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Die Corona-Kurven steigen – sind wir noch zu retten?

  • Nach einem starken Start bei der Virenabwehr lässt Deutschland jetzt nach.
  • Wie in den USA treiben Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker mittlerweile Menschen aus der verunsicherten Mitte in die Defensive.
  • Es wird Zeit, neue Saiten aufzuziehen in der Auseinandersetzung mit Maskenverweigerern und Infektionsschutzgegnern. Ein Kommentar von Matthias Koch.
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Die Masken fallen, die Kurven steigen – sind wir eigentlich noch zu retten? Deutschland, noch vor einem Vierteljahr ein Musterland der Virenbekämpfung, lässt nach.

Was nun? Eigentlich gibt es, darin liegt das Frappierende und Deprimierende dieser Tage, gar keine neuen Aspekte. Die Deutschen müssten nur das, was sie unter internationalem Beifall gut begonnen haben, auch konsequent fortsetzen. Es geht jetzt einfach mal ums Durchhalten.

Durchhalteparolen will natürlich kein moderner Mensch hören, das klingt nach Militär, nach düsterer Vergangenheit. Heute, in der Pandemie, soll indessen etwas Soziales durchgehalten werden, etwas zutiefst Menschliches. Es geht um systematische Rücksichtnahme des Einzelnen auf die gesamte Gesellschaft, durch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes überall dort, wo Fremde einander nahe kommen.

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Ist das zu viel verlangt? Und liegt nicht gerade in diesem klugen Zusammenspiel aller für alle etwas sehr Modernes?

Ein Teil des Partyvolks freilich sieht es anders. Leute, die nächtens in Neukölln Haut an Haut tanzten, gaben Reportern zu Protokoll, sie hätten ein gutes Immunsystem: Wo ist das Problem?

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Bundesregierung warnt vor neuer Dynamik der Corona-Infektionen
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Wenn jetzt nicht alle wachsam seien, könne die Entwicklung eine neue Dynamik erreichen, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert.  © Reuters

Zur Einfalt gesellen sich zunehmend Verbohrtheit und Bosheit

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Wirft man zu große Münzen ein, wenn man diesen Leuten sagt, dass auch symptomlos Erkrankte das Virus weitergeben? Dass es um eine riesige Gemeinschaftsanstrengung geht mit dem Ziel, die verflixte Kurve flach zu halten?

Zur Einfalt gesellen sich in Deutschland leider zunehmend Verbohrtheit und Bosheit, wie in den USA. Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker rüsten grimmig zum Grundsatzstreit und treiben mittlerweile immer mehr Menschen aus der verunsicherten Mitte in die Defensive.

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In der Auseinandersetzung mit Infektionsschutzgegnern müssen neue Saiten aufgezogen werden. Masken zu tragen fällt laut Infratest unter Anhängern von CDU/CSU, Grünen und SPD nur 11 bis 12 Prozent schwer – bei der AfD sind es 43 Prozent. Dies sollte eine Glocke läuten lassen.

Wo Ideologie sich über Virologie erhebt, wird Widerstand der Mitte zur Pflicht. Es beginnt mit vermeintlichen Kleinigkeiten. Ein Beispiel: Soll ein Typ wie Thomas Kemmerich, der an der Seite grölender Rechtsradikaler gegen den Infektionsschutz auf die Straße ging, ernsthaft wieder FDP-Landeschef in Thüringen werden?

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20.000 Demonstrierende in Berlin: "Wir sind die zweite Welle"
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20.000 Menschen haben am Samstag an einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin teilgenommen.  © RND

Gegen Superspreader hilft notfalls der Wasserwerfer

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Weiter geht es in den öffentlichen Verkehrsmitteln: Offensichtlich ist bei den Bußgeldern für Maskenverweigerer noch Luft nach oben. Sonst würden sich dort nicht immer noch Provokateure breit machen. Jenen, die ihre Aerosole dem Sitznachbarn ins Gesicht blasen, muss klar sein: Dies ist keine Meinungsäußerung, es ist nach den jetzt geltenden Bestimmungen ein Rechtsverstoß.

Das Recht braucht dem Unrecht nicht zu weichen. Deshalb muss auch geklärt werden, was geschehen soll, wenn Verschwörungstheoretiker erneut ihr unbezweifelbares Demonstrationsrecht missbrauchen zu infektionsrechtlich unzulässigen Superspreader-Events. Die Wahrheit ist: Da kann notfalls auch mal der Einsatz von Wasserwerfern geboten und sogar polizeirechtlich angemessen sein.

Zeichen setzen dürfen jedenfalls nicht nur die Abgedrehten. Zeichen setzen kann – und muss – mitunter auch die Mehrheitsgesellschaft.

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