Neue Impfstrategie: Das Ende der Impfzentren naht

  • Die Bundesländer stellen den Betrieb ihrer überregionalen Impfzentren zum 30. September ein.
  • Ein schnelles Hochfahren der Impfkapazitäten soll für die Zukunft sichergestellt werden.
  • In den Arztpraxen bleibt unterdessen viel Impfstoff ungenutzt.
Antea Obinja
Lena Köpsell
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Berlin. Spätestens mit dem Ende der Finanzierung durch den Bund stellen die Bundesländer den Betrieb ihrer überregionalen Impfzentren ein. Das ergab eine Umfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) unter allen 16 Landesgesundheitsministerien. Damit wird voraussichtlich kein Land seine zentralen Impfstellen über Ende September hinaus auf eigene Kosten betreiben.

Das Gesundheitsministerium in Thüringen teilte auf RND-Anfrage mit: „Für die Zukunft setzen wir nicht mehr allein auf das Netz an Impfstellen, sondern schaffen mehr niedrigschwellige Angebote genau dort, wo viele Menschen sind.“ In Thüringen gibt es insgesamt 33 Impfzentren, davon vier überregionale. Drei der vier überregionalen Impfzentren in Thüringen schließen bereits zum 31. August.

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Aus Nordrhein-Westfalen hieß es: „Grundsätzlich soll nach der Schließung der Impfzentren das Impfen von den Impfzentren regelhaft in die Arztpraxen übergehen.“ Die Impfungen könnten dann im Regelversorgungssystem erfolgen.

Mobile Impfteams statt zentrale Stellen

Die Gesundheitsministerkonferenz hatte bereits am 28. Juni eine Neuausrichtung der Nationalen Impfstrategie beschlossen. So sollten Impfzentren geschlossen, in ihrer Anzahl oder Kapazität reduziert und der Schwerpunkt auf mobile Impfteams gesetzt werden.

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Die Ständige Impfkommission (Stiko) spricht sich nun für Corona-Impfungen für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren aus.  © dpa
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Die Bundesländer sollten zudem sicherstellen, dass die Impfkapazitäten in kurzer Zeit wieder hochgefahren werden können. Dazu teilte das Gesundheitsministerium in Schleswig-Holstein dem RND mit: „In Schleswig-Holstein wird die Ausrüstung der Impfzentren so eingelagert, dass bei Bedarf kurzfristig auch wieder zusätzliche Impfangebote realisiert werden könnten.”

Im Saarland sollen die Impfzentren Saarlouis und Neunkirchen in einen „Stand-by-Modus” versetzt werden, so das zuständige Gesundheitsministerium.

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Immer wieder wurde in den letzten Monaten Kritik an den hohen Kosten der Impfzentren laut. Der Bund beteiligt sich zur Hälfte an den Kosten, die Finanzierung wurde in einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums vom Mai 2021 geregelt und dort bis Ende September 2021 festgelegt.

In den Praxen bleiben viele Impfdosen ungenutzt

Aus den Fach- und Hausarztpraxen wurde heute bekannt, dass wegen mangelnder Nachfrage bis zu 10 Prozent des ausgelieferten Corona-Impfstoffes nicht verimpft werden konnte. Das hat nach Informationen des „Spiegels” eine bundesweite Umfrage des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) unter rund 5000 niedergelassenen Medizinerinnen und Medizinern ergeben.

Rund 3,2 Millionen Dosen blieben laut dem Zi in den Praxen ungenutzt. Besonders hoch ist Zahl der übriggebliebenen Dosen bei den Impfstoffen Astrazeneca und Johnson & Johnson: Mehr als 17 Prozent der gelieferten Dosen konnten nicht verimpft werden.

Beim Impfstoff Biontech lag der Prozentsatz bei rund 5 Prozent. Die befragten Ärztinnen und Ärzte rechnen damit, dass bis Ende August 2021 etwa 4,5 Prozent der in Praxen vorhandenen Impfdosen ungenutzt bleiben.

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