Keine Entscheidung gegen das Risiko – sondern für ein anderes

  • Kurz vor Weihnachten dürfte in Deutschland Impfstoff für die fünf- bis elfjährigen Kinder verfügbar sein.
  • Eltern sollten bei ihrer Entscheidung nicht nur mögliche Impfrisiken in Betracht ziehen, sondern die Risiken, die mit der Nichtimpfung verbunden sind.
  • Die Ständige Impfkommission sollte sich rasch entscheiden, welches Votum sie abgibt, kommentiert Tobias Peter.
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Berlin. Die Pandemie ist für alle mit großen Zumutungen verbunden. Eltern werden bald vor einer Entscheidung stehen, die viele als quälend empfinden: Sollen sie ihre Kinder gegen Corona impfen lassen, wenn auch für die Fünf- bis Elfjährigen ein Impfstoff zugelassen und verfügbar ist?

Es ist ein natürlicher Reflex von Eltern, den Nachwuchs vor jeder Gefahr schützen zu wollen. Mancher Erwachsene, der für sich selbst das überschaubare Risiko einer Impfung gegen Corona gut vertreten kann, wird deshalb bei den eigenen Kindern zögern. Lieber noch etwas warten und hoffen, dass die Impfung am Ende vielleicht gar nicht notwendig ist – das sind verständliche und nachvollziehbare Gedanken von Müttern und Vätern.

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Das Problem ist nur: So einfach ist es nicht. „Die Entscheidung, nicht zu impfen, ist keine risikofreie Wahl“, schreibt Paul Offit, ein führender Spezialist für Kinderimpfungen in den USA, in einem wissenschaftlichen Fachartikel. Die Entscheidung, nicht zu impfen, sei vielmehr „die Wahl, ein anderes, schwerer wiegendes Risiko einzugehen.“

Worauf der Arzt und Wissenschaftler mit Recht verweist: Das Risiko einer Impfung muss immer gegen das Risiko abgewogen werden, das durch eine Erkrankung entsteht. Obwohl die meisten Kinder nur mild oder asymptomatisch an Corona erkranken, werden einige Kinder eben doch schwer krank. Zusätzlich droht auch Kindern die Gefahr von Long Covid.

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Israel: Corona-Impfungen von Kindern gestartet
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Seit Montag werden in Israel nun auch Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren gegen das Coronavirus geimpft.  © Reuters

Der Druck der Realität

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Mediziner Offit empfiehlt also ausdrücklich die Impfung – und deutsche Experten wie etwa der SPD-Politiker und Epidemiologe Karl Lauterbach schließen sich dem an. Die Argumentation ist schlüssig, und sie kann Müttern und Vätern bei ihrer Entscheidung helfen. Das gilt selbst dann, wenn man zugibt, dass wir in der Pandemie immer wieder neue Erkenntnisse gewonnen haben – zuletzt etwa über die Wirksamkeitsdauer der Impfstoffe.

Der Impfstoff für die Fünf- bis Elfjährigen wird voraussichtlich vor Weihnachten verfügbar sein. Es wäre sehr wünschenswert, wenn die Ständige Impfkommission sich nicht zu lange Zeit lassen würde mit der Empfehlung, ob sie die Impfung für die Altersgruppe befürwortet oder nicht. Möglich sein soll die Impfung zwar auch ohne die Empfehlung, aber den Eltern würde eine schnelle Einschätzung der Stiko sehr helfen. Auch viele Ärzte legen Wert darauf, vor dem Impfen das Urteil der Stiko zu kennen.

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Die Wissenschaftler des Gremiums sind mit Recht unabhängig in ihrem Urteil. Ihr Wunsch, eine starke Datengrundlage zu haben, ist richtig und im Sinn der Kinder. Der Zeitdruck entsteht aber nicht durch unbotmäßiges Drängen von Politikern, sondern durch die Realität der Pandemie. Denn die Kinder sind dem Virus in der vierten Welle nun einmal unmittelbar ausgesetzt.

Die Verantwortung der Erwachsenen

Gleichzeitig gilt: Es darf keinen Druck auf Eltern geben, ihre Kinder impfen zu lassen. Nicht die Kinder sind gefordert, die Impflücke in Deutschland weiter zu schließen. Hier sind die Erwachsenen gefragt, Verantwortung zu übernehmen. Zumal es in diesem Fall längst wirklich umfangreiche Daten und Erfahrungen mit der Impfung gibt.

Wer sich trotzdem weiter hartnäckig – um nicht zu sagen: wie ein dickköpfiges Kind – weigert, mit dem kleinen Piks sich selbst und andere zu schützen, muss wissen, dass er die Lage auch für die Kinder erschwert. Jeder ungeimpfte Erwachsene erhöht das Risiko, dass das Virus weiter mutiert, und er trägt mit dazu bei, dass wir diese Pandemie nicht in den Griff bekommen.

Kinder und Jugendliche haben einen großen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie geleistet, weil sie Schulschließungen und andere Einschränkungen durchgestanden haben. Jetzt sind die Erwachsenen dran, etwas für die Kinder zu tun.

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