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Corona-Infektion am Arbeitsplatz: Unfallkassen erkennen nur wenige Fälle an

Trotz Vorsichtsmaßnahmen: Am Arbeitsplatz kann es zu Corona-Infektionen kommen. Dann sind die Unfallkassen gefragt. Doch die zahlen keineswegs immer.

Trotz Vorsichtsmaßnahmen: Am Arbeitsplatz kann es zu Corona-Infektionen kommen. Dann sind die Unfallkassen gefragt. Doch die zahlen keineswegs immer.

Berlin. Kurzarbeit, Homeoffice oder neue Hygieneregeln: Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich in der Arbeitswelt viel verändert. Tausende Menschen haben sich aber trotzdem an ihrem Arbeitsplatz mit dem Virus angesteckt. Doch die Unfallkassen entschädigen nur relativ wenige Betroffene, wie die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei zeigt, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

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Bis zum 11. September wurden in Deutschland insgesamt 18.951 Berufskrankheiten im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet. Davon sind 8171 von den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung positiv beschieden worden. Das entspricht einer Anerkennungsquote von 43 Prozent.

Als Berufskrankheit wird eine Corona-Infektion vor allem im medizinischen Sektor betrachtet. Im Sozialgesetzbuch ist von Menschen die Rede, die “im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium” arbeiten oder “durch ihre Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt sind”.

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Im Jahr 2019 – also vor Corona – lagen die Zahlen auf einem niedrigen Niveau: Von damals 1910 angezeigten Fällen, erkannten die Kassen 787 an. Für 2020 bedeutet das: Die Zahlen entsprechen in etwa einer Verzehnfachung – und das Jahr ist noch nicht zu Ende.

Linke fordert “Mindestmaß an Respekt”

Für alle Beschäftigten, die nicht im medizinischen Bereich tätig sind und am Arbeitsplatz erkranken, gilt die Infektion als Arbeitsunfall. Voraussetzung dafür sind neben einem “intensiven Umgang” mit einer nachweislich infizierten Person oder einem “massiven Infektionsgeschehen im Betrieb” auch tatsächliche Krankheitsanzeichen.

Doch in diesen Fällen scheinen die Unfallkassen mit Entschädigungen sehr zurückhaltend umzugehen: Bis Mitte September wurden 3611 Arbeitsunfälle in Zusammenhang mit Corona gemeldet, aber nur 92 davon anerkannt. Das entspricht einer Quote von 2,6 Prozent.

Jutta Krellmann, Sprecherin für Mitbestimmung und Arbeit der Linken im Bundestag, will das so nicht hinnehmen: “Alle, die nachweislich im Zusammenhang mit ihrer Arbeit an Covid-19 erkranken, müssen entsprechend entschädigt werden”, sagte sie dem RND. “Dieses Mindestmaß an Respekt schulden wir denjenigen, die täglich ihre Gesundheit riskieren, damit der Laden weiter läuft. Covid-19 als Arbeitsunfall scheint eine reine Luftnummer zu sein. Die Zahl der anerkannten Berufskrankheiten ist angesichts von insgesamt mehr als einer Viertel Millionen Erkrankter ein Witz."

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Auch die Beschäftigten in der Fleischindustrie, dem Handel oder anderen Risikobranchen müssten entschädigt werden. Krellmann forderte die Bundesregierung auf, die Länder gegebenenfalls finanziell bei der Einrichtung unabhängiger Beratungsstellen für Betroffene zu unterstützen. Bisher gibt es solche Stellen nur in Hamburg, Bremen und Berlin.

RND

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