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Hotspot-Regeln: In diesen Regionen gelten die härtesten Corona-Beschränkungen

  • Bund und Länder haben den Teil-Lockdown über den November hinaus verlängert.
  • In manchen Regionen aber gelten härtere Beschränkungen als in anderen.
  • Das kann daran liegen, dass es sich um einen Corona-Hotspot handelt oder weil die Landesregierung schärfere Auflagen beschlossen hat – ein Überblick.
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Berlin. In einigen Regionen Deutschlands gelten härtere Corona-Beschränkungen als im Rest der Republik. Dabei kann es sich etwa um strikte Ausgangsbeschränkungen, Alkoholverbote oder auch um strengere Kontaktbeschränkungen als im Rest der Republik handeln. Ein Überblick.

Bayern

Wegen der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen verschärft Bayern seinen Kurs zur Kontaktbeschränkung deutlich und kippt die für Silvester geplanten Lockerungen wieder. Das Kabinett um Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beschloss am Sonntag in einer Sondersitzung, dass am 9. Dezember zudem der Katastrophenfall erneut ausgerufen werden soll. Die Regelung ist zunächst bis zum 9. Januar befristet. “Es bleibt dabei, die Zahlen sind einfach zu hoch”, sagte Söder. Auch viele Kliniken klagten inzwischen über eine Überlastung. Der national vereinbarte sanfte Lockdown habe eine Wirkung, aber auch nur eine milde.

Einzig an den Weihnachtstagen sollen die Kontaktbeschränkungen noch gelockert werden. Vom 23. bis zum 26. Dezember sind demnach auch Treffen über die zwei Hausstände hinaus mit bis zu maximal zehn Personen - aus bis zu zehn Hausständen - gestattet. Die bisher auch für Silvester geplanten Lockerungen wurden dagegen gekippt. Damit dürfen sich auch zum Jahreswechsel maximal fünf Personen aus zwei Hausständen treffen. Eine ähnliche Regelung hat bereits Baden-Württemberg vom 23. bis 27. Dezember. In Berlin sind über die ganzen Feiertage maximal fünf Personen erlaubt.

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Der Präsenzunterricht für ältere Schüler wird ab kommenden Mittwoch in Bayern deutlich eingeschränkt: Ab Klassenstufe acht sollen die Klassen überall geteilt werden und in Wechselunterricht übergehen. In Hotspots ab einer Inzidenz von 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche sollen die Schüler ab der achten Klasse komplett in den Distanzunterricht wechseln.

Ferner sollen ab Mittwoch landesweit strengere Ausgangsbeschränkungen und in Hotspots mit einer Inzidenz ab 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen auch zwischen 21.00 und 05.00 Uhr eine nächtliche Ausgangssperre gelten. Die eigene Wohnung darf dann nur noch aus triftigen Gründen verlassen werden. Dazu sollen aber auch Weihnachtseinkäufe, Arztbesuche, Sport und der Weg zur Arbeit und Schule gelten. Landesweit gilt zudem auch an Silvester ein Verbot für Alkoholkonsum unter freiem Himmel.

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Passau

Die Stadt Passau verhängt angesichts der stark gestiegenen Zahl von Corona-Infektionen strenge Ausgangsbeschränkungen. Sie begannen am Samstag, 27. November und sollten zunächst eine Woche dauern. Am Freitag, 4. Dezember, wurden sie verlängert. Sie sollen jetzt bis einschließlich 11. Dezember gelten. Passauer dürfen ihre Wohnung dann nur noch aus triftigem Grund verlassen, beispielsweise um zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen zu gehen. Die Polizei werde das Einhalten der Beschränkungen kontrollieren, betonte Dupper. „Die triftigen Gründe sind glaubhaft zu machen.“

Versammlungen aller Art werden auf eine Teilnehmerzahl von höchstens zehn und eine maximale Dauer von einer Stunde beschränkt. Dabei herrscht strenge Maskenpflicht. Auch in Gottesdiensten müssen die Kirchgänger an ihren Plätzen Masken tragen. Außerdem verhängt die Stadt ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen und verordnet Wechselunterricht für die Jahrgangsstufen sieben bis elf – mit Ausnahme von Abschlussklassen an Mittel- und Realschulen. Für die Klassen eins bis sechs und für Abschlussklassen soll es weiterhin Präsenzunterricht geben.

