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Impfallianz fordert Vereinbarungen für faire Verteilung von Corona-Impfstoff

  • Noch gibt es keinen Impfstoff gegen Covid-19.
  • Doch die internationale Impfallianz Gavi fordert schon jetzt internationale Absprachen, wie die Verteilung organisiert wird.
  • Damit soll verhindert werden, dass nur die reichen Länder zum Zuge kommen.
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Berlin. Die internationale Impfallianz Gavi hat auf ein Problem aufmerksam gemacht, das in der Corona-Krise bisher noch kaum Beachtung gefunden hat: Wie kann sichergestellt werden, dass alle Länder weltweit einen gleichberechtigten Zugang zu einem Covid-19-Impfstoff erhalten?

Gavi-Vorstandschef Seth Berkley sagte bei einer Videokonferenz mit deutschen Journalisten, es müsse verhindert werden, dass ein Impfstoff nach der Entwicklung nur den wohlhabenden Ländern zur Verfügung stehe oder diese die gesamte Produktion aufkauften.

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Dazu sei es nötig, schon frühzeitig auf internationaler Ebene einen Verteilmechanismus und Prioritäten bei der Reihenfolge der Impfung festzulegen. Er forderte, einen Corona-Impfstoff für einige Zeit zum globalen, öffentlichen Gemeingut zu erklären.

“Weltweites öffentliches Gut”

“Natürlich bin ich nicht der politische Entscheider, aber wir sollten daran denken, einen solchen Impfstoff als weltweites öffentliches Gut zu betrachten”, sagte der Epidemiologe, der international als ein führender Experte für Impfprogramme gilt. Der öffentliche Sektor müsse deswegen auch die Entwicklung, Produktion und Verteilung finanzieren – mindestens für eine bestimmte Zeit.

Danach könne der Impfstoff zurück an kommerzielle Produzenten gehen. Er könne dann mit unterschiedlichen Preisen an die Lage in einzelnen Staaten angepasst werden, aber auch mit einer “vernünftigen Gewinnmarge” versehen sein.

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Seth Berkley, Geschäftsführer von Gavi. © Quelle: Bernd Von Jutrczenka/dpa

Berkley sagte, er rechne binnen zwölf bis 18 Monaten mit einem Impfstoff. Mit Glück und den bereits vereinfachten regulatorischen Auflagen könne es auch schneller gehen. Wenn der Impfstoff verfügbar ist, sollten nach Ansicht des Gavi-Chefs zunächst weltweit die Mitarbeiter im Gesundheitswesen geimpft werden. Dann müsse dort geimpft werden, wo Ausbrüche außer Kontrolle geraten seien, um mögliche Mutationen zu verhindern.

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Berkley lobte die Zusage von Pharmaunternehmen weltweit, einen Corona-Impfstoff gemeinsam herzustellen. Sobald klar sei, welche Impfstoffe wirkten, würden alle verfügbaren Produktionskapazitäten benötigt. Ziel sei, dass in kurzer Zeit genug Impfstoff für alle zur Verfügung stehe. Berkley kündigte zudem an, dass Gavi seine Infrastruktur zur Verteilung des Impfstoffs vor Ort zur Verfügung stellen werde.

Gavi wurde vor 20 Jahren beim Weltwirtschaftsforum in Davos aus der Taufe gehoben. Seit ihrer Gründung hat die Impfallianz nach eigenen Angaben die Impfung von über 760 Millionen Kinder ermöglicht. Gavi bündelt den Bedarf der Entwicklungsländer nach Impfstoffen und verhandelt dann mit der Industrie über günstige Preise. Bis auf einen kleineren Eigenanteil der ärmeren Staaten übernimmt Gavi die Kosten.

Andere Impfungen nicht vernachlässigen

Berkley warnte davor, angesichts der Corona-Pandemie Impfungen gegen andere Krankheiten zu vernachlässigen. Hochrechnungen hätten ergeben, dass auf jeden vor dem Corona-Tod geretteten Menschen 128 Todesfälle durch andere Krankheiten kämen, sollten Impfkampagnen etwa gegen Masern, Cholera oder Polio gestoppt werden. Berkley sagte, erst durch die Corona-Krise verstünden viele Menschen die Bedeutung von Impfungen für den weltweiten Gesundheitsschutz.

Gavi rechnet mit einem Bedarf von mindestens 7,4 Milliarden US-Dollar (6,8 Milliarden Euro) in den kommenden fünf Jahren, um ihr bisheriges Impfprogramm fortzusetzen. Deutschland hat bereits 600 Millionen Euro zugesagt. Berkley lobte diese Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), bat sie aber um eine Erhöhung des Betrags um 100 Millionen Euro. Das fordert unter anderem auch die Entwicklungsorganisation ONE. Die Wiederauffüllungskonferenz von Gavi ist für den 4. Juni geplant.

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