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Corona-Hilfen in den USA ausgelaufen – jetzt droht die Straße

  • Millionen Amerikaner haben durch Corona ihren Job verloren. Der Auslauf der Corona-Hilfen verschärft jetzt ihre Situation.
  • Sie müssen nun von Ersparnissen leben, stehen teilweise bereits mit einem Bein auf der Straße.
  • Republikaner und Demokraten suchen derweil die Schuld beim jeweils anderen.
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Essen kaufen oder Miete zahlen? Vielen US-Bürgern stehen finanziell ungewisse Zeiten bevor. Durch die Pandemie verloren sie Jobs, soziale Absicherungen und Perspektiven. Sie Leben von Scheck zu Scheck – und der kommt jetzt nicht mehr. Denn das Corona-Hilfspaket der Vereinigten Staaten ist ausgelaufen. Nun fehlen die zusätzlichen 600 Dollar pro Woche. Jetzt müssen die Ersparnisse angezapft werden, die Millionen Bürger einfach nicht angehäuft haben.

Republikaner und Demokraten zanken sich über die Form der Fortsetzung, schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Während Millionen US-Bürger vor einer existenziellen Frage stehen: Wo wohne ich morgen? Denn auch das bundesweite Moratorium für Zwangsräumungen und Hypothekenzahlungen ist Geschichte und die Obdachlosigkeit damit greifbarer als zuvor. Dem United States Census Bureau (Statistikbehörde) zufolge rechnen 35 Prozent der Amerikaner damit, dass sie jetzt ihre Miete nicht mehr aufbringen können. 15 Prozent fürchten, beim Hauskredit in Rückstand zu geraten.

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US-Präsidialamt sieht keine rasche Einigung auf Corona-Hilfen
1:56 min
Der von den Republikanern kontrollierte Senat und der von Demokraten dominierte Kongress werfen einander Blockadehaltung vor.  © Reuters
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50 Millionen Amerikaner verlieren ihren Job

Die Arbeitsagenturen erleben einen Sturm an Anträgen, dem sie nicht Herr werden. So wartet etwa Daniel Vought bereits seit vier Monaten auf Rückmeldung der Behörde, erzählt er der “Washington Post”. Wenn er eine freie Leitung erwischt, wird er abgewimmelt. Er sagt: “Ich weiß nicht, ob ich einfach übergangen werde. Vielleicht ist es auch einfach die unglücklichste Zeit, einen Nachnamen mit ‘V’ zu haben.”

Doch der Schaden ist angerichtet. Vought wird aus der Wohnung geschmissen. Der 30-Jährige verlor durch Corona seinen Barjob. Die 800 Dollar Miete kann er seit dem nicht mehr aufbringen. Alles was er jetzt noch hat, sind 10 Dollar in seinem Portemonnaie, meint er gegenüber der Zeitung.

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Das Schicksal von Vought ist ein Mikrokosmos der Corona-Krise in den USA. Die Pandemie hat beinahe 50 Millionen US-Bürgern den Job gekostet. Analysten warnen, dass das Wegfallen der zusätzlichen Hilfe die beginnende Erholung der US-Konjunktur ausbremsen dürfte. Die Arbeitslosenquote im Juni lag bei extrem hohen 11,1 Prozent. Vor der Zuspitzung der Pandemie in den USA im März hatte die Quote noch bei 3,5 Prozent gelegen. Zuletzt bekamen rund 17 Millionen Menschen reguläre Arbeitslosenhilfe.

US-Corona-Hilfen: Einigung in weiter Ferne

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Wie und wann die Corona-Hilfen in den USA wieder anlaufen sollen, ist noch völlig unklar. Demokraten und Republikaner betonen, dass man noch weit voneinander entfernt sei. Die Demokraten im Repräsentantenhaus hatten bereits im Mai ein weiteres billionenschweres Konjunkturpaket beschlossen, die Republikaner im Senat fingen aber erst vor wenigen Wochen an, sich mit dem Thema zu befassen. “Die Menschen brauchen Mittel, um die Bedürfnisse ihrer Familien erfüllen zu können”, sagte die Demokratin Pelosi. Denn immerhin hätten die 19. Woche in Folge mehr als eine Million Amerikaner Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt.

US-Präsident Donald Trump und seine Republikaner erklärten, dass die Demokraten “vernünftige Angebote” abgelehnt hätten – und Schuld daran seien, dass nun Millionen Amerikaner vor einer ungewissen Zukunft stünden. Einer ihrer Vorschläge sah vor, die Zahlungen von 600 Dollar um eine Woche zu verlängern. Danach sollten sie deutlich gedrosselt werden. Denn ansonsten würden viele nicht mehr nach Arbeit suchen, so ein Argument.

Vor allem ein Punkt im Gesetzesentwurf der Demokraten stößt der Gegenseite sauer auf. Denn darin ist auch eine Wahlreform enthalten. Jeder Bürger hätte fortan das Recht auf Briefwahl gehabt – als Schutz vor einer Ansteckung im Wahllokal. Trump betitelte den Vorschlag bereits im März als “verrückt”. “Wenn man dem zustimmen würde, würde nie wieder ein Republikaner in diesem Land gewählt”, erklärte der Präsident jüngst.

Die politische Blockade der Hilfen droht die Stimmung in den USA weiter aufzuheizen. In New Orleans ketteten sich Bürger vor dem Eingang zum Bezirksgericht aneinander. Das Ziel: Vermieter sollten daran gehindert werden, Zwangsräumungen zu beantragen. Auch in New York und anderen Teilen des Landes werden bereits ähnliche Aufstände geprobt. Es sind Dokumente verzweifelter Amerikaner, die mit einem Bein bereits auf der Straße stehen.

mit dpa

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