Trump, Putin und Co.: Wie Corona die Populisten entzaubert

  • Das Corona-Virus bringt vor allem Rechtspopulisten politisch in Bedrängnis.
  • Besonders bizarr sind die Krisenauftritte von Donald Trump.
  • Andere Nationalisten stehen aber noch stärker unter Druck als der US-Präsident.
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Washington. Die Corona-Krise belastet alle. Politisch aber stellt sie vor allem das Geschäftsmodell der selbst ernannten “starken Männer” und rechten Populisten bloß. Der bittere Preis für Leugnen, Schönreden und ahnungsloses Faseln, sind Menschenleben. Besonders dramatisch ist die Lage in den USA.

Massengräber mitten in New York – weil so schnell so viele Menschen sterben, dass auf den Friedhöfen der Stadt kein Platz mehr ist. Bilder von der Bronx-Insel Hart Island haben Amerika geschockt. Am Wochenende wird die Gesamtzahl der Corona-Toten in den USA mit mehr als 20.000 die von Italien und Spanien deutlich übersteigen. Am Freitag alleine starben 2000 Menschen an Covid-19, inzwischen sind mehr als 500.000 Menschen positiv getestet worden.

Und Donald Trump? Er hält inzwischen täglich eine Pressekonferenz ab – ein Novum in seiner Amtszeit. US-Journalisten haben ausgerechnet: Im Schnitt spricht er auf den für 90 Minuten angesetzten Veranstaltungen etwa 70 Minuten selbst. Das Problem: Er tut dies weitgehend kenntnisfrei. Den ebenfalls anwesenden Experten wie dem obersten US-Virologen Anthony Fauci entgleisten dabei regelmäßig die Gesichtszüge. So sprach Trump zuletzt über Antibiotika und das Problem mit Antibiotika-Resistenzen. Aufgrund dieser Resistenzen könne Antibiotika dem “brillanten Feind Corona" nicht beikommen. Jeder angehende Medizinstudent weiß aber, dass Antibiotika nur gegen Bakterien hilft – nicht aber gegen Viren wie Corona.

Mit Chlorbleiche gegen das Virus

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Trumps Empfehlung an schwer Erkrankte, wegen des Mangels an Beatmungsgeräten das ungetestete Malaria-Medikament Hydroxychloroquin zu schlucken (“Nehmt es einfach, was habt ihr zu verlieren”) führte dazu, dass mehrere US-Bürger Chlorbleiche tranken. Mindestens ein Mensch starb dabei. Dass Trump laut US-Medien indirekt an den Profiten der französischen Herstellerfirma des Medikaments beteiligt ist, ist da fast schon eine Randnotiz.

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"Faktisch falsch": Schweden weist Trump in die Schranken
1:44 min
Der US-Präsident hatte Behauptungen über Schwedens Strategie zur Bekämpfung des Coronavirus aufgestellt. Stockholm nannte Trumps Äußerungen "faktisch falsch".  © Reuters
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Die Behauptung des US-Präsidenten, er sei durch die Fachleute der US-Regierung erst sehr spät über die zu erwartende Dynamik der Corona-Krise informiert worden und habe deshalb erst spät gehandelt, ist durch interne Dokumente längst widerlegt. Immerhin hat Trump inzwischen versprochen, Fachleute enger einzubeziehen. Kommende Woche will er ein Expertengremium vorstellen. Er selbst liebäugelt aber gegen den Rat von Virologen weiter mit einer schnellen Lockerung der Beschränkungen. “Das wird die schwerste Entscheidung meines Lebens”, klagte er.

Auch in anderen Ländern wirbelt das schlechte Management von Populisten die Verhältnisse kräftig durcheinander. In Brasilien kündigte Präsident Jair Bolsonaro (“Corona ist nur wie eine Erkältung”) die Entlassung seines Gesundheitsministers Luiz Henrique Mandetta an, der u.a. eine landesweite Ausgangssperre verhängt hatte. Doch das mächtige Militär stellte sich hinter Mandetta. Ex-Offizier Bolsonaro musste die Entlassung zähneknirschend widerrufen. Seine Autorität ist schwer angeschlagen, ihm selbst bleibt vorerst nur trotzig zu ätzen: “Die Leute sollen nicht vergessen, wer Präsident ist."

Auch Putin gerät zunehmend unter Druck

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Auch in Russland gerät Präsident Wladimir Putin langsam unter Druck. Kürzlich hatte er noch mit großer Geste medizinisches Material und Personal nach Italien und New York schicken lassen. Doch im eigenen Land herrscht Mangel. “Die Belastung der Gesundheitsdienste hat stark zugenommen. Sie stoßen an ihre Grenzen”, erklärte Moskaus Vize-Bürgermeisterin Anastassija Rakowa am Samstag. Man stünde aber erst am Anfang der Probleme, sagte sie. Verschärft wird die Lage noch durch “Hamsterkäufe” reicher Russen in den vergangenen Wochen: Viele hatten Beatmungsgeräte auch aus Krankenhäusern aufgekauft – um im Fall einer eigenen Erkrankung direkten Zugriff zu haben.

In der Türkei hat die Regierung von Recep Tayyip Erdogan am Freitag ein Ausgangsverbot für 31 Städte für das Wochenende verkündet – zwei Stunden vor Inkrafttreten der Regelung. Das führte dazu, dass sich vor Supermärkten und Bäckereien schlagartig riesige Menschenmengen bildeten, um Nahrung einzukaufen. Ein Alptraum für Virologen und ein Paradies für das Virus.

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