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Corona und Seniorenheime: Wie das Virus das Leben verändert hat

Eine 94-jährige Frau in einem Altenpflegeheim. (Symbolbild)

Hannover/Wolfsburg. Bewohner von Altersheimen sind durch das Coronavirus besonders gefährdet. Inzwischen sind allein in rund 80 Senioren- und Pflegeheimen in Niedersachsen Infektionen nachgewiesen worden. Nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums sind damit etwa vier Prozent der rund 2000 Pflegeheime betroffen. Nach Daten des Ministeriums mit Stand Donnerstag lebten rund 40 Prozent der bislang mit dem Virus gestorbenen Menschen in einem Senioren- oder Pflegeheim. Hunderte Bewohner sowie Mitarbeiter sind erkrankt.

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Doch wie hat das Virus das Leben in den Seniorenheimen verändert? Ein Blick nach Niedersachsen:

Welche Heime sind besonders vom Virus betroffen?

Sorgen bereitet die Lage in einem Heim für Menschen mit demenziellen Erkrankungen in Wolfsburg. Mehr als 40 Menschen mit einer Coronavirus-Infektion sind dort gestorben. Zur aktuellen Zahl der Infektionen in der Einrichtung wollten Stadt und Heim zum Wochenende hin keine Angaben machen. Um eine Ansteckung zu vermeiden, sind infizierte und nicht infizierte Menschen auf unterschiedlichen Etagen untergebracht.

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In einem Altersheim in Bramsche (Kreis Osnabrück) wurden jüngst rund 60 infizierte Bewohner gemeldet. Bis Freitagnachmittag waren elf positiv auf das Coronavirus getestete Menschen gestorben, wie der Landkreis mitteilte. Auch bei Pflegekräften wurde es nachgewiesen.

Das Virus hat sich zudem in einem Seniorenheim in Wildeshausen im Kreis Oldenburg ausgebreitet. Anfang April war dort mehr als die Hälfte der rund 50 Bewohner und der rund 45 Mitarbeitenden mit dem Coronavirus infiziert. Mindestens ein Mensch starb. Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, wurden die negativ getesteten Bewohner in ein Gästehaus nach Ganderkesee gebracht. "Die Quarantäne läuft noch bis mindestens 24. April", sagte der Landkreissprecher Oliver Galeotti. Wie viele infizierte Bewohnerinnen und Bewohner gestorben sind, wollte er nicht sagen.

Wie hat das Coronavirus das Leben in Seniorenheimen verändert?

Das Besuchsverbot ist für Bewohner wie Angehörige schwer. Viele Heime suchen nach alternativen Möglichkeiten, damit die Menschen in der Einrichtung weiter Kontakt zu Angehörigen und Freunden haben können. "Es gibt alle möglichen Versuche, Kontakte zu ermöglichen", sagte die Sprecherin des Diakonischen Werkes Wolfsburg, Bettina Enßlen. Sie berichtete von Gesprächen vom Balkon aus und Videotelefonie über Smartphones oder Tablets.

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Um hilfsbedürftigen Menschen ohne eigenes Mobilgerät Videotelefonie zu ermöglichen, hat die Diakonie Tablets angeschafft. Gemeinsam mit dem Personal können Bewohnerinnen und Bewohner darüber telefonieren. "Sie freuen sich total", erzählte Enßlen. Der Kontakt sei auch für die Angehörigen wichtig, denn viele hätten Angst um ihre Lieben. "Sie brauchen das Wissen, wie es den Angehörigen geht."

Vor welchen Herausforderungen stehen die Pflegekräfte?

Die Ausbreitung des Virus hat die Arbeitsbelastung der Pflegerinnen und Pfleger gesteigert, wie die Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, Birgit Eckhardt, berichtete. Wegen des Mangels an Schutzkleidung könnten sich nicht alle ausreichend schützen. "Das ist eine hohe psychische Belastung", sagte sie. Auch der Umgang mit den Heimbewohnern habe sich verändert. "Sie müssen den Bewohnern sehr viele Ängste nehmen", sagt Enßlen vom Diakonischen Werk über die Pflegekräfte in Wolfsburg.

"Menschen mit demenziellen Erkrankungen reagieren auf Veränderungen oft mit Ängsten, weil sie es nicht einordnen können." So könne es passieren, dass ein Bewohner das Getränk von einer Pflegekraft in Schutzkleidung zunächst nicht annehmen will, weil er die eigentlich vertraute Person nicht erkennt. "Sie müssen sehr viel mehr Zeit investieren, um Überzeugungsarbeit zu leisten und Vertrauen zu gewinnen, um die Versorgung sicherzustellen."

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So viele Schutzmasken brauchen Pflegeheime und Pflegedienste - täglich

Die Pflegebranche hat eindringlich an Bund und Länder appelliert, Pflegeheime und-dienste bei der Zuteilung von Schutzausrüstung nicht weiter gegenüber Kliniken und Ärzten zu benachteiligen. “Landesministerien und Gesundheitsämter sind bei Schutzausrüstung in der Pflicht”, forderte der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer. “Der immense zusätzliche Bedarf führt absehbar zu der Situation, dass die Gefährdung den Einsatz der Pflegekräfte ohne die notwendige Schutzausrüstung nicht mehr erlaubt”, warnte er.

Der Verband hat ausgerechnet, welche Mengen an Schutzausrüstungen die gesamte Pflegebranche in Deutschland benötigt. Dabei wurde eine relativ optimistische Entwicklung beim Krankheitsgeschehen unterstellt: Angenommen wird, dass ein Prozent der insgesamt 3,7 Millionen Pflegebedürftigen infiziert ist und bei fünf Prozent ein Corona-Verdacht besteht.

Dann braucht die Pflegebranche den Berechnungen zufolge pro Tag 534.000 OP-Masken., 70.000 FFP2-Masken, 525.000 Schutzkittel, 50.000 Schutzbrillen und fast 2,5 Millionen Einmal-Handschuhe. Die Zahlen seien lediglich die Untergrenzen des tatsächlichen Bedarfs, betonte Meurer. Und er fügte hinzu: “Entscheidend ist, dass der Bedarf heftig steigt, wenn die Zahl der Verdachtsfälle oder der Infizierten steigt.”

Unbekannt ist, wie viel Schutzausrüstung in den Pflegeeinrichtungen vorhanden ist.

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Spahn: Niedergelassene Ärzte sind der erste Schutzwall gegen Corona

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RND mit dpa

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