Corona durchkreuzt Griechenlands Privatisierungspläne

  • Die Corona-Pandemie macht Vorhaben der griechischen Regierung für den Verkauf von Staatsunternehmen einen Strich durch die Rechnung.
  • Eigentlich sollten bis zu 2,4 Milliarden Euro erlöst werden.
  • Und ausgerechnet das lukrativste Privatisierungsprojekt steht jetzt auf der Kippe.
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Athen. Es sollte ein Rekordjahr werden: 2,4 Milliarden Euro wollte der griechische Finanzminister Christos Staikouras 2020 mit dem Verkauf von Staatsbeteiligungen kassieren, mehr als je zuvor in einem Jahr seit dem Start des Privatisierungsprogramms 2011.

Rund zehn große Projekte standen für dieses Jahr auf dem Plan der griechischen Privatisierungsbehörde HRADF: Autobahnen, Gasversorger, ein Mineralölkonzern, Jachthäfen, Liegenschaften, See- und Flughäfen. Die Privatisierungen sind ein Kernelement der Politik des konservativen Premiers Kyriakos Mitsotakis. Der in Harvard und Stanford ausgebildete Ökonom arbeitete unter anderem als Investmentbanker bei Chase in London und als Analyst beim Beratungsunternehmen McKinsey, bevor er 2004 in die Politik ging.

Aber Corona macht der Regierung einen Strich durch die Rechnung.

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Griechenland Premier Kyriakos Mitsotakis. © Quelle: imago images/Pacific Press Agency

Gerade begann sich Griechenland von der zehnjährigen Finanzkrise zu erholen, da stürzt die Pandemie das Land zurück in die Rezession. Die EU-Kommission prognostiziert den Griechen für dieses Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 9,7 Prozent. Die Investoren sind verunsichert. Vor allem ein Privatisierungsvorhaben muss die Regierung vorerst abschreiben: den Verkauf eines 30-prozentigen Anteils an der Flughafengesellschaft Athens International Airport (AIA).

Perle im Portfolio

Das Aktienpaket galt als Perle im Portfolio der Privatisierungsbehörde. Bis zu 1,5 Milliarden Euro sollte die Beteiligung einbringen.

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Bisher hält der Staat 55 Prozent an der AIA. 40 Prozent liegen bei der deutschen AviAlliance, die den Flughafen betreibt. Hinter dem Unternehmen steht der kanadische Pensionsfonds PSP Investments.

Der Athener Airport ist eine Erfolgsgeschichte. Die AIA schrieb seit dem ersten vollen Betriebsjahr 2002 durchgehend schwarze Zahlen, auch in der Finanzkrise. 2018 erzielt das Unternehmen mit einem Umsatz von 479 Millionen Euro einen Gewinn (Ebitda) von 325,5 Millionen – eine Traumrendite. Kein Wunder, dass die Investoren Schlange standen: Neun Interessenten gab es für das Aktienpaket. Im zweiten Quartal sollten die Bewerber verbindliche Angebote abgeben.

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Flughafen hängt in den Seilen

Daran ist jetzt nicht mehr zu denken. Im März gingen die Passagierzahlen gegenüber dem Vorjahr um 62 Prozent zurück, im April fielen sie sogar um fast 99 Prozent. Niemand vermag zu sagen, wie sich das Geschäft in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln wird.

Momentaufnahme am Athener Flughafen Eleftherios Venizelos mit reduziertem Flugplan und Sicherheitsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. © Quelle: imago images/ANE Edition

Fachleute erwarten deshalb, dass sich die Flughafenprivatisierung auf unbestimmte Zeit verschiebt. Branchenexperten meinen, dass sich der Luftverkehr frühestens 2022 erholt und womöglich auf Jahre hinaus nicht wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird.

Auch der geplante Verkauf eines staatlichen Aktienpakets am Mineralölkonzern Hellenic Petroleum ist wegen der ungewissen Entwicklung am Ölmarkt vorerst vom Tisch. Die für dieses Jahr geplante Privatisierung des Gasversorgers Depa dürfte sich ebenfalls verzögern.

Hafenprivatisierung kann klappen

Andere Projekte hofft die Regierung trotz der Corona-Turbulenzen im zweiten Halbjahr umsetzen zu können, so die Privatisierung regionaler Hafengesellschaften. Als besonders interessant gilt der Hafen von Alexandroupolis in Nordgriechenland. Griechische und amerikanische Investoren planen dort ein Flüssiggasterminal für die Balkanregion. Auch die US Navy interessiert sich für Alexandroupolis als Flottenstützpunkt.

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Der Verkauf des staatlichen Stromnetzbetreibers soll ebenfalls im dritten Quartal auf den Weg gebracht werden. Man werde aber nichts überstürzen und staatliche Beteiligungen nicht zu Dumpingpreisen verschleudern, heißt es in Regierungskreisen.

Aris Xenofos, Chef der Privatisierungsbehörde HRADF, hofft in diesem Jahr trotz der Corona-Krise auf Erlöse von 350 bis 400 Millionen Euro – ein Sechstel der ursprünglich erwarteten Summe.

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