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Corona-Hotspot Leverkusen: Höchste Inzidenz Deutschlands nur wegen der Teststrategie?

  • Die Stadt Leverkusen lässt auch Kontaktpersonen zweimal in der Quarantäne testen.
  • Ein Zusammenhang zwischen hoher Inzidenz und Teststrategie wird immer wieder hergestellt.
  • Der SPD-Bundestagsabgeordneter Karl Lauterbach (SPD) hält die Erklärung aber nicht für ausreichend.
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Leverkusen. Eine Inzidenz von über 200 – das ist auch in der vierten Corona-Welle noch immer ein negativer Spitzenwert in Deutschland. In der Stadt Leverkusen ist am Mittwoch die Inzidenz auf 228,4 gestiegen. Zuvor lag die Anzahl der Neuerkrankungen der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner noch bei 205,8. Die Stadt im Rheinland als Corona-Hotspot? Die Stadtverwaltung will davon nichts wissen. „Insgesamt hat Leverkusen kein spezifisch höheres Infektionsgeschehen als andere Ballungsräume“, teilte Pressesprecherin Julia Trick auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) mit.

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Die Verwaltung führt den sprunghaften Anstieg der Zahlen darauf zurück, dass Urlauberinnen und Urlauber in den Sommerferien vor allem bei Auslandsreisen eine COVID-19-Infektion mitgebracht hätten. Aufgrund der deutlich erhöhten Infektiosität der Delta-Variante verbreite sich das Virus schneller in den betroffenen Familien. In einer Pressemitteilung der Stadt heißt es: „Insbesondere die Rückkehr von Menschen mit Migrationshintergrund, die in den Sommerferien Familienangehörige im Ausland besucht haben, haben einen spürbaren Einfluss auf die aktuelle Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenz“.

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Hohe Corona-Inzidenz: In Leverkusen wird mehr getestet

Dazu kommt: Zwar empfiehlt das Robert Koch-Institut den Gesundheitsämtern bei Kontaktpersonen von Erkrankten zwei Tests in der Quarantäne. Das sei jedoch nicht verpflichtend – schon gar nicht der PCR-Test, dessen Ergebnis anders als beim Schnelltest in die Inzidenzstatistik einbezogen wird. Leverkusen hingegen lässt auch die Kontaktpersonen zweimal mit dem PCR-Verfahren testen. Der Amtsarzt Martin Oehler spricht von einer „aktiven Fallfindung“.

Genaue Zahlen zur die Teststrategie konnte die Stadt auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) nicht vorlegen und begründet dies mit einem zu hohen statistischen Aufwand. 20 Prozent aller positiven Tests seien auf das doppelte Testverfahren von Kontaktpersonen in Quarantäne zurückzuführen. Eine absolute Zahl dazu könne jedoch nicht mitgeteilt werden.

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Zusammenhang zwischen Teststrategie und hoher Inzidenz auch bei anderen Corona-Hotspots

Ähnliche Zusammenhänge zwischen Teststrategie und hoher Inzidenz wurden auch schon in anderen temporären Corona-Hotspots hergestellt. Der Landkreis Fulda, der Anfang des Jahres mit einer Inzidenz von über 200 trauriger Spitzenreiter in Hessen war, berief sich wie jetzt Leverkusen auf ein erweitertes Testverhalten. Landrat Bernd Woide erläuterte die Kausalität in einem Video:

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Vergleichbare Erklärungsversuche gab es im Landkreis Greiz in Thüringen, wo die Inzidenz im März bei über 500 lag. Die Verwaltung hatte wegen einer erhöhten Quote von positiven Tests bei Erzieherinnen, Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern auch Kontaktpersonen testen lassen, die keine Symptome aufwiesen. Von 935 symptomfreien getesteten Kontaktpersonen waren 306 infiziert, 151 davon Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Unter deren Eltern und Angehörigen fanden sich weitere 138 Infizierte. „Das sind die Altersgruppen, die besonders beweglich sind und bisher durch alle Raster gefallen sind, weil sie ohne Symptome einfach nicht getestet wurden“, sagte Landrätin Martina Schweinsburg der WAZ.

Hohe Inzidenz nur wegen Teststrategie?

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Der Bundestagsabgeordnete und Mediziner Karl Lauterbach (SPD) hingegen bezweifelt, dass allein die Teststrategie die hohen Zahlen in Leverkusen erklärt, Der Rheinischen Post sagte er: „Ich glaube, dass Leverkusen in einer Situation ist, wo droht, dass wir die Kontrolle verlieren“. Der Sozialdemokrat schlägt vor, bei Veranstaltungen und beim Einlass in Einrichtungen so oft wie möglich nur Geimpfte und Genesene und nicht auch Getestete (2G statt 3G) zuzulassen.

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