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  • Corona in Europa: Teil-Lockdowns, Massentests, Verschärfung der Maßnahmen

Von Belgien bis Österreich: Europas Länder verschärfen die Corona-Maßnahmen

  • Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den anderen europäischen Staaten steigen die Corona-Infektionszahlen stark.
  • Österreich will heute neue Maßnahmen gegen das Virus vorstellen, Medien spekulieren über einen Teil-Lockdown.
  • Island verhängt strengere Maßnahmen, in Belgien müssen viele Geschäfte schließen, und die Slowakei setzt auf Corona-Massentests.
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Wien/Bratislava. Zur Eindämmung der steil ansteigende Coronavirus-Infektionszahlen will Österreichs Regierung am Samstag neue Maßnahmen vorstellen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) will die Öffentlichkeit bei einer Pressekonferenz (16.30 Uhr) in Wien informieren. In der Slowakei beginnt derweil die erste Runde landesweiter Corona-Massentests, um mit Schnelltests bisher unbekannten Ansteckungsherden auf die Spur zu kommen.

Welche Maßnahmen in Österreich geplant sind und ab wann sie gelten, blieb zunächst offen. Medien spekulieren über einen Teil-Lockdown in etwa analog zu den deutschen Maßnahmen mit Schließungen von Gastronomie- und Freizeiteinrichtungen. Außerdem standen demnach nächtliche Ausgehbeschränkungen zur Debatte. Ein unbestätigter Verordnungsentwurf, der am Freitag in den Medien kursierte, sah vor, das Verlassen des privaten Wohnbereichs von 20 Uhr bis 6 Uhr außer bei bestimmten triftigen Gründen zu verbieten.

Kurz hatte 6000 Neuinfektionen pro Tag als kritischen Wert für eine erneute Verschärfung von Maßnahmen genannt, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern. Am Freitag war im knapp neun Millionen Einwohner zählenden Österreich der Rekordwert von 5627 neuen Fällen binnen 24 Stunden registriert worden, mehr als 1000 Fälle mehr als beim erst am Vortag erreichten jüngsten Höchstwert. Die Regierung warnt vor einer Überlastung der Intensivstationen ab Mitte November, falls die Zahlen ungebremst weiterstiegen.

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Sebastian Kurz warnt davor, dass eine nicht stattfindende Wintersaison eine wirtschaftliche Katastrophe sein würde.  © Reuters

Italiens Regierung erwägt Lockdowns für Hotspots

Italiens Regierung plant derweil wegen der steil steigenden Corona-Zahlen ebenfalls eine weitere Verschärfung der Maßnahmen zum Gesundheitsschutz. Das bestätigten führende Kabinettsmitglieder am Samstag. Aktuell gebe es laufend neue Treffen in Rom für ein Dekret, “das mit Sicherheit noch restriktiver sein wird”, sagte Außenminister Luigi Di Maio der Zeitung “Il Foglio”.

Regierungschef Giuseppe Conte sagte bei derselben Veranstaltung in einem Videogespräch: “Die Regierung arbeitet daran, ob sie im Kampf gegen Covid-19 erneut eingreifen muss.” Nach Medienberichten sind Lockdowns in Corona-Hotspots wie Mailand und in einigen Regionen im Gespräch. Losgehen könnte es nächste Woche.

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Ein Streitpunkt sei, ob der Präsenzunterricht in Schulen eingestellt werden soll, schrieb die Zeitung “La Repubblica”. Schulministerin Lucia Azzolina betonte wiederholt, die Bildungsstätten seien “sicher”. Die südlichen Regionen Apulien und Kampanien haben dagegen beschlossen, den Präsenzunterricht auszusetzen.

Premier Conte sprach mit Blick auf Anti-Corona-Maßnahmen von einem nationalen Rahmen und verbesserten lokalen Antworten. Zu Schulschließungen sagte er am Samstag, Rom wolle sie vermeiden. Die obersten Ziele blieben jedoch Gesundheit und der Erhalt der Wirtschaft. Unter anderem in der norditalienischen Lombardei mit der Hauptstadt Mailand ist die Lage so angespannt, dass nach Berichten ein Lockdown erwogen wird. Für Neapel, Genua und Turin würden strenge Sperren ebenfalls geprüft, hieß es.

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Massentest in der Slowakei

Die Slowakei setzt zudem auf Massentests, um Infektionsherde aufzuspüren. An diesem Wochenende sollen von der Armee rund 5000 Abnahmestellen für die landesweiten Massentests eingerichtet werden, unter anderem in Schulen und Rathäusern. Verwendet werden Antigen-Schnelltests, die innerhalb von 15 bis 30 Minuten ein Ergebnis liefern, aber als weniger zuverlässig als PCR-Tests gelten.

Initiator des Projekts ist der seit März regierende populistisch-konservative Ministerpräsident Igor Matovic. Zu den Kritikern zählt die Ärztekammer des Landes, die von einer Ressourcenverschwendung sprach. Die zweite Testrunde folgt am kommenden Wochenende, dem 7. und 8. November. Die Teilnahme ist freiwillig. Doch nur wer einen negativen Test vorweisen kann, wird von den geltenden Ausgangsbeschränkungen ausgenommen.

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Bei einem Probelauf in vier Bezirken an der Grenze zu Polen vor einer Woche waren knapp vier Prozent der Teilnehmer positiv getestet worden. Seit Beginn der Pandemie registrierten die Behörden mehr als 55.000 Corona-Infektionen und 212 Todesfälle. Allerdings zählt die Slowakei nur Verstorbene, bei denen eine andere Todesursache ausgeschlossen wurde. Der EU-Mitgliedstaat hat knapp 5,5 Millionen Einwohner.

Strengere Maßnahmen in Island

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Auf der Nordatlantik-Insel Island gelten ab Samstag wegen steigender Infektionszahlen strengere Corona-Maßnahmen. Die maximale Teilnehmerzahl für Versammlungen wird von 20 auf 10 herabgesetzt. Bis zu 30 Menschen dürfen eine Beerdigung besuchen; in Apotheken und Lebensmittelgeschäften sind nun maximal 50 Kunden erlaubt.

Sportveranstaltungen und Bühnenauftritte werden untersagt, Schwimmbäder, Bars und Nachtclubs geschlossen. Restaurants mit Alkoholausschank müssen um 21 Uhr schließen. Die strikteren Maßnahmen sollen bis zum 17. November gelten. Das Infektionsgeschehen war auf der Insel mit ihren rund 360.000 Einwohnern im Sommer fast zum Erliegen gekommen, hat dann aber wieder an Fahrt aufgenommen.

In Belgien müssen die meisten Geschäfte schließen

Besonders schwer vom Coronavirus betroffen ist Belgien. Dort kündigte Regierungschef Alexander De Croo am Freitagabend nach einer Krisensitzung in Brüssel neue Maßnahmen an. Ab Montag müssen die meisten Geschäfte schließen, Supermärkte sind ausgenommen. Die nächtlichen Ausgangssperren bleiben bestehen. Kneipen, Restaurants und Cafés, Kultur- und Sportstätten sind ohnehin bereits dicht.

Die Kontaktbeschränkungen werden weiter verschärft. Künftig dürfen Belgier demnach nur einen Besucher pro Woche zu Hause empfangen; bei Alleinstehenden sind es zwei. Die Schulferien werden bis zum 15. November verlängert. Gemessen an der Einwohnerzahl zählt Belgien nach Angaben der EU-Gesundheitsagentur derzeit die meisten Corona-Infektionen in der Europäischen Union.

RND/dpa

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