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  • Corona-Infektionen steigen: Gibt es bald wieder Homeoffice und Kontaktbeschränkungen?

Steigende Zahlen: Corona als Déjà-vu-Erlebnis

  • Zurück auf Los? Die gestiegenen Corona-Fallzahlen lösen Besorgnis aus.
  • Aber anders als im Frühjahr sollte jetzt allen klar sein, was zu tun und zu lassen ist.
  • Der Sommer bietet eine große Chance zur Einhegung des Virus, kommentiert Marina Kormbaki.
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Berlin. Geht jetzt alles wieder von vorn los? Kontaktbeschränkungen, Heimarbeit, Vereinzelung?

Die Zahl der täglich gemeldeten Corona-Infektionen hat inzwischen das Niveau von Mitte März erreicht, als Bayern den Katastrophenfall ausrief und Deutschland den Lockdown vorbereitete. Und so wie damals lösen die steigenden Fallzahlen auch heute Unruhe und Besorgnis aus. Corona wird zum Déjà-vu.

Spätestens als in dieser Woche der lange Zeit abgetauchte RKI-Präsident Lothar Wieler überraschend vor die Öffentlichkeit trat und die Bürgerinnen und Bürger zur Vorsicht ermahnte, war klar: Die Lage ist wieder ernst. Plötzlich scheint die oft erwähnte, aber stets in einer ferneren Zukunft verortete “zweite Welle” Wirklichkeit zu werden.

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RKI-Chef Wieler warnt vor steigenden Fallzahlen
2:13 min
In Deutschland ist die Zahl der bekannten Infektionen um 633 auf 206.242 angestiegen, wie aus Daten auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts hervorgeht.  © Reuters

Das Virus war nie weg

Gewiss war das Virus nie verschwunden. Bloß bestimmte es ein paar Wochen lang nicht die Schlagzeilen. Doch die Rückreisewelle nach den Ferien hat Corona auch hierzulande wieder ins Zentrum der Debatte gerückt. Die eigentlich schon lange absehbare, dann aber doch hektisch diskutierte Frage nach einer Testpflicht für Rückkehrer hat die nach wie vor bestehende Unsicherheit im Umgang mit der Pandemie offengelegt.

Dabei sind offenbar nicht die Urlaubsrückkehrer die Hauptursache für die steigenden Fallzahlen. Sondern Nachlässigkeit und Leichtsinn.

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Dieser Befund birgt, so paradox es klingt, eine gute Nachricht. Denn anders als im Frühjahr lässt sich jetzt sagen, was die Ausbreitung des Virus befördert und was nicht. Binnen kurzer Zeit haben Forscher weltweit Entdeckungen gemacht und geteilt. Wissen ist Trumpf im Kampf gegen die Seuche. Je mehr sich Erkenntnisse und Informationen zur Eindämmung des Erregers ausbreiten, desto weniger breitet sich das Virus selbst aus. Die Corona-Geschichte muss sich also keineswegs wiederholen.

Dies setzt allerdings nicht nur Wissen voraus, sondern auch entsprechendes Handeln. Was wir wissen: Masken schützen, Abstand hilft, Lüften auch. Geschlossene, kühle Räume begünstigen hingegen die Ausbreitung des Erregers über kleine Luftpartikel. Aber handeln wir auch danach?

Nichts gegen Lebenslust, aber jetzt ist Mäßigung nötig

So manche Meldung zu jüngsten Corona-Ausbrüchen lässt an der Disziplin und Lernbereitschaft einiger zweifeln. Gewiss soll niemand sich für Lebenslust oder das Bedürfnis nach Geselligkeit rechtfertigen müssen. Für den einen ist der Verzicht auf Gottesdienste zwischen möglichst vielen Gläubigen eine Zumutung. Für die anderen ist ein Leben ohne Party nichts als Langeweile. Und wieder andere können sich eine Hochzeit ohne Gäste nicht vorstellen.

Alles sehr verständlich. Doch zur Kontrolle des Virus braucht es Mäßigung.

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Die Befolgung der Abstands- und Hygienestandards ist die Grundvoraussetzung für ein einigermaßen erfülltes Leben mit der Pandemie; bis zur Entdeckung eines Impfstoffs wird es noch dauern. Und bis dahin ist leider ein Alltag in Alarmbereitschaft unumgänglich.

Die ausgebauten Krankenhauskapazitäten müssen erhalten bleiben, auch wenn sie – hoffentlich – nicht benötigt werden. An Tests darf es nicht mangeln. Und an der beschlossenen Stärkung der Gesundheitsämter müssen Politik und Verwaltung unbedingt festhalten. Jetzt, da sich das Virus nicht punktuell ausbreitet, sondern flächendeckend, kommt es auf die Frauen und Männer bei der Ermittlung möglicher Infektionsketten ganz besonders an.

Ja, die jüngsten Fallzahlen sind beunruhigend. Aber ihr Anstieg ist kein Schicksal, sondern kann von achtsamen Bürgerinnen und Bürgern gebremst werden. Jetzt, da vieles im Freien möglich ist, besteht hierfür die Gelegenheit. Der Sommer bietet eine große Chance zur Einhegung der Pandemie. Im Gegensatz zu Herbst und Winter.

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