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Populisten in der Corona-Krise: Die Zeit der Stümper läuft ab

  • Die Coronakrise ist für regierende Rechtspopulisten ein politischer Alptraum.
  • Denn das Virus lässt sich weder zum Sündenbock machen, noch bedrohen.
  • Das wird sich schon bald in Wahlergebnissen niederschlagen, kommentiert Christian Burmeister.
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Berlin. Drastische Beschränkungen, verängstigte oder verärgerte Bürger: Geht das, was wir bisher als “aufgeklärten Westen” kannten durch die Corona-Krise endgültig unter? Wahrscheinlicher ist das Gegenteil. Eine Wiederauferstehung dieser historisch so erfolgreichen Idee. Denn ihre inneren Gegner, allen voran Donald Trump und Boris Johnson erleben in der Corona-Krise gerade ihr Waterloo.

Die beiden Politiker stehen stellvertretend für eine Bewegung, die für Wissenschaften (z.B. Trump beim Klimawandel) oder “Expertentum” (Johnson beim Brexit) nur Verachtung übrig hat und glaubt alles selbst am besten zu wissen. Das Corona-Virus aber straft diese Form der Ignoranz gnadenlos ab. Es lässt sich nicht zum Sündenbock machen, es lässt sich nicht einschüchtern und nicht mit sich verhandeln. Es ist einfach da. Mit voller Wucht.

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Ein Versagen an zentraler Stelle

Anders als in autokratischen Systemen wie der Türkei, Russland oder China können Kritiker des Regierungshandels im Westen nicht einfach mundtot gemacht werden. Das wird auf absehbare Zeit auch nicht gelingen. Und so tritt die Stümperhaftigkeit der Populisten besonders grell zu Tage. Johnson brüstete sich noch: “Ich schüttle weiterhin Hände”, bevor er sich selbst infizierte. Trumps Pressekonferenzen grenzen oft an absurdes Theater. Seine Ratschläge schwanken zwischen brandgefährlich und nutzlos.

Die Chancen stehen gut, dass eine kritische Masse an Wählern diese Auftritte auch nach der Krise nicht vergessen haben wird. Denn Trump, Johnson oder der brasilianische Präsident Bolsonaro versagen an einer zentralen Stelle des unausgesprochenen Gesellschaftsvertrags: dem Versprechen des Staates an seine Bürger, den maximal möglichen Schutz für ihr Leben zu gewährleisten. Als erstes könnte es Trump im November erwischen. Selbst gegen einen blassen Konkurrenten wie Joe Biden. Verdient wäre es allemal. Und ein Zeichen der Hoffnung: Der gesunde Menschenverstand hat im Westen doch noch nicht abgedankt.

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