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Impfung von Kindern: Hausärzte kritisieren Gesundheitsminister-Beschluss

  • Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wollen die Impfangebote für Kinder und Jugendliche ausbauen – gegen die Empfehlung der Ständigen Impfkommission.
  • Hausärztechef Weigeldt wirft den Ministern „Wahlkampfgetöse“ vor.
  • Die weisen die Kritik zurück.
Antea Obinja
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Berlin. Der Deutsche Hausärzteverband hat scharfe Kritik an der Entscheidung der Gesundheitsminister und -ministerinnen von Bund und Ländern geübt, das Impfangebot für Kinder und Jugendliche auszubauen. „Diese Diskussion unter Missachtung der Kompetenz der Ständigen Impfkommission kann eher zur Verunsicherung führen, als dass sie der Impfkampagne hilft“, sagte der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

„Das Risiko liegt mehr bei den nicht impfwilligen Erwachsenen als bei den Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren”, so der Hausärztevertreter weiter. Für Kinder und Jugendliche mit hohem Risikopotenzial gebe es ja bereits eine Impfempfehlung, betonte Weigeldt. „Warum eine Empfehlung der Stiko dazu zunächst nicht abgewartet werden kann, die sich auf Basis von fundierten Studien zeitnah äußern will, ist mir schleierhaft. Das Ganze klingt ein wenig nach Wahl­kampf­getöse.“

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Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) verteidigte die Entscheidung dagegen. Er sagte dem RND, die Empfehlungen und die wissenschaftliche Beratung der Stiko seien nach wie vor extrem wichtig. „Wenn allerdings Daten und Studien aus anderen Ländern sowie die Zulassungen der Europäischen Arzneimittelbehörde nahelegen, dass die Stiko-Empfehlungen etwas großzügiger ausgelegt werden können, ist das in Zeiten, in denen die vierte Welle anrollt und Varianten auftreten, von großer Bedeutung.”

Und er stellte klar: „Im Übrigen setzen wir uns nicht über Empfehlungen hinweg, sondern ermöglichen all jenen, die das wünschen, nach individueller ärztlicher Aufklärung und Risikoanalyse eine Impfung gemäß der Zulassung des Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittelagentur.“

Gesundheitsminister verteidigen Entscheidung

Ähnlich äußerte sich Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). „Die Erfahrungen unserer Sonder­impf­aktion zeigen, dass viele Familien sich ein entsprechendes Angebot wünschen“, sagte sie dem RND. „Wir haben bereits jetzt eine im Vergleich der Länder hohe Impfquote bei den Zwölf- bis 18-Jährigen, und ich würde es begrüßen, wenn wir diese noch wesentlich erhöhen können“, sagte sie mit Blick auf aktuellen Zahlen des Landes: In Niedersachsen haben 27,7 Prozent der Zwölf- bis 17-jährigen eine erste Impfung erhalten, 9 Prozent sind bereits vollständig geimpft.

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Bundesgesundheitsministerium plant Impfangebote für Jugendliche
1:26 min
Obwohl die Ständige Impfkommission noch keine Empfehlung ausgesprochen hat, will das Bundesgesundheitsministerium nun auch Jugendlichen Impfangebote machen.  © dpa

Auch Sachsens Gesundheitsstaatssekretärin Dagmar Neukirch (SPD) unterstützte die Ausweitung des Impfangebotes für Kinder und Jugendliche. „Durch die aktuelle Empfehlung der Sächsischen Impfkommission, eine Impfung für alle ab zwölf Jahren uneingeschränkt zu empfehlen, gibt es mehr Sicherheit für die impfenden Ärztinnen und Ärzte, aber auch für die Kinder und Jugendlichen und ihre Eltern“, betonte Neukirch im RND-Gespräch.

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Die Gesundheitsminister und -ministerinnen von Bund und Ländern hatten am Montag entschieden, entgegen der Empfehlung der Ständigen Impfkommission Jugendlichen ab zwölf Jahren ein breites Angebot an Corona-Impfungen zu ermöglichen. Man habe einstimmig beschlossen, das Angebot in allen Bundesländern den Jugendlichen umfänglich zu unter­breiten, sagte der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) nach einem Treffen mit seinen Amts­kollegen und -kolleginnen.

„Wir glauben nicht, dass das im Gegensatz zur Empfehlung der Stiko steht.“ Diese habe immer gesagt, dass eine Impfung auch für diese Personen nach Beratungsgesprächen möglich sei. „Wir halten es für richtig und wichtig, gut vorbereitet in den Herbst zu gehen mit diesem Impfangebot.“ Die Betonung liege auf Angebot, sagte er.

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