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Hospitalisierungsinzidenz: Recherchen zeigen starke Verzerrung

Die Hospitalisierungsrate soll Auskunft über die Auslastung in den Krankenhäusern geben, doch belastbare Aussagen lassen sich auf ihrer Grundlage kaum treffen.

Die Hospitalisierungsrate soll Auskunft über die Auslastung in den Krankenhäusern geben, doch belastbare Aussagen lassen sich auf ihrer Grundlage kaum treffen.

Seitdem die sogenannte Hospitalisierungsrate die Sieben-Tage-Inidenz im September als entscheidenden Indikator für politische Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus abgelöst hat, reißt die Kritik an dem Kennwert nicht ab.

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Die Hospitalisierungsrate, auch Hospitalisierungsinzidenz genannt, soll angeben, wie viele Patienten pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen auf Grund einer Corona-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Der Wert soll Auskunft über die Belastung in den Krankenhäusern geben.

Recherchen der Zeitung „Welt am Sonntag“ zeigen, dass sich belastbare Aussagen darüber, wie viele Menschen aufgrund einer Covid-19-Erkrankung in den Krankenhäusern behandelt werden und wie sich die Auslastung der Krankenhäuser darstellt, auf Grundlage der Hospitalisierungsinzidenz aber kaum treffen ließen.

Missverständnis zwischen Kliniken und RKI

Zum einen gebe es demnach zwischen dem RKI und den Kliniken scheinbar ein Missverständnis darüber, welche Patienten gemeldet werden sollten, um die Hospitalisierungsinzidenz zu errechnen.

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Während das Robert Koch-Institut (RKI) fordert, nur Patienten zu registrieren, die mit der Hauptdiagnose Covid-19 eingeliefert wurden, erklärten große Klinikkonzerne auf Anfrage der Zeitung, alle Patienten mit Covid-Infektion zu melden. Das führt insgesamt zu einer Überschätzung der Hospitalisierungsinzidenz.

Obwohl bereits Ende September über diese Verzerrung berichtet wurde, verfahren viele Krankenhäuser weiterhin so, berichtet die „Welt am Sonntag“.

Rheinland-Pfalz: Corona in nur 53 Prozent der Fälle Ursache für Hospitalisierung

Eine aktuelle Befragung der Länder, wie viele Patienten mit Hauptdiagnose Covid-19 in den dortigen Kliniken liegen und wie viele mit einer Nebendiagnose, zeige laut „Welt am Sonntag“ die Ausmaße der Verzerrung.

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Für Rheinland-Pfalz etwa ergab die Befragung, dass Corona nur in 53 Prozent der Fälle Ursache für die Hospitalisierung war. 27 Prozent der Patienten wurden aus anderen Gründen eingeliefert. Für die übrigen 20 Prozent lägen keine Informationen vor, so die Welt am Sonntag.

Ähnlich stellt es sich auch in anderen Bundesländern dar: Berlin teilte auf Anfrage mit, in 47 Prozent der Fälle sei Covid der Hauptgrund für die Hospitalisierung gewesen, 24 Prozent der Patienten wurden aus anderen Gründen eingeliefert. Bei 29 Prozent lag keine Angabe zum Hospitalisierungsgrund vor.

Zusätzlich kommt eine Überschätzung der Hospitalisierungsinzidenz aufgrund der Berechnungen des RKI hinzu.

FDP-Gesundheitsexperte Ullmann fordert bessere Datenlage

Wie viele Menschen wirklich ins Krankenhaus müssten, um dort wegen ihrer Corona-Erkrankung behandelt zu werden, gehe aus der reinen Inzidenzausweisung also gar nicht hervor, schlussfolgert das Blatt.

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Der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann sagte der „Welt am Sonntag“, für evidenzbasierte Medizin benötige man „eine valide Entscheidungsgrundlage. Je besser die Datenlage ist, desto besser können die Entscheidungen in der Medizin und der Politik getroffen werden.“

Eine aussagekräftige Unterscheidung in der Datenlage zwischen „Patienten, die mit oder wegen Covid-19 hospitalisiert wurden, würde ich begrüßen“, so Ullmann.

RND/aob

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