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  • Corona in Asien: Länder mit Impfquoten von über 70 Prozent - die Gründe

Darum kommen asiatische Länder auf Impfquoten von über 70 Prozent

  • Im asiatisch-pazifischen Raum haben die Impfkampagnen oft nur langsam an Fahrt aufgenommen.
  • Inzwischen aber können einige Länder auf hervorragende Ergebnisse verweisen.
  • Es gibt genügend Impfstoff, aber auch genügend Nachfrage.
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Phnom Penh. Als Kambodscha mit den Corona-Impfungen begann, zogen sich lange Schlangen die Straßen hinunter. Die Menschen stellten ihre Schuhe auf, um sich einen Platz frei zu halten, während sie in der Nähe im Schatten warteten. Drei Monate später hatten dennoch nur elf Prozent der Bevölkerung von 16 Millionen die erste Dosis erhalten. Im deutlich reicheren Japan dauerte es sogar zwei Wochen länger, um diese Zahl zu erreichen.

Inzwischen können sich beide Länder der besten Impfquoten weltweit rühmen. Auch andere Länder im asiatisch-pazifischen Raum sind nach einem zögerlichen Start nun an den USA und vielen europäischen Staaten vorbeigezogen. Egal ob reich oder arm, egal wie groß die Bevölkerung ist, eins haben sie gemeinsam: Sie haben bereits Erfahrungen mit Infektionskrankheiten, wie etwa Sars, und damit auch schlagkräftige Programme zur Impfstoffbeschaffung. So wussten sie, dass sie bei verschiedenen Herstellern bestellen mussten, um das Risiko besser zu verteilen.

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Viele der Staaten haben erst relativ spät mit den Impfungen begonnen, teils aus Bequemlichkeit, weil die Fallzahlen niedrig waren, teils aus anfänglichen Beschaffungsproblemen und anderen Gründen. Doch als es endlich losging, halfen die steigenden Opferzahlen in den USA, Großbritannien und Indien dabei, sogar die Skeptiker zu überzeugen.

„Im Moment leben wir eben mit der Bedrohung von Covid-19″

„Ich habe mir wirklich Sorgen gemacht, aber im Moment leben wir eben mit der Bedrohung von Covid-19. Es gibt keine andere Möglichkeit, als sich impfen zu lassen“, sagt Rath Sreymom, die jetzt schnell ihre fünfjährige Tochter Nuth Nyra impfen ließ, seit Kambodscha in diesem Monat das Impfprogramm auf diese Altersgruppe ausweitete.

Mittlerweile sind 78 Prozent der Kambodschanerinnen und Kambodschaner geimpft. Das Land ruft jetzt zu Auffrischungen auf und prüft Impfungen für Drei- und Vierjährige. Seit April gibt es das Corona-Vakzin für die allgemeine Bevölkerung. Die Nachfrage war hoch, denn zeitgleich stiegen die Fallzahlen in Indien massiv an. Bilder zeigten, wie Leichen auf Scheiterhaufen vor überfüllten indischen Krematorien brannten.

Der kambodschanische Ministerpräsident Hun Sen nutzte seine guten Beziehungen zu Peking, um seinem Land fast 37 Millionen Impfdosen zu sichern, von denen ein Teil gespendet wurden. Vergangene Woche erklärte er, dass Kambodschas „Impfsieg“ ohne China nicht möglich gewesen wäre. Sein Land erhielt aber auch große Spenden aus den USA, Japan, Großbritannien und aus dem internationalen Covax-Programm.

Indien setzte Impfstoff-Export aus

Trotzdem — es brauchte Zeit, um genügend Impfstoff zu beschaffen. Und viele Länder in der Region, deren Impfprogramme erst später begannen, hatten noch mehr zu kämpfen, besonders als Indien während seines Frühjahrsausbruchs den Export von Corona-Impfstoff aussetzte.

„Die Länder mit guten Impfquoten haben zunächst einmal dafür gesorgt, dass sie ausreichend Vakzin zur Verfügung haben“, sagt John Fleming, der das Rote Kreuz im asiatisch-pazifischen Raum leitet. „Außerdem haben sie eine Nachfrage geschaffen, also die Bevölkerung zum Mitmachen bewegt, und auch Randgruppen angesprochen.“

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Zu Beginn der Pandemie verhängten viele asiatische Länder strenge Ausgangs- und Reisebeschränkungen. Das half, das Virus in Schach zu halten. Die niedrigen Fallzahlen aber sorgten dafür, dass manche Menschen den Eindruck bekamen, eine Impfung sei nicht nötig. Als mit der Delta-Variante die Zahl der Infektionen in die Höhe schoss, änderte sich diese Meinung.

„Jeder, der wollte, wurde geimpft. Wir haben keine Fragen gestellt“

Manche Länder wie Malaysia unternahmen zudem besondere Anstrengungen, um selbst die zu erreichen, die sonst lieber im Verborgenen bleiben. Mit der Hilfe des Roten Kreuzes wurde die Impfung deshalb etwa auch Menschen angeboten, die illegal im Land leben. „Jeder, der wollte, wurde geimpft. Wir haben keine Fragen gestellt“, sagt Professor Sazaly Abu Bakar, Leiter des Instituts für Tropenmedizin in Kuala Lumpur.

Wie Kambodscha und Japan kam auch Malaysia in den ersten drei Monaten seines Impfprogramms nur schleppend voran. In dieser Zeit erhielten weniger als fünf Prozent der 33 Millionen Einwohner die erste Dosis. Das zeigen Zahlen der Plattform „Our World in Data“ der Universität Oxford. Als die Infektionszahlen stiegen, kaufte Malaysia mehr Impfstoff und eröffnete Hunderte Impfzentren, darunter riesige Einrichtungen, die täglich bis zu 10 000 Dosen verabreichen konnten. Inzwischen sind 76 Prozent der Menschen in Malaysia geimpft.

In Singapur haben sogar 92 Prozent der Menschen den vollen Impfschutz

Insgesamt hat etwa ein Dutzend Länder im asiatisch-pazifischen Raum mehr als 70 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft — oder sie sind kurz davor. Dazu zählen auch Australien, China, Japan und Bhutan. In Singapur haben sogar 92 Prozent der Menschen den vollen Impfschutz.

Andere Länder in Asien kommen nach wie vor nicht voran. Indien feierte im Oktober, man habe die milliardste Impfdosis verabreicht. Aber bei einer Bevölkerung von fast 1,4 Milliarden bedeutet das, dass nur 29 Prozent vollständig geimpft sind. Indonesien derweil hat viel früher mit seinem Impfprogramm angefangen als seine Nachbarn, kommt jedoch nicht voran, vor allem weil sich die Bevölkerung über die Tausenden Inseln des Archipels verteilt.

In der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh aber ist die fünfjährige Nuth Nyra einfach froh, dass sie nun ihre erste Corona-Impfung bekommen hat. Sie sagt, sie habe Angst vor Covid-19 gehabt, aber jetzt nicht mehr: „Es hat ein bisschen wehgetan, aber geweint habe ich nicht.“

RND/AP

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