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Täglich neue Höchstwerte bei Corona-Infektionen in Frankreich: „Wie ein Film, der nicht endet“

Ein medizinischer Angestellter nimmt Nasenabstriche an einer mobilen Teststation auf der Champs Elysees in Paris. In Frankreich sind die Corona-Infektionszahlen zuletzt stark gestiegen.

Paris. In Frankreich erreichen die Corona-Infektionszahlen derzeit täglich neue Rekorde – doch die Regierung begnügt sich weiter mit vergleichsweise milden Maßnahmen und setzt vor allem stark auf das Impfen. Lange vorbei sind die Zeiten, als Präsident Emmanuel Macron im März 2020 in martialischem Ton von einem „Krieg gegen das Virus“ sprach und den Menschen einen besonders strengen Lockdown verordnete. Einige Monate später erklärte er, man müsse „lernen, mit dem Virus zu leben“.

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Auch jetzt, während sich im ganzen Land täglich weit mehr als 100.000 Menschen neu infizieren – am Dienstag waren es sogar 179.800 –, insgesamt 17.000 Corona-Patientinnen und -Patienten in den Krankenhäusern liegen und die Inzidenz in Paris 1800 übersteigt, bemüht sich die Regierung, die Wirtschaft nicht zu lähmen, die Franzosen möglichst wenig einzuschränken und viel Empathie zu zeigen.

„All das erscheint wie ein Film, der nicht endet“, so drückte es Premierminister Jean Castex bei einer Pressekonferenz am Montagabend aus, bei der er neue Maßnahmen ankündigte. Er verstehe, dass es den Leuten reiche, doch leider sei die Lage angesichts der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante „extrem angespannt“. Man geht davon aus, dass diese inzwischen dominant in Frankreich ist. Gesundheitsminister Olivier Véran ergänzte, bis Anfang Januar könne sich die Zahl der täglichen Neuansteckungen auf 250.000 erhöhen.

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Doch im April wird in Frankreich gewählt – mitten im Wahlkampf möchte die Regierung wütende Proteste auf den Straßen, aber auch einen erneuten Absturz der Wirtschaft, die sich gerade zu erholen begann, vermeiden. Aus dem Umfeld von Präsident Emmanuel Macron ist zu vernehmen, er begegne der Situation mit „Pragmatismus“ und lehne „Maßnahmen, die Nachteile bringen bei letztlich geringen Auswirkungen“ ab. Wenn, dann sollen diese vor allem die fünf Millionen Ungeimpften im Land treffen.

Auch werden Strafen im Fall von Fälschung von Impfpässen sowie die Kontrollen verschärft. Der bisherige „Gesundheitspass“, der an etlichen Orten wie Restaurants und Cafés, Theater und Sporteinrichtungen, aber auch Fernzügen und -bussen eine vollständige Impfung, eine Genesung oder einen aktuellen negativen Test vorsah, wird in einen „Impfpass“ umgewandelt und dabei ab 15. Januar der Test nicht mehr anerkannt.

Auf Schließungen verzichtet die französische Regierung weitgehend

Ab nächster Woche gilt in Unternehmen – wenn möglich – wieder eine Homeofficepflicht an mindestens drei Tagen pro Woche. Öffentliche Versammlungen werden auf 2000 in Innenräumen und 5000 draußen begrenzt. Politische Veranstaltungen bleiben in Wahlkampfzeiten davon allerdings ausgenommen. In den meisten Innenstädten kommt wieder eine Maskenpflicht, was im Einzelnen allerdings die zuständigen Präfekten in Abstimmung mit den Bürgermeistern entscheiden.

Besucher von Konzerten können diese in den kommenden drei Wochen nur noch im Sitzen verfolgen. Gäste in Cafés und Bars dürfen nicht stehend Getränke oder Nahrung zu sich nehmen. In Kinos, Theatern, Sporteinrichtungen und öffentlichen Transportmitteln – auch in Fernzügen – darf nicht gegessen oder getrunken werden. Auf Schließungen, abgesehen von Diskotheken, verzichtet die Regierung hingegen ebenso wie auf Ausgangsbeschränkungen an Silvester. Premier Castex appellierte stattdessen an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen und bat sie, auf „große Feiern“ zu verzichten.

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Die Schulen bleiben offen

Von der Verlängerung der Schulferien um eine Woche, wie von der republikanischen Präsidentschaftskandidatin Valérie Pécresse gefordert, sah man ab. Auch an Mittelschulen und Gymnasien kommt es nicht zu Distanzunterricht. Abgesehen vom ersten Lockdown im Frühjahr 2020 blieben in Frankreich die Schulen weitgehend offen. Darauf ist die Regierung stolz. „Das Virus verbreitet sich stark unter den Kindern, aber wir stehen dazu, die Bildung unantastbar zu machen“, sagte Gesundheitsminister Véran. „Eine gute Maßnahme der öffentlichen Gesundheit ist eine medizinisch, aber auch eine gesellschaftlich motivierte.“

Etliche Ärzte und Pflegekräfte hatten deutlich striktere Maßnahmen gefordert, um die Menschen und das Gesundheitssystem zu schützen. „Die Wirtschaft gewinnt gegenüber der Gesundheit“, sagte Jean-Paul Stahl, Spezialist für Infektionskrankheiten am Universitätsklinikum Grenoble.

Nach einem schleppenden Start ist Frankreich eine erfolgreiche Impfkampagne gelungen. Fast 90 Prozent der Erwachsenen sind vollständig geimpft, und künftig ist eine Auffrischung drei Monate nach der letzten Impfung möglich und nach sieben Monaten erforderlich. Längst zeigt sich die Mehrheit, die zunächst skeptisch war, überzeugt und spricht sich sogar für eine Impfpflicht aus. Macron sagte vor zwei Wochen, er schließe diese nicht mehr aus.

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