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Corona-Impfstoff: Die beste Nachricht seit Beginn der Pandemie

„Internationale Kooperation ist ein Schlüssel zur Bewältigung dieser globalen Herausforderung“: Ugur Sahin, Mediziner und Vorstandsvorsitzender der Mainzer Firma Biontech.

„Heute ist ein großer Tag für die Wissenschaft und für die ganze Menschheit“, sagte Dr. Albert Bourla, Vorstandschef des amerikanischen Pharmariesen Pfizer im US-Fernsehsender NBC. „Wahrscheinlich blicken wir sogar gerade auf den größten Fortschritt der Medizin seit 100 Jahren.“

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Die Amerikaner, das weiß man, haben es oft nicht kleiner. Doch in diesem Fall ist der Clou: Es könnte tatsächlich stimmen.

„Wahrscheinlich blicken wir sogar gerade auf den größten Fortschritt der Medizin seit 100 Jahren“: Albert Bourla, Vorstandschef des Pharmakonzerns Pfizer.

„Wahrscheinlich blicken wir sogar gerade auf den größten Fortschritt der Medizin seit 100 Jahren“: Albert Bourla, Vorstandschef des Pharmakonzerns Pfizer.

Die Effizienz des Impfstoffs, durch Test bewiesen, liegt bei 90 Prozent. Das lässt zwar Laien erstmal die Augenbrauen hochziehen. Doch Wissenschaftler hatten zunächst nur 75 Prozent erwartet – und wären auch damit schon zufrieden gewesen. Der Chefberater des Weißen Hauses, Dr. Anthony Fauci, hatte gesagt, sogar eine 50- bis 60-prozentige Effizienz sei notfalls akzeptabel. Mit den 90 Prozent von Biontech/Pfizer indessen könnten die Infektionskurven allerorten deutlich zügiger nach unten gebogen werden als bisher gedacht.

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Migrationshintergrund plus preußische Tugenden

Prompt nahmen die Aktienmärkte schon das Ende der Corona-Krise vorweg und spielten verrückt: Sogar Fluggesellschaften und die Triebwerksbauer blickten plötzlich wieder auf steigende Kurse. Das alles ist voreilig – aber schon mal ein früher Hinweis darauf, wie sehr der Impfstoff die Welt in absehbarer Zeit verändern könnte, erst medizinisch und dann auch wirtschaftlich.

Auch eine Vielzahl politischer Effekte ist bereits spürbar. So erstrahlt plötzlich der Pharma- und Forschungsstandort Deutschland, jahrelang oft bekrittelt, in neuem Licht. Und wer noch ein bisschen genauer hinsieht, entdeckt auch eine gute Nachricht für das Einwanderungsland Deutschland. Die Entdeckung des Impfstoffs gelang in der Mainzer Firma Biontech, die gegründet wurde und geleitet wird von Ugur Sahin, einem ebenso genialen wie arbeitssüchtigen Mediziner, dessen türkischer Vater Gastarbeiter bei Ford in Köln war.

Dass der Biontech-Chef nicht längst in den Talkshows sitzt, liegt daran, dass er Anfragen dieser Art schon seit Jahren höflich ablehnen lässt. Sahin macht sich nicht viel aus PR, er stürzt sich lieber in seine Arbeit. Wissenschaftlerkollegen beschreiben ihn als einen, der bei Kongressen bescheiden irgendwo am Rand steht. Wenig hervortreten, viel leisten, mehr sein als scheinen: Der Mann aus der Einwandererfamilie führt den Deutschen gerade preußische Tugenden vor.

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Ein Gefühl von neuen Zeiten liegt in der Luft

Pfizer, aufmerksam geworden auf den weit fortgeschrittenen Stand von Sahins Forschung, hat sich finanziell an Biontech beteiligt. Sahin war es recht: Zur schnellen Massenproduktion für den Weltmarkt fehlten seiner Firma ohnehin die Kapazitäten. Zudem hatte Sahin schon frühzeitig die Losung ausgegeben, es gehe beim Corona-Impfstoff nicht um ein nationales Projekt: Internationale Kooperation sei ein Schlüssel zur Bewältigung dieser globalen Herausforderung. Darüber, dass der Impfstoff nur diesem oder jenem Land zur Verfügung stehen solle, gebe es für ihn „gar keine Diskussion“.

Dass es mit Deutschland und Amerika nun zwei Länder der freien Welt sind, die die Nase vorn haben, ist weltpolitisch gesehen keine Nebensächlichkeit. Hätte sich beispielsweise eine Abhängigkeit von China ergeben, hätte dies die ohnehin gestiegene Dominanz und Arroganz Pekings erneut gesteigert.

Joe Biden sah das Heil nie in einem Rückzug ins Nationale, Angela Merkel erst recht nicht: Der gewählte neue Präsident der USA und die deutsche Kanzlerin auf einem Bild aus dem Jahr 2013.

Joe Biden sah das Heil nie in einem Rückzug ins Nationale, Angela Merkel erst recht nicht: Der gewählte neue Präsident der USA und die deutsche Kanzlerin auf einem Bild aus dem Jahr 2013.

Auch im politischen Binnenklima zwischen Europäern und Amerikanern hat der deutsch-amerikanische Impfstoff hilfreiche Wirkungen. Ein Gefühl von neuen Zeiten liegt in der Luft. Amerikaner werfen jetzt anerkennend einen neuen Blick auf Deutschland. Auch die Deutschen blicken mit neuer Sympathie über den Atlantik. Ließe sich nach der Impfstoffentwicklung vielleicht noch an anderen Stellen nur eine Gemeinschaftsanstrengung etwas Gutes bewirken? Joe Biden ist jemand, mit dem man darüber reden kann; er sah das Heil nie in einem Rückzug ins Nationale, Angela Merkel erst recht.

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Allzu lange kursierte in allzu vielen Staaten der Erde die kleinkarierte Vorstellung, Forscher müssten sich ums jeweilige eigene Volk zuerst kümmern. Zum Glück ist die wissenschaftliche Community in Deutschland und in den USA dem jämmerlichen neuen Zwanzigerjahrenationalismus des 21. Jahrhunderts nie gefolgt. Hätte sie es getan, hätte es in der Impfstoffforschung keinen Austausch verschiedener Ansätze, Ideen und Daten gegeben – und noch immer kein Licht am Ende des Tunnels.

RND

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