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Frankreich: Trotz Rekord-Infektionszahlen ein „Duft der Freiheit“

Marseille: Personen stehen vor einer Apotheke Schlange, um einen Corona-Schnelltest zu erhalten. Frankreich verzeichnet massive Neuinfektionen derzeit.

Paris. „Wir werden wieder glückliche Tage erleben, davon bin ich überzeugt.“ Zu dem Zeitpunkt, als Präsident Emmanuel Macron diesen optimistischen Satz sagte, nämlich im April 2020, waren solche glücklichen, nicht vom Coronavirus beschwerte Zeiten nicht nur in Frankreich eine ferne Sehnsucht. Nun aber fängt die Zeitung „Le Parisien“ den derzeit vorherrschenden Ton ein, in dem sie von einem nahenden „Ende des Tunnels“ und einem „Duft der Freiheit“ schreibt. Vorsichtiger Optimismus macht sich breit.

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Für Anfang Februar hat die französische Regierung Lockerungen angekündigt: Sport- und kulturelle Veranstaltungen werden dann wieder ohne Begrenzung der Zuschauerzahl stattfinden, die Pflicht für Homeoffice an mindestens drei Tagen pro Woche entfällt. Ab Mitte Februar öffnen die Diskotheken wieder.

Allerdings überrascht der Zeitpunkt mit Blick auf die Infektionszahlen in Frankreich. Mit einer Inzidenz von 5000 und im Schnitt 337.446 täglichen Neuansteckungen ist die Lage abgesehen von Dänemark in keinem anderen europäischen Staat derart angespannt. Oder liegt es nur an der hohen Zahl an durchgeführten Tests? „Es gibt so gut wie kein anderes Land, das so viel testet wie wir“, versicherte Gesundheitsminister Olivier Véran, der gerade seine zweite Covid-Erkrankung auskuriert hat. Für Geimpfte sind Tests weiterhin gratis.

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Etliche Mediziner und Wissenschaftler kritisieren den Kurs der französischen Regierung, die sich am britischen Weg orientiert. Die Epidemiologin Catherine Hill nennt ihn „leichtsinnig“: „Er zeugt von einem Optimismus, den ich nicht teilen kann.“

Der Pariser Professor und Spezialist für Infektionskrankheiten, Gilles Pialoux, sieht nicht nur die hohe Anzahl der Tests als Grund für die hoch geschwappte Welle in Frankreich. Er macht vielmehr zwei Gründe dafür aus: Zum einen die „atemberaubende Verbreitungsquote bei den Kindern“, welche im Anschluss die Eltern anstecken. Auch bei mehreren Corona-Fällen in einer Klasse wird diese nicht mehr automatisch geschlossen, die Kinder und Jugendlichen lediglich sehr häufig getestet.

96 Prozent der Fälle in Frankreich gehen auf Omikron zurück

Der zweite Grund sei, dass die Menschen nachlässiger mit den Hygieneschutzmaßnahmen umgehen. Dies liege wohl auch an der Überzeugung, dass die Omikron-Variante, auf die in Frankreich inzwischen 96 Prozent aller Fälle zurückgehen, meist mildere Verläufe mit sich bringe. Dabei bleibe der Druck in den Krankenhäusern hoch, teilweise müssten wieder Operationen verschoben werden, so Pialoux. „Aber das will die Bevölkerung nicht hören.“

Dies entspricht dem Willen der Regierung, die Menschen so wenig wie möglich einzuschränken – abgesehen von denjenigen, die sich der Impfung verweigern. Dass Präsident Macron in einem Interview Anfang Januar wörtlich gesagt hatte, er wolle die Ungeimpften „in die Scheiße reiten“, sorgte für Empörung, bewirkte aber steigende Impfzahlen.

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Da bereits seit Sommer ein Gesundheitspass galt, der die 3G-Regel in Cafés, Restaurants, Theatern, Fernbussen und -zügen vorsah, verfügt Frankreich über eine hohe Impfquote. Mindestens 80 Prozent der Menschen haben zumindest eine erste Dosis erhalten.

Seit Montag ersetzt ein Impfpass diesen Gesundheitspass, bei dem ein negativer Test nicht mehr ausreicht. Künftig gilt an fast allen Orten des sozialen und oftmals auch beruflichen Lebens die 2G-Regel. Die „glücklichen Tage“ – für Geimpfte erscheinen sie greifbar. In Zeiten des Präsidentschaftswahlkampfs erst recht.

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