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Krankenkassen: “Zahlen alles, was im Kampf gegen Corona nötig ist”

  • Die Coronapandemie wird die Krankenkassen Milliarden kosten.
  • Doch die oberste Kassenmanagerin Doris Pfeiffer versichert im Interview, dass Ärzte und Krankenhäuser immer genug Geld bekommen.
  • Man halte dem Gesundheitssystem den Rücken frei, so Pfeiffer.
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Berlin. Doris Pfeiffer ist die oberste Krankenkassenmanagerin. Der von ihr geführte Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen vertritt die 105 Kassen bei Verhandlungen mit der Politik sowie mit Ärzten oder Krankenhäusern. Zwar hat der Verband seinen Sitz unweit des RND-Hauptstadtbüros, das Gespräch wird wegen der Coronapandemie dennoch am Telefon geführt.

Frau Pfeiffer, Ärzte, Pfleger und Krankenhäuser melden sich wegen der Coronaepidemie zu Wort, doch die Krankenkassen und ihre Verbände verhalten sich auffallend ruhig. Was ist los bei Ihnen?

Wir wollen den vielen Menschen, die sich jetzt in vorderster Reihe um die Patienten kümmern, den Rücken frei halten. Das machen wir im Hintergrund durch Gespräche und Vereinbarungen mit Vertretern der Ärzte, Kliniken, Pflegeeinrichtungen und der Politik. Wir sorgen dafür, dass die gesundheitliche Infrastruktur auch unter Krisenbedingungen funktioniert, während Mediziner und Pfleger vor Ort die praktische Versorgung sicherstellen. Gleichzeitig sind die Krankenkassen im Dauereinsatz bei der Beantwortung von Versichertenanfragen und der Lösung individueller Probleme.

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Können Sie garantieren, dass weiterhin jeder Patient in Deutschland angemessen medizinisch versorgt wird?

Wir erleben gerade eine riesige gemeinsame Anstrengung in diesem Land, um genau das sicherzustellen. Einerseits werden die Behandlungskapazitäten ausgebaut, auch die Absage planbarer Operationen gehört dazu. Andererseits wird das soziale Leben durch politische Vorgaben so weit wie möglich eingeschränkt, um die Ansteckungen auf ein Minimum zu konzentrieren. Beides ist notwendig. So können wir die Ausbreitung des Virus verlangsamen und gleichzeitig zusätzliche schwer Erkrankte behandeln. Ich bin sehr zuversichtlich, dass in Deutschland als Ergebnis dieser gemeinsamen Anstrengung, an der sich die gesamte Gesellschaft beteiligen muss, jeder die angemessene medizinische Behandlung bekommt.

Was tun die Krankenkassen, um Ärzte und Krankenhäuser zu entlasten, damit sie sich auf die Versorgung von Infizierten konzentrieren können?

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Zum Beispiel können Patientinnen und Patienten sich seit Anfang letzter Woche bei leichten Atemwegserkrankungen einfach telefonisch für sieben Tage krankschreiben lassen; und das gilt auch bei der Erkrankung eines Kindes. Das entlastet die Arztpraxen und vermindert direkte Kontakte. Den Pflege-TÜV haben wir erst mal ausgesetzt, damit die Pflegekräfte in den Heimen und bei den Pflegediensten freie Kapazitäten für die direkte Versorgung der Pflegebedürftigen bekommen.

Wird es zusätzliches Geld von den Kassen geben, damit zum Beispiel Mediziner im Ruhestand reaktiviert werden können?

In einer solchen Krise ist es ein beeindruckendes Zeichen von Gemeinsinn, wenn Ruheständler sich zurück in der Klinik melden und sagen: “Hier bin ich, wo kann ich helfen?” Dass diese notwendigen zusätzlichen medizinischen und pflegerischen Leistungen finanziert werden, steht für uns außer Frage.

Es wird davon ausgegangen, dass es früher oder später eine Priorisierung bei der Behandlung geben wird, um Leben zu retten. Wie kann man gewährleisten, dass es dabei für die Versicherten fair zugeht?

Wir priorisieren bereits jetzt, wenn wir sagen, dass planbare Behandlungen zunächst abgesagt werden sollen, um Intensivkapazitäten in den Kliniken für schwer an dem Coronavirus Erkrankte frei zu bekommen. Minister Spahn, Ärzteschaft, Pflegekräfte und Krankenkassen arbeiten jetzt gemeinsamen mit großem Einsatz dafür, eine Priorisierung zu vermeiden, bei der es um Leben und Tod geht.