Wer einen Angehörigen in einem Altenheim besuchen will, muss vorher einen Schnelltest machen und damit nachweisen, dass er nicht infiziert ist. Außerdem ist das Tragen einer FFP2-Maske Pflicht. Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen sind fortan verpflichtet, wöchentlich einen Schnelltest machen zu lassen.

Kreis Hildburghausen

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Nirgendwo in Deutschland ist gemessen an der Einwohnerzahl der Infektionswert höher als in der ländlichen Region an der bayerischen Landesgrenze. Klare Infektionsherde sind hier schon lange nicht mehr auszumachen. Am Donnerstag, 26. November, gab es laut dem Robert-Koch-Institut mit 602,9 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche einen neuen Höchststand im Kreis Hildburghausen.

Zum Vergleich: Die Regierungschefs von Bund- und Ländern sehen bereits ab einer Schwelle von 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen eine extreme Infektionslage, bei der schärfere Regeln greifen sollen.

Video
Thüringer Landkreis kämpft mit mehr als 600 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner
2:35 min
In Hildburghausen gelten bereits Ausgangsbeschränkungen, Schulen und Kindergärten sind geschlossen. In der Bevölkerung regt sich Widerstand.  © Reuters

Um die Infektionswelle zu brechen, gelten für die rund 63.000 Einwohner im Kreisgebiet von Hildburghausen drastische Beschränkungen: Sie dürfen bis zum 13. Dezember ihre Wohnungen nicht mehr ohne triftigen Grund verlassen, Schulen und Kindergärten wurden geschlossen.

Landkreis Regen

Der niederbayerische Landkreis Regen verschärft wegen anhaltend hoher Corona-Infektionszahlen seine Ausgangsbeschränkungen. Diese würden von Samstag an nicht nur nachts, sondern auch tagsüber gelten, sagte Landrätin Rita Röhrl (SPD). “Die Wohnung darf dann nur noch aus triftigem Grund verlassen werden.”

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Nach Angaben des dortigen Gesundheitsamts lag die Inzidenz im Landkreis Regen Stand Freitagnachmittag bei 502. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hatte am gleichen Tag 482,9 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner in einer Woche gemeldet (Stand: Freitag, 4. Dezember, 14 Uhr). Beide Werte lagen am Freitag damit höher als in allen anderen Landkreisen und Städten Bayerns.

Nürnberg

Die Stadt Nürnberg verhängt als erste Großstadt in Bayern im Teil-Lockdown zusätzlich strikte Ausgangsbeschränkungen. Die Beschränkungen sollen zunächst zum 20. Dezember gelten, kündigte Oberbürgermeister Marcus König (CSU) an. Nürnberger dürfen ihre Wohnung nur noch aus triftigem Grund verlassen, beispielsweise um zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen zu gehen.

Außerdem weitet die Stadt die Maskenpflicht und das Alkoholverbot in der Innenstadt aus. Ab dem 7. Dezember sollen Klassen ab der fünften Jahrgangsstufe geteilt und im Wechsel unterrichtet werden – mit Ausnahme von Förderschulen, schulvorbereitenden Einrichtungen und Abschlussklassen.

Wer einen Angehörigen in einem Altenheim besuchen will, muss sich vorher auf eine Infektion testen lassen und eine FFP2-Maske tragen. Demonstrationen dürfen nur noch an einem festen Ort für maximal 60 Minuten stattfinden, alle Teilnehmer müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Berlin

In ganz Deutschland sollen die strengen Kontaktbeschränkungen über die Feiertage gelockert werden – nicht so in Berlin. Die Menschen in der Hauptstadt müssen sich auf Feiertage im kleinen Kreis einstellen – das gilt auch für Silvester. Denn der Senat hat am Donnerstag, 26. November, entschieden, die von Bund und Ländern verabredeten Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen für private Treffen über die Feiertage in Berlin nicht umzusetzen.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) begründete das mit der Infektionslage: „Wir müssen einen langen Atem haben, um gemeinsam durch diese lange Pandemie zu kommen“, sagte er nach einer Sondersitzung des Senats. „Und es darf uns jetzt nicht die Puste ausgehen.“

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg werden die Corona-Maßnahmen unmittelbar nach den Weihnachtstagen wieder verschärft. Die grün-schwarze Landesregierung will die Kontaktbeschränkungen lediglich vom 23. bis zum 27. Dezember aufweichen, bestätigte ein Regierungssprecher am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Darauf habe sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mit seinen Kabinettskollegen verständigt. Über die Weihnachtstage sollen aber Hotelübernachtungen für Familienbesuche in Baden-Württemberg ermöglicht werden.

