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  • Corona: 100 Millionen Impfungen - Hospitalisierungsrate ist neuer Maßstab

100 Millionen Impfdosen gespritzt: Bundestag debattiert über neue Indikatoren

  • Die Summe der verabreichten Impfdosen gegen das Coronavirus hat in Deutschland die Marke der 100 Millionen geknackt.
  • Angesichts des Impffortschritts diskutiert die Politik über neue Parameter für die Beurteilung der Pandemielage.
  • Entscheidend soll die Hospitalisierungsrate sein.
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Berlin. Das Coronavirus breitet sich in Deutschland zusehends schneller aus. Erstmals seit etwa drei Monaten wurden wieder mehr als 10.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages von den Gesundheitsämtern gemeldet - nämlich 11.561 und damit so viele wie seit dem 20. Mai nicht mehr, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwoch bekanntgab.

100 Millionen Corona-Impfungen in Deutschland

Zugleich sind acht Monate nach dem Start der Impfungen nun mehr als 100 Millionen Dosen gespritzt worden. Der Bundestag sollte erneut die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ feststellen, die dem Bund direkte Krisenregelungen bei Impfungen oder Tests ermöglicht.

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CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte im Parlament, beim Weg in die Normalität gehe Sicherheit weiter vor. Die Infektionszahlen könnten dank der Impfungen anders bewertet werden, seien deswegen aber nicht weg.

SPD-Fraktionsvize Bärbel Bas verwies ebenfalls auf den Impffortschritt, mit dem in vielen Bereichen mehr Freiheiten zurückgewonnen worden seien. Die Delta-Virusvariante zeige aber, wie schnell sich Infektionszahlen verdoppeln könnten.

Aus der Opposition kam Kritik. Die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus warnte vor einer „Fortführung der automatischen und undifferenzierten Grundrechtseingriffe“. Von einer Überlastung des Gesundheitswesens sei man dank des Impffortschritts weit entfernt.

Kritik an Verlängerung der epidemischen Lager

AfD-Chef Tino Chrupalla sagte, unter den gegebenen Umständen bestehe keine Notwendigkeit, die Grundrechte weiter einzuschränken. Bürger, die sich nicht impfen lassen wollten, nähmen ihr Recht in Anspruch, selbst über ihre Gesundheit zu entscheiden.

Die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ wegen der Pandemie hatte der Bundestag erstmals im März 2020 festgestellt und dies am 11. Juni erneut bestätigt. Dem Parlament lag am Mittwoch ein Antrag der Regierungsfraktionen von Union und SPD vor, diese Sonderlage zu verlängern.

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Sie würde dann vorerst für weitere drei Monate gelten, also bis Ende November. Ohne eine erneute Bestätigung des Parlaments läuft die Sonderlage nach drei Monaten aus. Sie gibt dem Bund das Recht, direkt ohne Zustimmung des Bundesrates Verordnungen zu erlassen. Zudem beziehen sich konkrete Maßnahmen wie Maskenpflicht oder Kontaktbeschränkungen, die die Länder festlegen können, darauf.

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Das anziehende Infektionsgeschehen zeigt sich an mehreren Kriterien. So stieg die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen laut RKI auf 61,3 nach 40,8 vor einer Woche. Die Spanne der Sieben-Tage-Inzidenz reicht nun von 14,6 in Sachsen-Anhalt bis 114,3 in Nordrhein-Westfalen.

Die Hospitalisierungsrate - also die Zahl der Klinikeinweisungen in Verbindung mit Corona pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen - gab das RKI am Mittwoch mit 1,47 an. Eine Woche zuvor lag sie bei 1,19. Laut Bundesregierung bewegte sie sich im vergangenen Winter teilweise bei 10 bis 12.

Hospitalisierungsrate als zentraler Parameter

Der bisherige Wert von 50 bei der Sieben-Tage-Inzidenz, der noch im Infektionsschutzgesetz als Schwelle für schärfere Maßnahmen genannt ist, soll nach Plänen der Bundesregierung gestrichen werden - denn durch die Impfungen werden schwere Corona-Verläufe bei Infektionen seltener. Künftig soll die Zahl der Krankenhausaufnahmen entscheidend sein. Welche Schwellen hierfür gelten sollen, ist aber noch offen.

Video
50er-Inzidenz wird gestrichen - was kommt danach?
1:18 min
Viele Landkreise sind längst wieder über der Inzidenzschwelle von 50. Die Zahl hat «ausgedient», sagt Gesundheitsminister Spahn. Doch was kommt danach?  © dpa
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Bei den Impfungen sind inzwischen 100,2 Millionen Dosen verabreicht worden. Das sei „eine der größten logistischen Leistungen in der Geschichte unseres Landes“, schrieb Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf Twitter.

Vollständig mit der meist nötigen zweiten Spritze geimpft sind nun 49,4 Millionen Menschen oder 59,4 Prozent der Bevölkerung. Mindestens eine erste Impfung erhalten haben 53,5 Millionen Menschen oder 64,4 Prozent aller Einwohner.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: „Wenn die Fallzahlen weiter so rapide steigen, insbesondere in Nordrhein-Westfalen, dann wird es notwendig werden, die Regeln für Ungeimpfte zu verschärfen.“

Dazu zähle dann auch „eine möglichst konsequente 2G-Regel, zumindest in den Bereichen, wo ein sehr hohes Risiko besteht“. Damit ist gemeint, dass etwa bestimmte Veranstaltungen nur für Geimpfte oder Genesene zugänglich sind - nicht aber wie derzeit bundesweit auch für negativ Getestete.

Der Hamburger Senat hatte am Dienstag bereits ein „Optionsmodell“ beschlossen: Gastronomie, Clubs, Kneipen und Kultureinrichtungen in Hamburg können ihre Kapazitäten von Samstag an nahezu wieder vollständig nutzen, sofern Ungeimpfte keinen Zutritt haben. Bereits seit Montag gilt in immer mehr Bundesländern „3G“: Zutritt zu vielen öffentlichen Innenräumen nur für Geimpfte, Genesene und Getestete.

RND/dpa

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