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  • Corona: Impfungen für Kinder ab fünf Jahren – Stiko-Chef Mertens zurückhaltend

Stiko-Chef zu Corona-Impfungen von Kindern in den USA: Nicht mit Deutschland vergleichbar

  • Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko), hat sich zu Corona-Impfungen für Kinder ab fünf Jahren zurückhaltend geäußert.
  • Er gab zu bedenken, dass die Impfung umso sicherer sein müsse, je geringer die Krankheitslast in einer Gruppe sei.
  • Vor einer Empfehlung müssten daher positive Effekte und Restrisiken der Impfung bei Kindern „quantitativ fassbar“ sein.
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Berlin. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, steht Corona-Impfungen für Kinder ab fünf Jahren zurückhaltend gegenüber. „Je geringer die Krankheitslast in einer Gruppe, umso sicherer muss die Impfung sein.“ Die Lage in den USA sei nicht mit der in Deutschland vergleichbar, so Mertens weiter.

„Wir haben noch keine Datengrundlage für unsere Bewertung und Empfehlung“, bekräftigte Mertens. Erst einmal sei die Zulassung durch die EMA wichtig. „Die Stiko hat die Daten aus der Zulassungsstudie zur Sicherheit und Wirksamkeit noch nicht gesehen und bewertet.“ Klar sei aber, dass eine solche Studie mit weniger als 3000 Probanden das Risiko seltener Nebenwirkungen nicht erfassen könne.

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Für das Gremium stelle sich das gleiche Problem wie vor der Impfempfehlung für die Zwölf- bis 17-Jährigen, sagte Mertens. „Kinder haben eine sehr geringe Krankheitslast durch Sars-CoV-2. Es gilt deshalb, erwartbare positive Effekte und denkbare unerwünschte Wirkungen durch die Impfung sehr genau gegeneinander abzuwägen.“ Die Stiko werde wieder eine eigene Datenanalyse durchführen.

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Mertens: Lage in USA nicht mit Deutschland vergleichbar

Die Ausgangslage in den USA ist für Mertens nicht mit der hiesigen vergleichbar. „Kinder dort erkranken offenbar deutlich häufiger schwer an Covid-19. Möglicherweise liegt das an dem dortigen Gesundheitssystem und dem höheren Anteil von Kindern mit Risikofaktoren wie zum Beispiel metabolischem Syndrom oder schlecht eingestelltem Diabetes.“

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Kinderärztesprecher Maske rechnet wie bei den Zwölf- bis 17-Jährigen zunächst mit einer Stiko-Empfehlung für chronisch kranke Kinder und eventuell mit einer „Kann-Regelung“, die auch Impfungen aller anderen Kinder ermöglicht. „Die Schwierigkeit ist, dass bisher Erfahrungswerte anderer Länder fehlen.“ Bestimmte Vorerkrankungen gelten als Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf.

Großer Druck von Teilen der Eltern

Es gebe großen Druck von einem Teil der Eltern, die ihre Kinder möglichst bald impfen lassen wollen, berichtete Maske. Es gebe Ärztinnen und Ärzte, die gezielt Impfungen im sogenannten Off-Label-Use anbieten, also auch ohne Zulassung für die Altersgruppe. Dies sei nicht illegal, aber letztlich eine Frage der Sicherheit. Insgesamt geht Maske davon aus, dass die Anzahl der auf diesem Weg Geimpften sehr gering ist.

Es sei für den Erfolg der Impfkampagne bei Kindern zu hoffen, dass die Politik nicht erneut öffentlich Druck auf die Stiko ausübe, sagte Maske. „Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen hat das viel Verwirrung gestiftet und uns Kinderärzte viel Überzeugungsarbeit gekostet.“

Sars-CoV-2 wird in Deutschland derzeit insbesondere bei Kindern und Jugendlichen nachgewiesen. Die Sieben-Tage-Inzidenz bei 5- bis 14-Jährigen gab das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag mit 207,4 an – Tendenz steigend. Über alle Altersgruppen hinweg sprach das RKI von 113 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche, vor einer Woche waren es 75,1.

RND/Reuters

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