Welche Forderungen haben Sie an Gesundheitsminister Spahn?

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In dieser Krise arbeiten wir alle Hand in Hand zusammen, das abgestufte Vorgehen der letzten Tage und Wochen finde ich richtig. Jetzt hört man immer wieder Leute sagen, man hätte dieses oder jenes früher oder anders machen sollen. Natürlich – hinterher ist man immer klüger und sicherlich erkennen wir in der Krise Dinge, die man im Vorfeld hätte besser machen können. Aber jetzt sind die kranken Menschen im Fokus. Jetzt brauchen wir Tag für Tag rasche Lösungen und Entscheidungen, die besonnen getroffen und umgesetzt werden. Ich finde, dass der Gesundheitsminister hier auch in der Abwägung und Staffelung der Maßnahmen wirklich gute Arbeit macht. Später, wenn wir gemeinsam die Krise überwunden haben, dann setzen wir uns sicherlich auch mit der Politik zusammen und besprechen, was wir alle aus der dann hoffentlich insgesamt gut überstandenen Krise für die Zukunft lernen können.

Was wünschen Sie sich von Ärzten und Krankenhäusern?

Wir erleben bereits jetzt, mit welchem beeindruckenden Engagement und welcher Leidenschaft das medizinische und pflegerische Personal an der Lösung dieser historischen Aufgabe arbeitet. Wir als Gesellschaft können uns nur wünschen und vor allem daran arbeiten, dass die Last für das System insgesamt, aber vor allem auch für den Einzelnen, nicht zu groß wird.

Die Krise wird erhebliche Kosten und auch Ausfälle bei den Beitragseinnahmen verursachen. Können die Krankenkassen das ohne Hilfe des Staates stemmen oder ist eine Unterstützung notwendig?

Die gesetzliche Krankenversicherung mit ihren 73 Millionen Versicherten ist eine starke Solidargemeinschaft, die große Lasten schultern kann. Die einzelnen Krankenkassen bekommen unabhängig von den Beitragszahlungen feste Einnahmen aus dem Gesundheitsfonds. Glücklicherweise verfügt der über Reserven, die in dieser Krise dringend gebraucht werden. Das deutsche Gesundheitswesen steht vor der größten Herausforderung seit Jahrzehnten und die gesetzliche Krankenversicherung sorgt im Hintergrund für die notwendige Stabilität. Wir achten darauf, dass Kliniken und Ärzte mit der erforderlichen Liquidität versorgt werden, damit sie leisten können, was medizinisch notwendig ist. Auch die gesetzliche Krankenversicherung leistet in dieser Krise Außergewöhnliches. Spätestens im Herbst werden wir einen Kassensturz machen, um zu sehen, wo wir finanziell stehen und ob wir zum Beispiel über eine Erhöhung des Bundeszuschusses sprechen müssen.

Was können die Versicherten selbst tun, um das Gesundheitswesen jetzt zu entlasten?

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Hände waschen, Abstand halten und soziale Kontakte auf das unbedingt Notwendige zurückfahren. So kann jede und jeder einen kleinen Teil dazu beitragen, dass sich das Virus langsamer verbreitet und damit das Gesundheitssystem entlasten. Zahlreiche Krankenkassen haben Telefonhotlines für die Versicherten eingerichtet, das Robert-Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben Verhaltenshinweise veröffentlicht und konkreten Rat bei Unsicherheiten gibt auch die Telefonnummer der Ärzteschaft, die 116 117.

Die Krankenkassen haben immer wieder beklagt, es gebe in Deutschland zu viele Kliniken mit zu vielen Betten. War das ein Fehler?

Uns geht es um die strukturelle Weiterentwicklung des Gesundheitswesens. Beispielsweise würde heute niemand mehr eine Vielzahl von kleinen Kliniken in Ballungsgebieten planen, wie wir sie heute in Deutschland haben. Zahlreiche dieser kleinen Kliniken haben weder Personal noch Ausstattung, um schwer erkrankte Coronapatienten angemessen zu versorgen. Die Coronapandemie mit all ihren Herausforderungen entbindet uns nicht von der Aufgabe, die Krankenhausversorgung zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.

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