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„Wir beneiden dich nicht“: So blickt die Auslandspresse auf die deutsche Impfdebatte

  • Vom Vorbild in der Corona-Politik zum Land, das dieselben Probleme hat wie alle anderen auch – so sieht die ausländische Presse die Impfdebatte in Deutschland.
  • Von britischen Medien wird dies auf die Mitgliedschaft in der EU zurückgeführt.
  • Und auch die Vorbehalte gegenüber Astrazeneca stoßen bei der ausländischen Presse auf Verwunderung.
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Berlin. Während Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erste Erfolge in der deutschen Impfkampagne vermeldet, wird diese in der ausländischen Presse deutlich anders wahrgenommen. Die britische „Sun“ führt die Impfprobleme in Deutschland auf bürokratische Hürden der EU zurück. Die „New York Times“ sieht Deutschlands Fall vom Vorbild in der Corona-Politik zum Land, das dieselben Probleme hat „wie jeder andere auch“.

Die „New York Times“ bringt es so auf dem Punkt: Während Deutschland einst großes Vorbild in der Corona-Pandemie war, sei es nun, wie jedes andere Land der Welt, mit der zweiten Welle der Pandemie überfordert. Die Unzufriedenheit der Deutschen werde immer größer und der Rückhalt für die Corona-Politik der Bundesregierung bröckele. Das auf die EU ausgerichtete Impfprogramm sei zunehmend ins Stocken geraten.

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Deutschland soll Zentrum für Impfstoffproduktion in Europa werden
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Die Pandemie bietet auch Chancen. In Ostdeutschland entstehen wichtige Impfstoffproduktionszentren. Der Vorteil: Es gibt bereits Firmen mit Tradition.  © Reuters
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Auch die „Sun“ findet in der Europapolitik den Schuldigen für die Impfprobleme in Deutschland. „Wir beneiden dich nicht“, titelte die britische Zeitung am Freitag in Bezug auf die deutsche Impfdebatte und zählt alle Freizeitaktivitäten auf, die die geimpften Briten im Sommer erwarten könnten – vom Popkonzert bis zum Fußball-Match. Deutschland sei gefesselt von Bürokratie und Regelungen der Europäischen Union, von denen sich Großbritannien längst befreit habe.

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Deutschland nicht alleine mit seinen Problemen

Auch andere Medien sehen die deutsche Impfdebatte eng mit der Mitgliedschaft in der Europäischen Union verknüpft.

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Die amerikanische Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt, der EU gingen die Ausreden aus. „Die großen Probleme können behoben werden, aber das Tempo bleibt langsam. Es ist an der Zeit, die Nadeln in die Arme zu stechen, vor allem von Ländern zu lernen, die es richtig machen,“ bezieht sich die Agentur auf Länder wie Dänemark und das aus der EU ausgetretene Großbritannien.

Ähnlich schätzt die „Financial Times die Situation ein, sieht allerdings Schwächen bei den Impfkapazitäten. „Da die EU erwartet, dass sich die Impfstoffversorgung im zweiten Quartal auf 300 Millionen Dosen verdreifacht, verlagert sich die Aufmerksamkeit von ihrem fehlerhaften Beschaffungsprozess auf die Frage, ob die Mitgliedstaaten bereit sind, ihre Impfkapazität innerhalb weniger Wochen massiv zu erweitern,“ heißt es. Die Zeitung sieht Deutschland allerdings nicht alleine mit seinen Problemen. Auch in Frankreich, Italien und den Niederlanden gehe das Impfen langsam voran.

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Das Nachrichtenportal „Politico zeigt sich verwundert über die Bedenken, die viele Deutsche gegenüber dem Astrazeneca-Impfstoff äußern. Es sei eine „bizarre Situation“: Während viele Deutsche ungeduldig auf ihre Corona-Impfung warteten, würde sich der Astrazeneca-Wirkstoff in den Lagern stapeln. „Dieses Missverhältnis ist besonders überraschend, da die Bundesregierung angesichts der EU-weiten Versorgungsengpässe zunehmend unter Druck steht, die Impfungen zu beschleunigen“, so „Politico“.

Jens Spahn: Impfstrategie geht auf

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte in einer Pressekonferenz am Freitag erste Erfolge seit Beginn der Impfkampagne vermeldet: 40 Prozent der verabreichten Impfdosen wurden an über 80-Jährige verabreicht, 4,5 Prozent der Bevölkerung seien mit einer Erstimpfung versorgt worden. „Die Strategie, erst die zu impfen, die am verwundbarsten sind, geht auf“, so Spahn. Weitere elf Millionen Impfdosen werden bis Ende kommender Wochen an die Länder geliefert.

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Der Bundesgesundheitsminister warnte jedoch auch, dass die Länder an die Grenzen ihrer Impfkapazitätsgrenzen kommen könnten: „Noch liegt zu viel Impfstoff im Kühlschrank.“

RND/ag

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