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  • Corona in den USA: Fünf Faktoren steigern das Drama in den Vereinigten Staaten

Fünf Faktoren verstärken das Drama in den USA

  • In der Corona-Krise erweist sich die Supermacht als verblüffend schwach. Wie kommt das?
  • Die soziale Absicherung des Einzelnen ist geringer, die politische Feindseligkeit der Eliten größer als anderswo.
  • So wurde allzu viel Zeit verloren für den Aufbau einer solidarischen Virenabwehr.
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Die USA sind jetzt weltweit der Corona-Krisenherd Nummer eins. Kein Staat der Welt hat so viele Infizierte, auch China nicht. 143.025 Infizierte sind inzwischen in den USA registriert (Stand: Montag, 09.00 Uhr, Quelle: Johns Hopkins University).

Für die amerikanische Politik ist diese massive Virenausbreitung nach Monaten voller ernsthafter wissenschaftlicher Warnungen ein mehrfaches Desaster, innenpolitisch wie außenpolitisch. Die Supermacht, die jahrzehntelang stets auf eine weltweite Führungsrolle gepocht hat, erweist sich plötzlich in vielen Punkten als erstaunlich schwach.

1. Eine allzu lange praktizierte Sorglosigkeit.

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Die Tests wurden, nach langem Zögern, endlich ausgeweitet. Sie unterstrichen aber bislang nur das alarmierende Bild eines dynamischen Geschehens: Die Zuwachsraten steigen, die Zeitspannen bis zur Verdopplung sinken. Das Land zahlt gerade seinen Preis für eine allzu lange praktizierte Sorglosigkeit.

Nach New York City sind jetzt auch alle anderen US-Metropolen von einer massiven Virenausbreitung betroffen. Besonders hohe Zahlen von Toten gemessen an der Bevölkerung werden neuerdings aus New Orleans gemeldet: In der lebenslustigen Stadt am Mississippi wurde noch am 25. Februar ungeschützt Mardi Gras gefeiert, ein rauschender Straßenkarneval.

Die Gesamtzahl der Corona-Toten in den USA stieg mittlerweile auf 2514 - wobei der Zuwachs inzwischen täglich im mittleren dreistelligen Bereich liegt. Nach Ansicht des New Yorker Bürgermeisters Bill de Blasio ist damit zu rechnen, dass die Kliniken in seiner Stadt in Kürze ihre Belastungsgrenze erreichen: “Dann werden Menschen sterben, die nicht sterben müssten."


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Lange haben Präsident Donald Trump und seine Anhänger die Krise kleingeredet. Doch diese Zahlen sprechen jetzt eine ganz eigene Sprache. Die Mathematik der Krise beschreibt jetzt eine Betroffenheit, die sich nicht mehr wegreden lässt.

2. Der Absturz der Wirtschaft ist steiler als anderswo.

Am letzten Donnerstag haben die US-Behörden die neuen Arbeitslosenzahlen bekannt geben. Binnen einer Woche waren 3,28 Millionen Erstanträge auf Arbeitslosengeld eingegangen - das ist ein Anstieg wie noch nie. Die Zahlen lassen nichts Gutes ahnen. Auch an dieser Stelle zeigt sich New Yorks Bürgermeister de Blasio bestürzt. Schon seit Tagen warnt er vor dem Absturz in Massenarbeitslosigkeit und eine neue “Great Depression” – wie in den Dreißigerjahren.

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Die USA erleben einen schlagartigen Stimmungsumschwung. Eben noch war von Küste zu Küste beinahe Vollbeschäftigung gemeldet worden – was viele Amerikaner dazu verleitet hatte, mit Krediten Häuser, Autos und auch Urlaube zu finanzieren.

3. Vielen Arbeitnehmern fehlt ein soziales Netz.

In Deutschland sind dieser Tage Krankschreibungen abermals erleichtert worden. In den USA dagegen gibt es – auch nach jahrzehntelangen Debatten – bis heute kein nationales Gesetz, das eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall vorschreibt. Dass dies im Fall von Seuchen die Probleme steigert, wird erst jetzt entdeckt: Viele Amerikaner sind es gewohnt, auch im Fall von Infekten zu arbeiten – und Viren weiterzutragen –, bis sie wirklich nicht mehr können.

In der vergangenen Woche hat der US-Kongress als Teil seines Hilfspakets Maßnahmen beschlossen, die zumindest vorübergehend den finanziellen Absturz von Kranken dämpfen sollen. Für virologisch noch wirksame Verhaltensänderungen aber kommt dies zu spät.

4. Beim Thema Schulden tickt eine Bombe.

Die Corona-Krise trifft die USA in einem Moment, in dem die Fröhlichkeit von Land und Leuten über den Aufschwung der letzten Jahre zu finanziellem Leichtsinn geführt hat. Allzu viele Amerikaner haben ihren Lebensstil auf Pump finanziert. Jetzt droht, wie zuletzt im Jahr 2008, eine Wiederkehr der Finanzkrise.

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Auch der Staat hat sich in eine heillose Verschuldung manövriert. Schon vor der Corona-Krise hatte Trump es fertiggebracht, mit 1,5 Billionen US-Dollar die größte Staatsverschuldung aller Zeiten hinzulegen. Viele zuletzt an der Börse bejubelte Steuererleichterungen waren durch Kredite erkauft worden, deren Rückzahlung man kommenden Generationen überlässt. Eine solche Politik in Boomzeiten gilt unter Finanzexperten als unseriös. Trump aber bestand darauf. Jetzt addieren sich das Trump-Defizit und das Corona-Paket zu schwindelerregenden 3 Billionen US-Dollar.

5. Die innenpolitische Feindseligkeit ist größer denn je.

In den europäischen Staaten hat der Parteienstreit Pause. In den USA jedoch herrscht auch nach der überparteilichen Verabschiedung des Hilfspakets im Kongress eine Polarisierung, wie es sie nie zuvor gegeben hat. Dies hat zu tun mit der näher rückenden Präsidentschaftswahl am 3. November.

Hinzu kommt aber eine tiefe Spaltung der politischen Kulturen: Ein Teil der Amerikaner gibt Trump eine große Mitschuld an der Krise. Allzu lange habe der Präsident Warnungen in den Wind geschlagen. Andere wiederum scharen sich trotzig um Trump und sagen: Gerade in Krisenzeiten brauchen wir einen starken Mann. Bei den Trump-Anhängern kommt der Hinweis gut an, dass es sich um einen Virus aus China handelt. Der Gedanke der Abschottung als Ausweg aus allen Problemen kehrt zurück – und hilft Trump.

Trump ist entschlossen, jetzt wieder ein bisschen breitbeiniger aufzutreten – und seinen Konkurrenten von den oppositionellen Demokraten, Joe Biden, auch persönlich lächerlich zu machen. Dass Biden jüngst in einem CNN-Interview hustete, griff Trump prompt in einem gehässigen Tweet auf: Das also seien die besten Leute der Demokraten, höhnte er – nachdem Biden, allein in seinem Privathaus sitzend, nicht in den Ellenbogen, sondern in die Hand gehustet hatte.

Die Bühne ist bereitet für eine Mischung aus Virusabwehr und Machtkampf, die, wenn es so weitergeht, noch ins Makabre abgleiten könnte.



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