• Startseite
  • Politik
  • Corona in Greiz: Landrätin erhält Druck von Landesregierung aus Erfurt

Hotspot Greiz: Corona-Zoff auf offener Bühne

  • Der Landkreis Greiz in Thüringen hielt zuletzt bei den Corona-Infektionen einen traurigen Spitzenplatz.
  • Dennoch wollte die örtliche Landrätin darauf nicht reagieren.
  • Daraufhin bekam sie Druck von der Landesregierung in Erfurt.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Am Donnerstagabend verschickte die Pressestelle des Landkreises Greiz eine Mitteilung. Darin zeigen sich die Verantwortlichen aufsässig. So ist davon die Rede, dass das thüringische Gesundheitsministerium Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) angewiesen habe, “von einer Öffnung der Gaststätten bis einschließlich 28. Mai 2020 im Innenbereich abzusehen”. Schweinsburg, so heißt es dann, “hält vor dem Hintergrund des räumlich eingrenzbaren Infektionsgeschehens im Landkreis diese Maßnahme für unsinnig und unverhältnismäßig, wird aber der Weisung Folge leisten”.

Zwischen Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) und Schweinsburg gibt es Zoff – Corona-Zoff.

Beschluss der Ministerpräsidenten

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Am 6. Mai hatten sich Bund und Länder darauf verständigt, die Verantwortung für die Bekämpfung der Corona-Pandemie stärker auf die Landkreise und die dort zuständigen Gesundheitsämter zu verlagern. In ihrem Beschluss steht, “dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit kumulativ mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb der letzten 7 Tage sofort ein konsequentes Beschränkungskonzept unter Einbeziehung der zuständigen Landesbehörden umgesetzt wird”. Seinerzeit lag der Landkreis Greiz mit deutlich über 80 bundesweit an der Spitze.

Werner forderte die Verantwortlichen zum Handeln auf – und mahnte, als sich nichts tat, bis Mittwochnachmittag ein Schutzkonzept an. Schweinsburg hingegen wollte die Restriktionen auf eine Verlängerung von Besuchsverboten in den betroffenen Altenheimen sowie einer geriatrischen Klinik beschränken, weil sich – so die Pressemitteilung – “außerhalb der Infektionsschwerpunkte die Infektionszahlen des Landkreises Greiz auf den Durchschnittswerten angrenzender Regionen bewegen”.

Der Ministerin reichte das nicht. Sie wies an: “Die Öffnung der gastronomischen Betriebe im Landkreis ist für die kommenden zwei Wochen zunächst nur auf die Außenbereiche zu beschränken.” Woraufhin Schweinsburg wissen ließ, was sie davon hält: nichts.

Anzeige

+++Immer aktuell: Hier geht’s zum Corona-Liveblog+++

Der Streit hat, wie man aus der Thüringen-CDU hört, mit der Eigenwilligkeit der Greizer Landrätin zu tun, die seit 1994 amtiert. Schweinsburg sei “eine sehr couragierte Politikerin mit einer direkten Ansprache”, sagen sie da. Als solche plädierte sie für einen pragmatischen Umgang mit der AfD, stellte sich aber auch früh gegen den umstrittenen CDU-Landesvorsitzenden Mike Mohring.

Vermutlich kein Einzelfall

Zudem hat der Streit grundsätzliche Bedeutung. So wirkt die Zahl der 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zunächst wie ein gut anwendbares Kriterium. Freilich zeigt sich nicht allein in Greiz, dass die Quote schnell erreicht wird, wenn sich die Ausbreitung des Virus auf einzelne Orte konzentriert – wie jüngst auf eine Fleischfabrik in Coesfeld (Münsterland). In dem Beschluss von Bund und Ländern vom 6. Mai steht denn auch, “bei einem klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen” könne das Beschränkungskonzept begrenzt bleiben.

Streitereien wie mit Greiz, wo die Quote mittlerweile bei 48,9 liegt, könnten sich also wiederholen – vorausgesetzt, die Verantwortlichen bringen etwas Aufsässigkeit mit.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen