Divi fordert generelle Corona-Impfpflicht, um „Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren“

  • Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) fordert eine generelle Impfpflicht für alle Erwachsenen über 18 Jahre.
  • Verpflichtende Impfungen nur für bestimmte Berufsgruppen seien nicht ausreichend.
  • Doch eine Impfpflicht allein reiche aktuell nicht aus.
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Berlin/Hannover. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) hat sich für eine generelle Impfpflicht aller Personen über 18 Jahren ausgesprochen. Das gab der Verband am Donnerstag in einer Pressemitteilung bekannt. „Es gilt, unsere Patienten zu schützen, Menschenleben zu retten und auch unser Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren“, sagte Divi-Präsident Gernot Marx. Eine Impfpflicht für Erwachsene sei alternativlos, um die Pandemie auch langfristig hinter sich zu lassen. Das gesamte Divi-Präsidium soll geschlossen hinter der Forderung stehen.

„Wir hatten eine höhere Impfbereitschaft in der Bevölkerung erhofft und erwartet“, so Marx weiter. Angesichts der aktuell dramatischen Entwicklung könne nur mit einer generellen Impfpflicht die Notlage bewältigt werden. Verpflichtende Impfungen nur für bestimmte Berufsgruppen, etwa des Pflegepersonals, seien weder ausreichend noch moralisch zu rechtfertigen, so der künftige Divi-Präsident, Felix Walcher. „Wir erwarten eine Solidarität der gesamten Gesellschaft, um das Gesundheitssystem aufrecht erhalten zu können.“

Dabei gehe es auch um Rücksicht auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken, speziell auf den Intensivstationen, so Marx: „Wir können nicht in jeder Wintersaison wieder eine neue Welle zahlreicher schwerer Covid-19-Verläufe riskieren.“ Zwar seien bei sofortiger Umsetzung einer Impfpflicht frühestens im Januar oder Februar Effekte zu erwarten, allerdings könnten mit einer generellen Impflicht weitere Ausbruchswellen wirksam verhindert werden. In der aktuellen Situation bedürfe es weitreichender Maßnahmen: „Wir brauchen jetzt und sofort bundeseinheitliche Kontaktbeschränkungen und Hygienekonzepte, um spürbare Effekte in den nächsten drei bis vier Wochen zu sehen.“

100.000 Corona-Tote – Inzidenz von 419,7

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In Deutschland sind nach offizieller Zählung mehr als 100.000 Menschen mit oder an Covid-19 gestorben. Das Robert Koch-Institut gab die Zahl am Donnerstagmorgen mit 100.119 an. Die Zahl der binnen eines Tages übermittelten Corona-Neuinfektionen überschritt erstmals die Schwelle von 70.000 Neuinfektionen. Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI-Angaben 75.961 Fälle in 24 Stunden. Vor genau einer Woche waren es 65.371 erfasste Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag demnach bei 419,7 – ebenfalls ein Höchstwert seit Beginn der Pandemie. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 404,5 gelegen, vor einer Woche bei 336,9 (Vormonat: 110,1).

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Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patientinnen und -Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Mittwoch mit 5,74 an (Dienstag: 5,60). Der Wert spielt eine wesentliche Rolle für die Beurteilung des Infektionsgeschehens. Bei Überschreitung der Grenzwerte drei, sechs und neun in den Bundesländern können dort jeweils schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verhängt werden.

RND/mit Material der dpa

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