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Corona in Amerika: Wenn am Broadway der Vorhang fällt

Statt für Theatertickets stehen die Menschen in New York für Tests an. Hier ein Testzelt auf dem Times Square.

Washington. Die Musicalshow „Waitress“ und auch „Jagged Little Pill“ mit den Songs von Alanis Morissette am Broadway haben alle Aufführungen abgesagt. Auf dem benachbarten Times Square dürfen statt der üblichen mehr als eine Million Zuschauer nur 15.000 geimpfte Menschen mit Masken feiern. Der gläserne Apple-Laden auf der Fifth Avenue hat geschlossen, und das traditionelle Neujahrskonzert der Rockband Phish am Madison Square Garden ist auf April verschoben.

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Wer diesen Jahreswechsel in New York verbringt, dem steht ein ungewöhnliches Erlebnis bevor: Statt vor den Ticketschaltern der Broadway-Theater bilden sich lange Schlangen vor den Corona-Teststationen. Praktisch alle Hotels, die üblicherweise zu dieser Zeit ausgebucht sind, haben noch Zimmer frei. Selbst für die Premiere von Verdis „Rigoletto“ am Silvesterabend in der Metropolitan Opera gibt es noch Karten. Unklar ist bloß, ob die Aufführung stattfindet.

Bald dürfte der Rekordwert vom vorigen Januar fallen

„Überall um uns herum sehen wir stark steigende Fallzahlen“, hat die neue Gouverneurin Kathy Hochul am Montag gesagt: „Wir sind darauf vorbereitet. Aber es ist verstörend, das zu sehen.“ Tatsächlich schießen mit der Ausbreitung der Omikron-Variante in den ganzen USA die Infektionszahlen in die Höhe.

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Innerhalb eines Monats haben sie sich auf 243.000 pro Tag verdreifacht und dürften sehr bald den bisherigen Tagesrekordwert von 250.000 vom vorigen Januar übertreffen. Mit 36.000 täglichen Fällen ist New York ein Hotspot. Doch noch dramatischer schnellt die Kurve fast kerzengerade in Washington nach oben.

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Insgesamt 9200 neue Covid-Fälle hat die Hauptstadt soeben für die Zeit vom 23. bis 26. Dezember gemeldet. Der Wert ist dreimal so hoch wie der bisherige Rekord. Bei einer Einwohnerzahl von 670.000 Menschen hat sich jeder 70. Bewohner über Weihnachten angesteckt. Zwar dürfte die Zahl auch durch die vermehrten Tests in die Höhe getrieben worden sein. Dass aber 17 Prozent der Tests in Washington positiv zurückkommen und die Zahl der Patienten auf den Covid-Stationen der Stadt gegenüber der Vorwoche um 60 Prozent auf 363 zugenommen hat, verdeutlicht den Ernst der Lage.

Eltern in Washington rechnen täglich mit der Nachricht aus der Kita, dass ein Kind positiv getestet wurde. In immer kürzeren Abständen meldet nun auch die White House Correspondents‘ Association, die Vereinigung der Korrespondenten im Weißen Haus, positive Fälle in den eigenen Reihen.

Außenminister Antony Blinken musste seine Asienreise verkürzen, nachdem ein mitreisender Journalist positiv auf Covid getestet wurde. Selbst ein Mitarbeiter des Weißen Hauses, der 30 Minuten in demselben Raum wie Präsident Joe Biden war, trug das Virus in sich. „Heute sind nur die Mutigen und Tapferen hier“, begrüßte Bidens Sprecherin Jen Psaki eine ungewöhnlich kleine Zahl von Reportern am Tag vor Heiligabend im Weißen Haus. Es sollte ein Witz sein. Nur wenige konnten lachen.

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„Die Omikron-Variante breitet sich rasant aus und hat das Potenzial, alle Bereiche der Gesellschaft zu beeinträchtigen“, erklärte Rochelle Walesky, die Chefin der staatlichen Gesundheitsbehörde CDC, am Montag. Experten fürchten, dass sich wegen der zahlreichen Krankmeldungen die Personalnot von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, aber auch von Restaurants oder Verkehrsbetrieben massiv verschärft.

Darsteller und Musiker melden sich krank

In den vergangenen Tagen mussten landesweit bereits Tausende Flüge gestrichen werden. Die Busse in Washington fahren nur noch unregelmäßig, weil viele Fahrer infiziert sind. Auch die Broadway-Shows werden nicht etwa zum Gesundheitsschutz der Zuschauer abgesagt, sondern weil Darsteller und Musiker ausgefallen sind.

Um die Auswirkungen der Pandemie auf das Wirtschaftsleben zu begrenzen, hat die CDC soeben die Auflagen bei einer Infektion gelockert. Wer positiv getestet wird, muss sich demnach nur noch fünf statt zehn Tage isolieren. Amerikanische Wissenschaftler halten das für vertretbar, weil dann gewöhnlich die Ansteckungsgefahr vorbei ist. Sie kritisieren jedoch, dass die Regierung keinen Negativtest vor dem Wiedereintritt ins Arbeitsleben verlangt.

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Bei der Mehrzahl der geimpften und geboosterten Patienten verläuft die Omikron-Infektion nach Medienberichten vergleichsweise mild. Angesichts von mehr als 30 Prozent Ungeimpften in den USA ist das jedoch kein Grund zur Entwarnung.

So steigt die Zahl der Covid-Patienten in den Krankenhäusern landesweit zwar deutlich langsamer als die Infektionswerte. Sie weist aber ebenfalls nach oben. „Wir werden einen regelrechten Virus-Blizzard erleben“, sagt der renommierte Epidemiologe Michael Osterholm voraus. In den nächsten Wochen, warnt er, würden sich Millionen Amerikaner infizieren: „In meiner 46-jährigen Karriere habe ich noch nie so etwas erlebt.“

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