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  • Corona-Impfungen an Schulen: Kinder- und Jugendärzte befürchten „Gruppenzwang“

Kinder- und Jugendärzte kritisieren Pläne für Impfungen an Schulen

  • Einige Bundesländer wollen die Impfungen von Kindern und Jugendlichen an den Schulen vorantreiben.
  • Kritik an dem Vorstoß kommt vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte, dieser sieht die freie Entscheidung durch „Gruppenzwang“ in Gefahr.
  • Der Deutsche Lehrerverband begrüßt die Pläne: „Alles, was die Sicherheit erhöht, ist gut.“
Antea Obinja
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Berlin. Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kritisiert die Pläne mehrerer Bundesländer, Kinder und Jugendliche an den Schulen zu impfen. „Die Jugendlichen stehen in den Schulen sehr stark unter Gruppenzwang, sodass eine freie und unabhängige Entscheidung schwierig wird“, sagte Verbandssprecher Jakob Maske dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Es sei zudem problematisch, dass die Impfenden die Kinder und Jugendlichen meist nicht kennen würden. Maske riet stattdessen zur Impfung in den Praxen: „Das Impfen beim eigenen Kinder- und Jugendarzt hat den Vorteil, dass der Arzt die Familie und das Umfeld gut kennt und die Eltern besser beraten kann, ob die Impfung für die Familie sinnvoll ist oder nicht.“

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Nachdem die Ständige Impfkommission (Stiko) die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren empfohlen hat, sind in ganz Deutschland Impfaktionen für diese Altersgruppe angelaufen. Neben „Familienimpftagen“ in Impfzentren, Freizeiteinrichtungen oder Tierparks sowie eigenen Impfstraßen für Kinder und Jugendliche in Impfzentren planen mehrere Bundesländer, darunter Baden-Württemberg, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, Impfungen an und im Umfeld von Schulen durchzuführen.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) äußert sich zurückhaltend: Die Impfung dürfe keine Voraussetzung für die Teilnahme am Unterricht sein, sagte die Vorsitzende Maike Finnern dem RND. Niedrigschwellige und freiwillige Impfangebote seien sinnvoll, es müsse aber sichergestellt sein, dass Eltern und Ärzte einbezogen werden. „Impfen kann kein Angebot der Schule werden oder sein, dafür muss externes und medizinisches Personal zur Verfügung stehen“, forderte die Vorsitzende.

Der Deutsche Lehrerverband (DL) hingegen begrüßt die geplanten Aktionen: „Alles, was die Sicherheit an Schulen schnell erhöht, ist gut“, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger dem RND. Die Sorge des BVKJ teilt der Verband nicht: „Wir haben nicht die Befürchtung, dass dadurch Konflikte in die Schulen hineingetragen und ein Gruppendruck auf nicht impfwillige Schüler, beziehungsweise deren Eltern, ausgeübt werden könnte.“

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Es gebe durchaus Möglichkeiten, Impfungen so zu organisieren, dass sowohl der Schulbetrieb kaum tangiert als auch die notwendige Anonymität und Freiwilligkeit absolut gewahrt wird, betonte der Verbandschef.

„Wichtig ist für uns, dass die Corona-Impfungen sowohl für Lehrkräfte als auch für Schülerinnen und Schüler freiwillig bleiben. Eine Impfpflicht lehnen wir nach wie vor ab.“ Oberstes Ziel des Verbandes sei die Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht im Herbst sowie zum normalen Schulbetrieb ohne größere Einschränkungen, sagte Meidinger. „Eine hohe Impfquote ist der zentrale Schlüssel dafür.“

Meidinger kritisierte die bisherige Zurückhaltung einzelner Länder: „Dass Bundesländer wie etwa Bayern, das ja immer besonderen Wert auf eine hohen Gesundheitsschutz auch an Schulen gelegt hat, sich da jetzt weitestgehend zurücklehnen und die Hände in den Schoß legen, halte ich für falsch.“

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Stiko spricht sich für Corona-Impfung für alle ab 12 aus
1:23 min
Die Ständige Impfkommission (Stiko) spricht sich nun für Corona-Impfungen für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren aus.  © dpa

Aus dem bayerischen Kultusministerium heißt es bislang: „Impfen ist eine individuelle Entscheidung und keine Voraussetzung für den Schulbesuch.“ Impfungen fänden grundsätzlich in den Impfzentren und in Hausarztpraxen statt. In Einzelfällen könne es aber auch zu Impfaktionen an Schulen kommen, wenn Kommunen, Schulen und Impfzentren dies wünschten und untereinander koordinierten. Auch Bremen und Berlin setzen bei der Impfung von Kindern und Jugendlichen vor allem auf die Impfzentren und Arztpraxen.

Möglich ist die Impfung für Kinder ab zwölf Jahren schon seit der entsprechenden Zulassung des Biontech-Impfstoffs durch die EU-Arzneimittelbehörde EMA im Mai. Inzwischen ist auch das Präparat von Moderna für diese Altersgruppe zugelassen. Laut Robert Koch-Institut sind in der Altersgruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen 16 Prozent vollständig geimpft, rund 25 Prozent haben mindestens eine Impfung erhalten.

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