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Corona-Proteste und Gemecker: Es ging nie um Solidarität

  • Es war eine schöne Vorstellung, dass Corona die Gesellschaft auf eine neue, sinnstiftende Art zusammengeschweißt hat.
  • Doch es ging nie um Solidarität mit Alten und Kranken, es war die pure Angst.
  • Das zeigen die Demonstrationen, kommentiert Tim Szent-Ivanyi.
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Berlin. Es ist langsam Zeit, sich von einer offensichtlich naiven Wunschvorstellung zu verabschieden. Als die Bundesregierung im März beschlossen hatte, das Land herunterzufahren, wurde das extrem disziplinierte Verhalten der Deutschen als Solidarität verstanden, als Akt der Nächstenliebe gegenüber den gefährdeten älteren Menschen – die, wie es Kanzlerin Merkel formuliert hat, dieses Land aufgebaut haben. Beschworen wurde ein neues “Wir-Gefühl” nach den Jahren der Spaltung durch die Flüchtlingskrise.

Doch inzwischen zeigt sich immer mehr: Es war ein Missverständnis, und zwar ein sehr gründliches. Es war nicht Solidarität, es war pure Angst, die die Gesellschaft zusammengeschweißt hat.

Kaum wird angenommen, die unmittelbare Gefahr sei vorüber, werden plötzlich alle Maßnahmen der Regierung infrage gestellt. Es wird offen darüber schwadroniert, ob der Preis dafür, ein paar ältere Menschen oder chronisch Kranke durch das eigene Verhalten zu schützen, nicht zu hoch sei. Ob sie nun ein halbes Jahr früher oder später sterben – mir doch egal.

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Wut gegen die Regierung

Sicher, das alles kann und muss diskutiert werden. Aber warum gerade jetzt und in einer derart kompromisslosen Form, wo doch die Einschränkungen weitgehend gelockert worden sind?

Genau das spricht für die These der Angst und gegen die Annahme einer vernunftgesteuerten Solidarität. Die Menschen waren offenbar wie gelähmt. Und nun bricht bei manchem die Wut gegen diese Zwangssolidarität heraus. Dass rechts- und linksextreme Ideologen, Verschwörungstheoretiker oder radikale Impfgegner mitmarschieren, scheint die Demonstranten auf den Straßen nicht einmal zu stören.

Was folgt daraus? Nichts Gutes!

Offensichtlich lag und liegt die Regierung mit ihrer harten Linie, einige demokratische Grundrechte befristet aufzuheben und durchzuregieren, richtig. Allein auf die Vernunft der Menschen zu setzen hätte zumindest in Teilen der Bevölkerung nicht geklappt – und es ist zweifelhaft, ob es nun funktionieren wird.

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