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Corona-Krise: Die Abhängigkeit von der Wissenschaft schwindet

Derzeit im Fadenkreuz: Top-Virologe Christian Drosten. (Dritter von links)

Berlin. Bodo Ramelow musste am Dienstag ein paar Federn lassen. Von der Ankündigung des thüringischen Ministerpräsidenten, am 6. Juni alle Corona-Beschränkungen aufzuheben, war in Erfurt keine Rede mehr. Stattdessen verschob das Kabinett eine Entscheidung auf nächste Woche. Der Linken-Politiker hat eine vermeidbare Niederlage hinnehmen müssen – vermeid-, weil absehbar.

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Zwar ist die Entwicklung der Infektionszahlen so, dass Lockerungen notwendig, ja unvermeidlich sind. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Erfolge der Vorbeugung nicht auf sie zurückgeführt werden, sondern die Vorbeugung selbst unter Verdacht gerät. Notwendig und unvermeidlich sind überdies regional ausdifferenzierte Lösungen. Wo die Zahl der Neuinfektionen bei oder nahe Null liegt, lassen sich Grundrechtseingriffe kaum mehr begründen. Da hat der Regierungschef Recht.

Hauptopfer: Christian Drosten

Trotzdem lag Ramelow so falsch wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zu Beginn der Krise, als er den Superlockdowner gab – falsch mindestens in der Art der Kommunikation. Denn was in dem einen Land getan und lauthals verkündet wird, strahlt in die Öffentlichkeit aller anderen 15 Länder aus, verunsichert Bürger und setzt politische Akteure unter Druck. Lockerungen, wie sie Ramelow vorschweben, könnten überdies sehr rasch negative Folgen für Nachbarländer haben. Schließlich ist Thüringen keine Insel.

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Eigenverantwortung? Schön und gut. Gleichwohl ist es der Staat, dem die Verantwortung zugewiesen wird, wenn etwas schief geht – immer. Ohnehin gilt: Je verantwortungsvoller sich die Bürger verhalten, desto weniger muss der Staat eingreifen. Es spricht deshalb alles dafür, dass Bund und Länder nicht einheitlich, aber abgesprochen agieren. Alleingänge nutzen keinem und schaden allen.

Ein weiterer Schluss betrifft aktuell das Verhältnis der Politik zur Wissenschaft – hier: zur Virologie. Als die Krise begann, da katapultierte sie die Virologen schlagartig in eine zentrale Rolle. In der Dunkelheit folgen alle dem, der die Taschenlampe hat. Daraus resultierte eine für beide Seiten ungesunde Abhängigkeit der Bürger, die zuweilen in Aggressionen gegen die Forscher mündete und von manchen Politikern und Medien ausgeschlachtet wird. Der Berliner Virologe Christian Drosten ist das Hauptopfer. Er und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erhielten zuletzt Drohpakete.

Söder lehnt radikalen Kurswechsel in Corona-Politik ab

Allein gelassenen thüringischen Landkreisen könne man mit Rat und Tat zur Seite stehen, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder.

Bürger sammeln Wissen an

Mit dem Nachlassen der Pandemie bei uns und angesichts der Tatsache, dass es nun ungefähr so viele Virologen wie Fußballtrainer gibt, schwindet die Abhängigkeit. Gut so. Politik und Bürger können die Risiken besser überblicken. Sie sammeln eigenes Wissen. Das dient der Emanzipation. Es dient auch der Wissenschaft, die die Verantwortung allein nicht tragen kann.

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Um aber nochmal auf Bodo Ramelow zurückzukommen. Es war jetzt Söder, der ihm am vehementesten widersprach – jener Söder, der sonst liebend gern macht, was er will. Das sollte uns eine Lehre sein.

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