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Corona-Krise: Einst gefeierte Gouverneure Cuomo und Newsom geraten unter Druck

  • In der Corona-Krise machten in den USA vor allem zwei Gouverneure von sich reden: Andrew Cuomo in New York und Gavin Newsom in Kalifornien.
  • Ersterer griff die Trump-Regierung scharf an, beide wurden für ihren Führungsstil gefeiert.
  • Doch nun drohen ihre Sterne zu sinken.
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Washington. Als die Corona-Pandemie begann, machten sich zwei Gouverneure an entgegengesetzten Enden der USA einen Namen: Andrew Cuomo in New York und Gavin Newsom in Kalifornien wurden für ihren Führungsstil und Umgang mit der Krise gefeiert. Jetzt scheint bei beiden Demokraten der Stern zu sinken.

Bei Cuomo ist es besonders die Frage nach den Corona-Opferzahlen, die ihn unter Druck bringt. Seiner Regierung wird vorgeworfen, versucht zu haben, das wahre Ausmaß der Pandemie zu verschleiern. Im Kern geht es um die Todeszahlen in Pflegeheimen. Newsom sieht sich von Kritikern seiner Corona-Beschränkungen in die Enge getrieben – und wegen persönlicher Missachtung der Corona-Regeln.

Gemeinsam ist beiden: Die Krise, die sie groß gemacht hat, kann sie nun zu Fall bringen. Im März vergangenen Jahres, als Schulen und Arbeitsstätten zum ersten Mal geschlossen wurden, schlug die Stunde der Gouverneure, die die Lockdown-Regelungen in ihren Staaten kontrollierten.

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Cuomo hatte scharfe Kritik an der Trump-Regierung geübt

Der New Yorker Cuomo wandte sich in täglichen Briefings übers Fernsehen an die Bevölkerung, zeigte sich mitfühlend, fast philosophisch und auch mit scharfer Kritik an der US-Regierung unter dem damaligen republikanischen Präsidenten Donald Trump. Die TV-Auftritte wurden schnell populär.

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Newsom in Kalifornien setzte schnell und früh Corona-Einschränkungen um, und der Staat an der Westküste konnte so eine Weile dem Schlimmsten entgehen. Der Gouverneur zeigte sich sanfter, beruhigender, vermied Parteilichkeit und kam damit gut an.

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Doch Gouverneure werden in solch einer Krise letztlich nicht nach Worten und Auftreten beurteilt, sondern an den harten Fakten, wie der kalifornische Stratege Rob Stutzman betont. Und die Resultate seien überall schlecht gewesen: „Am Ende haben die unterschiedlichen Zugänge der Gouverneure wenig Unterschied gemacht, denn, nun ja, es geht um ein Virus.“

Cuomo und die Pflegeheime

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Trotz dramatischer Covid-19-Todeszahlen in New York stieg Cuomos Beliebtheit zunächst noch, im Frühjahr und Sommer wurde er wegen seiner Corona-Politik sogar als möglicher Präsidentschaftskandidat ins Spiel gebracht. Noch im Herbst veröffentlichte Cuomo ein Buch mit dem selbstbewussten Titel „Amerikanische Krise: Führungslektionen aus der Covid-19-Pandemie“ (American Crisis: Leadership Lessons from the Covid-19 Pandemic).

Dann geriet Cuomo aber durch Enthüllungen über den Umgang mit Corona in Pflegeheimen ins Straucheln. Die Staatsanwaltschaft prangerte die Regierung wegen zu niedrig angegebener Opferzahlen in den Heimen an, weil bestimmte Todesfälle nicht in die Statistik eingeflossen seien. Daraufhin nannte der Staat New York die Zahl von mindestens 15.000 Toten, fast doppelt so viel wie ursprünglich angegeben.

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„Die Pflegeheim-Geschichte hat Fragen über seinen Führungsstil und den Erfolg seiner Führung während Covid aufgeworfen“, sagt die Politikprofessorin Christina Greer von der Fordham University in New York. Und mit Blick auf Cuomos Veröffentlichung erklärt sie: „Der Gouverneur schrieb ein Buch, in dem er seine Leistungen propagierte, und wir wissen nicht einmal, ob wir schon halb durch die Pandemie durch sind.“ Es habe zu viele Momente gegeben, in denen schon der Sieg erklärt worden sei, resümiert auch die Politstrategin Rebecca Katz, selbst Demokratin.

Newsom und die Corona-Regeln

In Kalifornien kam der Rückschlag für den Gouverneur weniger abrupt. Vieles spielte ineinander. So musste ein bloßgestellter Newsom im November eingestehen, dass er die Geburtstagsparty eines Lobbyisten in einem Nobelrestaurant besucht hatte - während er die Kalifornier aufforderte, Zusammenkünfte zu vermeiden.

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Zugleich begann das Bild von Kalifornien als Modell für den Kampf gegen Corona zu verblassen, die Fallzahlen stiegen, die Krankenhauskapazitäten schrumpften. Das spielte – schon vor der Pandemie erhobenen – republikanischen Abberufungsforderungen in die Karten, die Kampagne gewann an Fahrt.

Im Januar dann hob Newsom abrupt Ausgehbeschränkungen auf, was ihm den Vorwurf einbrachte, die Wissenschaft zu ignorieren. Und dann kamen auch noch Probleme bei der Impfstoffverteilung hinzu. Inzwischen sinken die Corona-Fallzahlen zwar in Kalifornien, aber Newsoms Popularität kommt nicht aus dem Tief.

In so manchen anderen US-Staaten hat das Virus die Gouverneure deutlich weniger in Bedrängnis gebracht. Dazu zählen der Republikaner Charlie Baker in Massachusetts oder der Demokrat Jared Polis in Colorado. Aber an den Beispielen Cuomo und Newsom zeigt sich, dass der Umgang mit Krisen in bevölkerungsreichen Staaten noch einmal kritischer ist - und immer im Rampenlicht geschieht.

„New York und Kalifornien sind unter der Lupe“, sagt Jared Leopold, ehemaliger Sprecher des Verbands Demokratischer Gouverneure (DGA). „Alles Gute, was hier passiert, sieht fünfmal besser aus, und alles Schlechte sieht fünfmal schlimmer aus.“

RND/AP

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