Wegen ausufernder Corona-Infektionszahlen gilt ab dem Wochenende (4.12.) zudem in Mannheim eine nächtliche Ausgangsbeschränkung. Das kündigte Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) am Donnerstag in Mannheim mit. Die Ausgangsbeschränkungen sollen am Freitagabend in Kraft treten und für acht Tage zwischen 21.00 und 5.00 Uhr gelten. Zum Verlassen des Hauses benötige man dann “triftige Gründe”, diese müsse man bei einer Kontrolle glaubhaft machen können. Dazu zählen laut Kurz etwa berufliche Tätigkeiten. Die Polizei plant mobile und stationäre Kontrollen. Die Kräfte würden für die Kontrollen “massiv gestärkt”.

Auch in allen anderen Corona-Hotspots im Südwesten dürfen die Bürger künftig nachts nur noch mit triftigen Gründen das Haus verlassen. Die baden-württembergische Landesregierung einigte sich am Donnerstag auf nächtliche Ausgangsbeschränkungen in Kreisen mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, wie das Staatsministerium mitteilte. Die Details will das Sozialministerium in einem Erlass regeln.

Sachsen

Sachsen verschärft angesichts hoher Infektionszahlen im Freistaat seine Anti-Corona-Maßnahmen. Dazu gehört eine Ausgangsbeschränkung ab einer Inzidenz von 200 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner pro Woche, sagte Regierungschef Michael Kretschmer (CDU). Dann dürften die Menschen nur noch aus triftigen Gründen aus dem Haus gehen.

Er bat die Bürger um Verständnis und darum, diese Schritte mitzugehen. „Wir müssen handeln“, sagte er unter Verweis auf die schon in Ansätzen schwierige medizinische Versorgung. Zuvor hatte das Kabinett in einer Sondersitzung die neue Corona-Schutzverordnung beschlossen.

Am Freitag, 27. November, lagen laut Gesundheitsministerium von den zehn Landkreisen und drei kreisfreien Städten zehn über der 200er-Marke. Auch die Landeshauptstadt Dresden liegt mit einem Wert von 201,2 aktuell knapp über der Schwelle. Am höchsten ist der Inzidenzwert laut Angaben des Freistaats mit 387,5 im Erzgebirgskreis.

Rheinland-Pfalz

Zum ersten Mal seit Ausbruch der Corona-Pandemie wird auch in Teilen von Rheinland-Pfalz eine nächtliche Ausgangssperre angeordnet. In der Stadt Ludwigshafen darf sich bereits von Samstag an im Zeitraum zwischen 21 Uhr und 5 Uhr morgens niemand mehr ohne wichtigen Grund im öffentlichen Raum aufhalten. Die Städte Speyer und Frankenthal sowie der angrenzende Rhein-Pfalz-Kreis würden die gleichen Ausgangsbegrenzungen spätestens zum kommenden Dienstag einführen, teilte das Mainzer Gesundheitsministerium am Freitag mit.

Die Landesregierung und die vier betroffenen Kommunen hatten am Nachmittag über die beabsichtigten Verschärfungen der Corona-Maßnahmen beraten. “Es wurde ein gemeinsames Vorgehen für die Region besprochen und vorgesehen”, teilte das Ministerium auf Nachfrage mit und kündigte einen zeitnahen Erlass zu Anti-Corona-Vorschriften in besonders stark betroffenen Kommunen an.

Während die Zahl der Neuinfektionen in vielen rheinland-pfälzischen Kommunen in den zurückliegenden Tagen langsam zurückging, stieg sie in der Vorderpfalz weiter stark an. Aktuell verzeichnet Ludwigshafen einen sogenannten Inzidenzwert von 375 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Auch in Speyer (321), Frankenthal (276) und dem Rhein-Pfalz-Kreis (272) liegt der Wert deutlich über dem Landesdurchschnitt von aktuell 129.

RND/dpa/das/epd

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