Corona-App: Es gibt noch Fragen

  • Die Bundesregierung erwartet sich viel von der Corona-Tracing-App, die demnächst vorliegen soll.
  • Auf Datenschutz-Bedenken wurde bereits reagiert.
  • Allerdings muss auch sichergestellt werden, dass die App - und damit der Besitz eines Smartphones - nicht als Eintrittskarte für Jobs und Läden missbraucht wird, kommentiert Daniela Vates.
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Berlin. Ein kleines Quadrat soll demnächst in den Kampf gegen das Corona-Virus ziehen: Für Mitte Juni hat die Bundesregierung die Fertigstellung der App angekündigt, mit der via Handy gewarnt werden soll, wer sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten hat.

Die Bundesregierung hat es als eines der zentralen Hilfsmittel gegen das Virus bezeichnet, solange weder Medikamente noch ein Impfstoff gefunden sind. Die Idee dahinter ist durchaus nachvollziehbar.

Zum Allheilmittel überhöht werden sollte die App allerdings nicht. Hygienemaßnahmen wird sie nicht ersetzen. Und es gibt Fragen, die geklärt werden müssen.

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Wie hilfreich kann eine App sein, solange erhöhte Fehlalarm-Gefahr besteht, weil Corona-Tests noch nicht besonders verlässlich sind? Welche Folgen hat es, wenn immer wieder ganze Familien in Quarantäne geschickt werden, also in der Arbeit fehlen oder in der Schule, weil sie in der U-Bahn neben einem Virus-Träger gesessen haben?

Und wie wird sichergestellt, dass die App - und damit der Besitz eines Smartphones - nicht zu einer Diskriminierungsmöglichkeit wird? Alle Freiwilligkeitsversicherungen der Regierung werden nichts helfen, wenn Arbeitgeber sie zur Job- oder Läden sie zur Zugangsvoraussetzung machen.

Die Bundesregierung hat einiges unternommen, um Bedenken zu begegnen: Um den Datenschutz zu erhöhen, werden die App-Daten nach einigem Hin und Her nur dezentral gespeichert. Das Programm wurde als genanntes Open-Source-Projekt entwickelt – in einer Art gemeinschaftlicher Suche nach Fehlern und Schwachstellen also.

Sie sollte andere Befürchtungen ähnlich ernst nehmen und nicht nur den Datenmissbrauch so eindeutig ausschließen, dass Regeln und Freiwilligkeit für alle klar sind. Sonst wird sich an der Skepsis gegenüber der App, die sich in Umfrage-Zustimmungswerten von gerade mal 40 Prozent manifestiert, wenig ändern. Aus der App würde dann eine Fußnote der Corona-Krise.

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