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  • Corona: Impfung von Kinder - Lehrerverband kritisiert Stiko und ist für Wechselunterricht

Lehrerverband kritisiert Stiko – und will im Notfall zurück in den Wechselunterricht

  • Am Montag ist die Impfkampagne für Kinder zwischen fünf und elf Jahren gestartet.
  • Aktuell empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) nur Impfungen für Kinder mit Vorerkrankungen.
  • Der Deutsche Lehrerverband ist darüber nicht glücklich – und empfindet das politische Ausschließen des Wechselunterrichts als „töricht“.
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Berlin/Hannover. Der Deutsche Lehrerverband hat die Ständige Impfkommission (Stiko) für die eingeschränkte Empfehlung zur Corona-Impfung für Kinder zwischen fünf und elf Jahren kritisiert. „Ich mache kein Geheimnis daraus, dass wir über die eingeschränkte Impfempfehlung der Stiko nicht sonderlich glücklich sind“, sagte Präsident Heinz-Peter Meidinger dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er wolle die Expertise der Stiko nicht anzweifeln, „allerdings stellt sich schon die Frage, ob die Entscheidungsstrukturen dieses Gremiums angesichts einer pandemischen Notlage nicht zu schwerfällig sind“.

Die Stiko empfiehlt seit Montag Impfungen für Kinder, die Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf oder Angehörige mit hohem Risiko haben. Es können nach individueller Entscheidung und ärztlicher Aufklärung aber auch alle Kinder geimpft werden. Meidinger kritisiert, dass dieses Vorgehen „Eltern wenig Orientierung gibt und eher ratlos zurücklässt“.

Dabei zieht er eine Parallele zur Impfkampagne der über Elfjährigen, bei der es Monate bis zur allgemeinen Empfehlung gedauert habe. Die Stiko hatte am 10. Juni zunächst eine Impfempfehlung für Zwölf- bis 17-Jährige mit Vorerkrankungen ausgesprochen und diese am 16. August auf alle Kinder und Jugendlichen in dieser Altersklasse ausgeweitet.

Im Notfall wieder in den Wechselunterricht

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Auch bei den Jüngeren pocht der Lehrerverband-Präsident auf eine rasche allgemeine Impfempfehlung für junge Kinder durch die Stiko. Die Vorteile liegen für ihn auf der Hand: Durch eine hohe Impfquote seien die Schülerinnen und Schüler sowie deren Familienangehörige mehr geschützt, zudem gebe es „deutlich mehr Chancen, den Schulbetrieb so lange als möglich am Laufen zu halten“. Wegen der fehlenden allgemeinen Impfempfehlung sei bis Schuljahresende aber keine hohe Impfquote unter den jüngeren Schülerinnen und Schülern bis Schuljahresende zu erwarten.

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Der Lehrerverband wolle zwar längere Phasen des Wechsel- und Distanzunterrichts so weit es geht vermeiden, so Meidinger. Sollte sich die Lage jedoch weiter verschärfen – etwa durch die Omikron-Variante – wäre es „töricht“ von der Politik entsprechende Maßnahmen für die Zukunft generell auszuschließen. Durch Wechselunterrichtsmodelle könne der Mindestabstand eingehalten werden, der sich in der ersten und zweiten Welle als „eine der wirksamsten Gesundheitsschutzmaßnahmen“ bewährt hätte.

Lehrerverband plädiert für Impfungen in Schulen

Angesichts der aktuell hohen Fallzahlen und der drohenden Ausbreitung der vermutlich deutlich ansteckenderen Omikron-Variante müssten „sehr schnell alle möglichen Gesundheitsschutzmaßnahmen an Schulen vorgehalten und ergriffen werden“, betonte er. Dazu gehörten neben mehrmaligen Testungen pro Woche, der Maskenpflicht und Raumluftfilteranlagen auch vermehrte Impfungen.

Laut dem letzten Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom vergangenen Donnerstag lag die Inzidenz bei den Fünf- bis Neunjährigen bei 951,19. In der Altersgruppe der Zehn- bis 14-Jährigen wurden in der Meldewoche sogar 1020,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner registriert. Bei den Kindern waren die Werte damit mehr als doppelt so hoch wie der der generationenübergreifende Durchschnittswert, der mit 462,99 angegeben wurde.

Um die bereits vorhandene Impfbereitschaft von Eltern zur Impfung ihrer Kinder schnell aufzufangen, spricht sich Meidinger für Impfungen auch an Schulen aus, „wenn der Wunsch vor Ort dazu besteht“. Dies sei „bequemer und einfacher“ für Eltern, als „eigene Arzttermine vereinbaren zu müssen“. Druck sollte jedoch nicht aufgebaut werden – weder von den Schulen noch von der Politik.

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