• Startseite
  • Politik
  • Corona-Impfung in armen Ländern: EU will gerechtere Impfstoff-Verteilung durch Initiative "Covax"

Corona-Impfungen: EU will ärmere Länder unterstützen

  • EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen will, dass die EU Impfstoffe an ärmere Länder weitergibt.
  • Dies könne die internationale Impf-Initiative Covax unterstützen, da in wenigen Monaten in Europa mehr Dosen vorhanden seien, als gebraucht werden, so von der Leyen.
  • Covax wurde eingerichtet, um weltweit einen gerechten Zugang zu Impfstoffen zu gewährleisten.
Anzeige
Anzeige

Brüssel. Die EU will ärmeren Ländern bei Corona-Impfungen zur Seite stehen und könnte dabei auch eigenen Impfstoff weitergeben. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen verwies nach dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs am Donnerstagabend auf den „weltweiten Ansturm“ auf die Impfdosen. Durch einen neuen Mechanismus könnten europäische Länder Dosen für Partnerländer zur Verfügung stellen.

Video
EU verdoppelt Bestellung von Impfstoff-Dosen bei Biontech
1:55 min
Deutschland erwartet durch die Vereinbarungen mit der EU und mit Biontech 90 Millionen Impfstoff-Dosen.  © Reuters

„In einigen Monaten werden wir in Europa mehr Dosen haben, als wir brauchen können“, sagte von der Leyen nach der Videokonferenz, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilgenommen hatte. Die Weitergabe von Dosen an Partner außerhalb der EU solle die nationalen Impfkampagnen innerhalb der EU jedoch nicht durcheinanderbringen. Der Stoff könnte laut von der Leyen über die internationale Impf-Initiative Covax zur Verfügung gestellt werden.

Anzeige

EU begründet Weitergabe mit eignen Interessen

Bislang unterstützt die EU Covax finanziell, aber nicht durch die Weitergabe von Impfstoff. Covax wurde eingerichtet, um weltweit einen gerechten Zugang zu Impfstoffen sicherzustellen. Allerdings beschaffen sich viele Länder Impfstoff an Covax vorbei. Auch die EU-Länder schlossen ihre Verträge bilateral mit den Pharmafirmen. Beobachter haben die EU daher in der Vergangenheit mitverantwortlich für die Knappheit an Impfstoffen gemacht, unter der Covax leidet.

Dass die EU nun eigene, womöglich überschüssige Dosen weitergeben könnte, begründete von der Leyen auch mit Eigeninteresse. Je länger und mehr das Virus in der Welt zirkuliere, desto größer sei das Risiko von Mutationen und damit die Gefahr für die Gesundheit aller.

Anzeige

EU-Ratspräsident Charles Michel nannte den Gipfel „ein sehr starkes Signal“ für die internationale Solidarität. „Wir sind der Meinung, dass der Impfstoff ein öffentliches Gut sein sollte“, fügte er hinzu und bekräftigte ebenfalls die Unterstützung von Covax.

Von der Leyen will Binnenmarkt offen halten

Ein wichtiger Punkt des Gipfels war die Frage der Reisefreiheit. Von der Leyen nannte es wesentlich, den Binnenmarkt offenzuhalten. Sie brachte aber „gezielte Maßnahmen“ ins Spiel, um Menschen von nicht notwendigen Bewegungen und Reisen abzuhalten. Am Montag will die Kommission genaue Vorschläge für die inneren und äußeren EU-Grenzen vorlegen. Das letzte Wort über Maßnahmen an ihren Grenzen haben die Mitgliedstaaten.

Auch die Diskussion über Impfzertifikate ging weiter. „Wir sind vorsichtig bei dem Thema“, erklärte Michel später. Heikel ist die Frage, ob Zertifikate, die Corona-Impfungen nachweisen, den Menschen Freiheiten eröffnen, die anderen wegen der Pandemie verwehrt sind. Derzeit gehe es nur um gemeinsame Standards solcher Zertifikate für medizinische Zwecke, sagte Michel. Ob und inwieweit sie später anderweitig genutzt werden könnten, sei offen.

RND/epd

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen