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  • Corona: Falsche Zahlen sorgen für Chaos - Hendrik Streeck fordert jetzt die England-Strategie

Chaos bei Corona-Zahlen: Experten fordern neue Strategie in der Krise

  • Die Corona-Zahlen in Deutschland sind weiterhin überraschend niedrig und lassen Zweifel an ihrer Validität aufkommen.
  • Laut Gesundheitsminister Lauterbach habe eine Arbeitsgruppe im RKI zwischen den Jahren die Corona-Zahlen errechnet.
  • Nun werden erneut Forderungen laut, mit einer neuen Strategie die Daten genauer zu erfassen.
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Während in Europa die Corona-Zahlen Rekordhöhen erreicht haben, steht Deutschland mit Blick auf die aktuellen Daten noch vergleichsweise gut da. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert-Koch-Institut (RKI) rund 80.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages – die Inzidenz liegt bei rund 407 (Stand: 12.01.2022).

Zum Vergleich: Frankreich hatte zuletzt mehr als 300.000 Neuinfektionen täglich, obwohl in dem Nachbarland mit rund 67 Millionen Einwohnern deutlich weniger Menschen als in Deutschland leben. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt dort bei rund 2800 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Auch in Italien, Spanien, Portugal, Niederlande und weiteren EU-Ländern liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 1000.

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Ist die Pandemiepolitik in Deutschland deutlich besser als in so vielen anderen Ländern? Laut Fachleuten hängen die niedrigeren Fallzahlen eher damit zusammen, dass nicht genügend Daten vorliegen, um das Infektionsgeschehen in Deutschland besser zu erfassen. Darauf wiesen auch das RKI und Bundes­gesund­heitsminister Karl Lauterbach (SPD) hin.

Er ging kurz vor Jahresbeginn noch davon aus, dass die Inzidenzen bis zu dreimal höher liegen als vom RKI angegeben. „Die tatsächliche Inzidenz ist derzeit vermutlich zwei- bis dreimal so hoch wie die Inzidenz, die wir erfassen“, sagte der Minister. Hintergrund sei, dass über die Feiertage deutlich weniger getestet werde und noch einmal deutlich weniger Testergebnisse an das RKI übermittelt werden.

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Lauterbach: RKI-Arbeitsgruppe hat Zahlen errechnet

Allerdings erläuterte Lauterbach bei RTL: „Wir haben im Robert-Koch-Institut eine Arbeitsgruppe, die sich damit beschäftigt, die tatsächlichen Zahlen zu errechnen.“ Diese Berechnungen seien aber „sehr zuverlässig“, betonte Lauterbach. Auch der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité äußerte sich im NDR zuversichtlich: Auch wenn die Zahlen unvollständig seien, befinde man sich grundsätzlich nicht in einem Blindflug. Denn ein Anstieg der Infektionslage sei auch bei den aktuellen Datenlücken erkennbar. Das RKI erklärte auf RND-Nachfrage am 12. Januar: „Inzwischen ist wieder ‚Normalbetrieb‘.“

Doch wie genau die Daten sind, hängt stark davon ab, wo und wie häufig überhaupt Tests durchgeführt werden. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck sieht die generelle Datenerfassung in Deutschland daher problematisch und forderte eine neue Strategie. „Andere Länder haben ein zentralisiertes Gesundheitssystem, wo genau erfasst ist, wie viele geimpft, getestet und infiziert sind“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) im Interview. Kurzfristig könne man dies nicht einführen, aber mittelfristig sei dies unbedingt notwendig.

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Repräsentative Stichprobe statt Zahl der positiven Test

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Hinzu komme, dass andere Länder systematische, repräsentative Stichproben erheben würden, ganz egal ob die Person geimpft, genesen oder ungeimpft sei. „Stellen Sie sich das so ähnlich vor wie die Fernsehquoten täglich erhoben werden“, erläuterte Streeck. „So bestimmt man recht gut die wahre Inzidenz und ist nicht abhängig von der Anzahl der Tests, die durchgeführt werden.“

Solche repräsentative Kohortenstudien könnten laut dem Direktor der Virologie an der Universität Bonn deutlich aufschlussreicher für die Pandemiebekämpfung sein. „Gibt es bestimmte Berufe, wo sich Geimpfte gehäuft anstecken? Gibt es einen Zusammenhang mit Wohnbedingungen?“, führte Streck aus. „Dadurch kann man mit der Zeit viel gezielter gegen die Pandemie vorgehen, als einfach alles zu beschränken, weil man es nicht besser weiß.“

Zustimmung erhält Streeck vom Epidemiologen Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventions­forschung und Epidemiologie. Die schlechten Daten seien „wirklich eines der weniger schönen epidemio­logischen Probleme für Deutschland“, sagte er dem RND. „Wir haben keine repräsentative Stichprobe, die unabhängig von Testverhalten und Verfügbarkeit doch regelmäßig sagen kann, wie der Stand der Prävalenz in der Bevölkerung ist.“ Das würden eigentlich alle wissen. „In Deutschland gibt es einzelne Studien, allerdings nicht in dem Umfang und nicht in der Geschwindigkeit, wie es die Briten können.“

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