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  • Corona-Impfdurchbrüche: Sahra Wagenknecht hält Statistik-Ungereimtheiten für „Skandal“

Wagenknecht: Bundesregierung verschweigt Dynamik bei Impfdurchbrüchen

  • Aus den Zahlen des Robert Koch-Instituts geht derzeit nicht klar hervor, wie sich der Anteil der Impfdurchbrüche verändert.
  • Das Bundesgesundheitsministerium verweist auf eine Umstellung in der Methodik und spricht von einem „rein statistischen Effekt“.
  • Sahra Wagenknecht hält die Ungereimtheiten für einen „Skandal“.
Paul Gross
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Berlin. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht wirft dem Bundesgesundheitsministerium vor, die steigende Zahl der Impfdurchbrüche zu verschweigen. „Jens Spahn will die Öffentlichkeit weiterhin nicht über die zunehmende Dynamik bei den Impfdurchbrüchen aufklären“, sagt Sahra Wagenknecht dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Mehr Geimpfte auf Intensivstationen: Ein „rein statistischer Effekt“?

Hintergrund ist ein deutlicher Anstieg des Anteils doppelt Geimpfter in den Statistiken des Robert Koch-Instituts (RKI). Demnach waren 55 Prozent der Infektionen bei den über 60-Jährigen in der Zeit vom 13. September bis zum 10. Oktober auf vollständig geimpfte Personen zurückzuführen, seit Beginn der Impfungen liegt dieser Anteil bei 12 Prozent. Unter den intensivmedizinisch behandelten Patienten machten die vollständig Geimpften in diesem Zeitraum einen Anteil von 29 Prozent aus – 7 Prozent sind es seit Beginn der Impfungen. Zahlen über alle Altersgruppen hinweg zeigen: Der Anteil der Impfdurchbrüche wächst schneller als der Anteil der Geimpften.

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Das Ministerium hält die Entwicklung für einen „rein statistischen Effekt“. Das RKI habe eine methodische Umstellung vorgenommen. Bis zum 22. September wurden Patienten mit einer Corona-Infektion, die im Krankenhaus lagen und von denen man den Impfstatus nicht kannte, als ungeimpft registriert. Geht man davon aus, dass nicht jeder dieser Patienten ungeimpft war, war der tatsächliche Anteil der Impfdurchbrüche in diesem Zeitraum höher. „Jetzt werden nur noch die Fälle ausgewiesen, von denen man den Impfstatus tatsächlich kennt“, sagt die Sprecherin.

Mehr Geimpfte gleich mehr infizierte Geimpfte

Dass Ungeimpfte den Großteil der übrigen, nicht erfassten Fälle ausmachen, liegt nahe. „Die allermeisten Patienten, die wir behandeln – das wissen wir aus den Gesprächen mit vielen Kollegen großer deutscher Intensivstationen – sind gar nicht oder nicht vollständig geimpft“, sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), zuletzt dem RND.

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Eine Divi-Sprecherin verwies am Montag darauf, dass sich die Angabe vor allem auf die deutschen Unikliniken beziehe. Das Gesundheitsministerium verweist zudem auf die Deutsche Krankenhausgesellschaft, deren Vorsitzender Gerald Gaß zuletzt sagte, 90 Prozent der Covid-Intensivpatienten seien nicht geimpft.

Doch Spahns Ministerium sieht in der neuen Methodik des RKI nicht den einzigen Grund für den steigenden Anteil Geimpfter. Auf eine schriftliche Frage Wagenknechts, die dem RND vorliegt, antwortete ein Staatssekretär mit dem Hinweis auf den steigenden Anteil Geimpfter, durch den sich „auch die Wahrscheinlichkeit, dass unter allen Personen, die sich infizieren, mitunter geimpfte Personen betroffen sein können“, erhöhe.

Sahra Wagenknecht: „Falsche Maßnahmen“ und „üble Stimmungsmache“

Wagenknecht hält es für einen „Skandal, dass sich das Bundesministerium für Gesundheit weigert, die noch aktuelleren Zahlen auf Wochenbasis zu veröffentlichen“. Sie geht davon aus, dass die wöchentlichen Zahlen der Impfdurchbrüche vorliegen, weil das RKI im wöchentlichen Lagebericht im Abschnitt „Impfeffektivität“ jeweils einen gleitenden Vier-Wochen-Durchschnitt veröffentlicht.

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„Wenn die Zunahme der Impfdurchbrüche sich wie in den letzten Wochen fortsetzt, dann wird noch in diesem Winter der überwiegende Teil der neuen Covid-19-Fälle durch Infektionen bei doppelt geimpften Menschen stattfinden“, sagte die ehemalige Linken-Fraktionschefin. Sie bezeichnet die Beschreibung „Pandemie der Ungeimpften“ als „üble Stimmungsmache“.

Der zunehmende finanzielle Druck sowie das „öffentliche Mobbing“ gegen Ungeimpfte sollten dringend beendet werden, so Wagenknecht. „Falsche Maßnahmen“ wie 2G-Regeln, die Abschaffung kostenloser Tests und die Lohnstreichung für Ungeimpfte im Quarantänefall müsse die Politik schnellstmöglich rückgängig machen, forderte Wagenknecht.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version des Textes stand: Spahns Ministerium sehe in der neuen Methodik des RKI nicht den einzigen Grund für den steigenden Anteil Ungeimpfter. Korrekt ist „Geimpfter“, nicht „Ungeimpfter“. Wir haben dies korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen.

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