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  • Corona-Anstieg: US-Regierung fordert Geimpfte zum Maskentragen auf - Impfpflicht für 200.000 Bundesbedienstete

Corona-Pandemie: Optimist Biden schaltet in den Rückwärtsgang

  • Angesichts rasant steigender Infektionszahlen fordert die US-Regierung nun selbst Geimpfte zum Maskentragen auf.
  • Zudem soll eine Impfpflicht für 200.000 Bundesbedienstete eingeführt werden.
  • Erste Unternehmen wie die „Washington Post“ machen die Immunisierung zur Voraussetzung für eine Beschäftigung.
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Washington. Als Angela Merkel Mitte des Monats Washington besuchte, wurde schon auf dem Rollfeld die unterschiedliche Philosophie der deutschen und der amerikanischen Regierung im Umgang mit der Corona-Pandemie deutlich: Während der Tross der Kanzlerin ausnahmslos mit Mund-Nasen-Schutz aus der Maschine stieg, begrüßten die Protokollchefin des Weißen Hauses und die Ehrengarde die Gäste unmaskiert.

Auch Merkels Wunsch, die Öffentlichkeit möglichst weitgehend von ihren Terminen auszuschließen, verursachte in Washington Stirnrunzeln.

Kein Handschlag: Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich bei ihrem Washington-Besuch vor zwei Wochen betont vorsichtig. © Quelle: Bundesregierung via Getty Images
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Auf der einen Seite die übervorsichtige Naturwissenschaftlerin, auf der anderen Seite ein optimistischer Präsident, der sein Land mit der Aussicht auf Normalität zu motivieren versuchte – so war es noch vor zwei Wochen.

Doch nun drehen sich die Verhältnisse um: Zwei Monate nach der Aufhebung ihres Maskengebots empfiehlt die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC plötzlich selbst für Geimpfte das Maskentragen in öffentlichen Räumen. Die Reporter im Weißen Haus müssen wieder einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Und an diesem Donnerstag dürfte Präsident Joe Biden eine Impfpflicht für alle Bundesbediensteten verkünden.

„Diese Woche kehren wir zurück ins Maskenzeitalter und tauschen beim Impfen das Zuckerbrot gegen die Peitsche ein“, beschreibt die Nachrichtenseite Politico die bemerkenswerte Kehrtwende der Biden-Regierung.

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Ausgelöst wurde sie offenbar von drei Faktoren: Zum einen ist die anfangs schwungvolle Impfkampagne ins Stocken geraten. Während bundesweit rund die Hälfte der Amerikaner geschützt ist, verharrt der Immunisierungsanteil in südlichen Bundesstaaten wie Arkansas oder Alabama bei einem Drittel.

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Derweil nehmen wegen der hochansteckenden Delta-Variante die Infektionen rasant zu – inzwischen täglich um mehr als 70.000 Fälle. Zugleich mehren sich Berichte über sogenannte Impfdurchbrüche, bei denen Menschen trotz vollständiger Immunisierung positiv getestet werden.

Keine Rückkehr zum Lockdown

„Je mehr wir über dieses Virus und die Delta-Variante lernen, desto mehr müssen wir beunruhigt sein“, mahnt Biden nun. Er verspricht jedoch, das Land werde nicht zu den restriktiven Maßnahmen des Vorjahres zurückkehren: „Mehr Impfungen und das Tragen von Masken in den von Delta-Varianten am stärksten betroffenen Gebieten werden es uns ermöglichen, diese Art von Lockdowns, Schließungen, Schulschließungen und Störungen zu vermeiden.“

Die Eindämmung der Pandemie ist die alles dominierende politische Herausforderung des Präsidenten. Bisher bekommt er für seine Corona-Politik hohe Zustimmungswerte.

Trotzdem ist unklar, ob die nun eingeleitete Notbremsung erfolgreich sein wird. Weil geimpfte Menschen zwar bei einer seltenen Infektion meist keine oder nur milde Beschwerden haben, nach neuen Erkenntnissen aber eine ähnlich ansteckende Viruslast tragen wie Ungeimpfte, empfiehlt die CDC für alle Menschen in Innenräumen das Maskentragen. Gelten soll das Gebot in Regionen mit einem Inzidenzwert von mehr als 50 – de facto zwei Drittel der USA. Doch die Entscheidung zur Durchsetzung obliegt den lokalen Behörden.

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Republikaner könnten Empfehlungen sabotieren

Demokratisch regierte Städte wie Los Angeles und St. Louis haben schon eine Maskenpflicht eingeführt. Beobachtende befürchten angesichts der extremen Politisierung des Themas jedoch, dass republikanische Bürgermeister und Gouverneure ausgerechnet in jenen Gebieten, wo die Impfquote niedrig und die Infektionszahlen hoch sind, eine Verpflichtung zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes verhindern werden.

Mit eigener Kompetenz kann Biden allerdings eine Impfpflicht für Bundesbedienstete einführen, was er nach amerikanischen Medienberichten an diesem Donnerstag tun will. Betroffen wären rund 200.000 Personen, die sich entweder immunisieren lassen oder regelmäßigen Tests und strengen Vorsorgeregularien am Arbeitsplatz unterziehen müssten. Eine ähnliche Impfpflicht haben bereits New York und Los Angeles eingeführt.

Auch erste Unternehmen in den USA erhöhen den Druck. So erklärte das Management der „Washington Post“, dass es ab September von jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter den Nachweis einer vollständigen Immunisierung „als Bedingung für die Beschäftigung“ verlange.

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