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Covid-19 im Herbst: Die Hauptverantwortung liegt beim Bürger

  • Wir haben mittlerweile gelernt, mit der Corona-Pandemie besser umzugehen als am Anfang.
  • Trotzdem schnellen die Infektionszahlen wieder in die Höhe.
  • Wer neue staatliche Reglementierungen verhindern will, der muss entsprechend handeln, kommentiert Markus Decker.
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Der jüngsten Stellungnahme des Deutschen Ethikrates haftet etwas Absurdes an. Das Gremium lehnt einen Ausweis ab, der seinem Träger die Immunität gegen das Covid-19-Virus attestieren würde. Schließlich ist eine derartige Immunität zurzeit gar nicht nachweisbar. Für den Fall, dass sie nachweisbar wäre, hat sich das Gremium nicht zu einem Votum durchringen können. Die einen sagen so. Die anderen sagen so. Dabei hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) um Orientierung gebeten.

Nun sind Wissenschaftler keine Abgeordneten. Sie machen keine Kompromisse. Freilich dürfte sich nicht allein Jens Spahn seit Dienstag fragen, ob die Anrufung des Ethikrates ihn wirklich weiter gebracht hat. Jedenfalls macht sich das Gremium selbst zu einer Randnotiz in einem Herbst, der nicht bloß klimatisch heiß werden könnte.

Schnelltests geben Hoffnung

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Zwar steht ein halbes Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie manches auf der Habenseite. Wir geben einander nicht mehr die fraglos gewaschenen Hände. Wir halten Abstand. Wir tragen Maske in der S-Bahn. Nein, nicht alle, aber sehr viele. Die Medizin hat Fortschritte gemacht. Ärztinnen und Pfleger wissen besser mit Covid-19-Infizierten umzugehen und schwere Krankheitsverläufe mindestens abzumildern.

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Insofern stimmt auch das Bild von der Welle nicht mehr. Denn wir sind einer zweiten oder dritten Welle nicht mehr so hilflos ausgeliefert wie der ersten. Der größte Fortschritt scheint die Entwicklung verlässlicher Schnelltests zu sein. Wenn der Nachweis des Virus binnen 15 Minuten gelingen kann, dann wäre etwa die menschlich belastende Quarantäne von Alten- und Pflegeheimen wohl Geschichte.

Flächendeckend Zuwächse

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Und doch wird die Lage abermals kritisch. So steigt die Zahl der Neuinfektionen. Überdies sind sie nicht mehr auf einzelne Hotspots begrenzt, sondern flächendeckend, ohne dass sich die Verursacher noch so rasch lokalisieren ließen. Das überfordert die Gesundheitsämter. Die Erwartung, das Virus könne weniger tödlich geworden sein, ist verfrüht. Die Todeszahlen sind aktuell vornehmlich deshalb geringer, weil die Infizierten jünger sind. Das dürfte nicht so bleiben. In Spanien geht die Zahl der Todesfälle wieder deutlich nach oben. Zudem steht der Herbst tatsächlich vor der Tür. Die Gefahr von Infektionen in geschlossenen Räumen nimmt zu. Bei all dem kann sein, dass ein Impfstoff bald da ist. Kann aber genauso gut sein, dass er nie kommt.

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Spahn: Neue Corona-Strategie für Herbst und Winter
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Angesichts steigender Corona-Zahlen in Deutschland setzt der Bundesgesundheitsminister auf zentrale Fieber-Ambulanzen für Patienten mit Atemwegsinfektionen.  © Reuters

Der politische Umgang mit dieser Situation wirkt erneut diffus. Im Ganzen geht der Trend zu neuen Restriktionen, deutschland- und europaweit. Nur sind diese nicht einheitlich und gehen mit Lockerungen an anderen Stellen einher. Die Hauptverantwortung liegt ohnehin beim Bürger. Wir haben das Virus leidlich kennengelernt. Und wenn wir nicht erkranken, andere nicht anstecken und uns nicht unnötig reglementieren lassen wollen, dann sollten wir danach handeln.

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