Union gescheitert sei.
  • Linksfraktionschef Bartsch mahnt die Regierung zu handeln: Man müsse Arbeitgeber, die Homeoffice verweigern, zur Begründung verpflichten.
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Frankfurt/Main. In der Debatte um mehr Homeoffice im Kampf gegen die Corona-Pandemie steigt der Druck auf die Wirtschaft. Sowohl Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) als auch CSU-Chef Markus Söder kündigten Gespräche mit Unternehmen an, um mehr Möglichkeiten für Beschäftigte zu erreichen, von zu Hause zu arbeiten. Forderungen nach einer Homeofficepflicht weist die Wirtschaft jedoch zurück.

Heil forderte die Unternehmen dringend auf, Beschäftigten in der Corona-Krise Homeoffice zu gewähren. „Willkürlich Homeoffice zu verweigern, wäre jetzt unverantwortlich“, sagte der SPD-Politiker dem Sender NDR Info. Er werde seinen Appell an die Unternehmen, das Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen, am Dienstag in einer Konferenz mit den Personalvorständen großer Firmen bekräftigen.

Wo kein Homeoffice möglich sei, müssten die Hygieneauflagen strikt eingehalten werden, sagte Heil weiter. Sonst könne er einen Stillstand auch in der Produktion nicht ausschließen. Einen Lockdown in der gesamten Wirtschaft wolle er jedoch unbedingt vermeiden. Es gehe darum, „dass unsere Wirtschaft, wo immer es geht, am Laufen gehalten wird.“

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Union gegen Rechtsanspruch auf Homeoffice

Heil bedauerte, dass die Einführung eines Rechtsanspruchs auf Homeoffice am Widerstand der Union gescheitert sei. „Sonst wären wir jetzt weiter.“ Nach seinem Eindruck wurde die Heimarbeit im Frühjahr mehr genutzt als jetzt.

Im verlängerten Lockdown hat die Debatte um die Verantwortung der Wirtschaft im Kampf gegen das Coronavirus zuletzt Fahrt aufgenommen. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte angesichts anhaltend hoher Infektionszahlen und des Auftretens einer Virusmutation, die Wirtschaft bei der Bekämpfung der Pandemie stärker in den Fokus zu nehmen. Bund und Länder hätten bei Einzelhandel, Kultur und Schulen zwar harte Maßnahmen ergriffen. Für große Bereiche der Wirtschaft gebe es aber kaum verpflichtende Regeln.

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Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender Die Linke im Bundestag © Quelle: Annette Riedl/dpa

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), es sei “ein Fehler der Pandemiekämpfung, dass es keine klaren Regeln für das Arbeitsleben im Lockdown gibt”.

Bartsch rief die Bundesregierung zum Handeln auf: “Es kann nicht sein, dass die Entscheidung allein beim Arbeitgeber liegt. Im Vergleich zum Frühjahr sind weniger Menschen im Homeoffice, viele Großraumbüros sind voll”, kritisierte der Linke. “Wir brauchen einen grundsätzlichen Rechtsanspruch auf Homeoffice während des Lockdowns und eine Begründungspflicht des Arbeitgebers, wenn Homeoffice nicht möglich sein sollte.” Die Linksfraktion unterstütze den Vorstoß des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

DGB-Chef Hoffmann fordert Rechtsanspruch

DGB-Chef Reiner Hoffmann hatte zuvor erneut den Rechtsanspruch aufs Homeoffice gefordert. “Es kann nicht sein, dass die Arbeitgeber allein darüber entscheiden”, sagte er der Süddeutschen Zeitung. Ebenso müsse sichergestellt werden, “dass niemand ins Home Office gezwungen werden kann”.

Neben Heil kündigte auch der bayrische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder Gespräche mit Unternehmen an, um mehr Möglichkeiten für Beschäftigte zu erreichen, von zu Hause zu arbeiten. Forderungen nach einer Homeoffice-Pflicht weist die Wirtschaft jedoch zurück.

RND/sgey/dpa

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