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  • Corina-Impfung in Deutschland: Das sagen die Politiker zum Impfstart

Politiker zum Impfstart in Deutschland: „Großes Weihnachtsgeschenk“

  • In den Bundesländern starteten am heutigen Sonntag die ersten Impfungen gegen das Coronavirus.
  • In Pflegeheimen nahmen die mobilen Impfteams am Morgen die ersten Impfungen an Seniorinnen und Senioren vor.
  • Einige Politiker begleiteten den Impfstart und zeigten sich hoffnungsvoll - SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fürchtet einen Wettlauf mit dem Virus.
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Hamburg. In den Bundesländern haben am heutigen Sonntag die Impfungen gegen das Coronavirus begonnen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat den Start der Corona-Impfungen gelobt, fürchtet aber, dass das Virus schneller sein könnte und fordert eine Erhöhung der Produktionskapazitäten für den Impfstoff.

Bis Ende März müssten mehr Menschen als geplant geimpft werden. “Uns läuft die Zeit davon. Das Virus hat bereits Mutationen gebildet”, sagte Lauterbach dem “RedaktionsNetzwerk Deutschland” (RND) und verwies auf neuere Studien, wonach das Virus diese Mutationen vielleicht in immungeschwächten Patienten bilden könnte - zum Beispiel bei Krebspatienten oder Autoimmun-Erkrankten.

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Der Gesundheitsexperte betonte: “Durch die Mutationen wird die Impfung zum Wettlauf mit dem Virus. Wir müssen also möglichst schnell impfen, bevor sich die Mutationen auch gegen die Impfung auswirken.”

In einem Gastbeitrag für die “Welt” kritisierte Lauterbach, “dass die Bevölkerung diese Herausforderung nach wie vor unterschätzt”. Für ihn steht fest: “Das Jahr 2021 wird sehr stark bestimmt werden durch das, was in den nächsten Monaten passiert. Die Zeit bis mindestens Anfang April wird die mit Abstand schwerste in der Bekämpfung der Corona-Pandemie sein.”

Es sei notwendig, “dass wir in dem jetzt begonnenen Lockdown so lange bleiben, bis wir die Neuinzidenz in ganz Deutschland deutlich unter 50 pro 100.000 Einwohner pro Woche senken können. Besser sollte die neue Inzidenz sogar unter 25 liegen.”

“Der Pandemie die Stirn bieten”

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Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) dankte allen Menschen, die mit der Vorbereitung für die erste Corona-Schutzimpfung in dem Stadtstaat beschäftigt gewesen sind. „Es geht uns ja darum, möglichst schnell möglichst viele Menschen zu impfen. Deswegen war es gut, dass alles vorbereitet war“, sagte Tschentscher unmittelbar nach den ersten Impfungen in einem Pflegeheim in Hamburg-Poppenbüttel.

Dort hatten kurz vor 11.00 Uhr eine 84-Jährige und eine 88-Jährige als erste Hamburgerinnen den Impfstoff in den Oberarm gespritzt bekommen. Der Impfstoff werde nun jeden Tag von speziell geschulten Teams dezentral in den Einrichtungen und von Januar an zentral in den Impfzentren verabreicht.

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Mit dem Impfstoff könne man historisch gesehen in einer Pandemie zum ersten Mal aktiv etwas gegen die Krankheit tun. „Ich bin froh, dass es uns in Deutschland, Europa und weltweit gelingt, jetzt der Pandemie die Stirn zu bieten und sie Schritt für Schritt zu überwinden und damit dann auch endgültig in eine normale Situation zurückzukommen.“

Gleichzeitig sei es aber noch viel zu früh, um über Lockerungen nachzudenken, sagte Tschentscher. „Wir sind in einer noch sehr ernsten Infektionslage. Wir werden jetzt die zwei, drei Wochen über die Weihnachts- und Silvestertage erst einmal ansehen müssen.“

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So lief der Impfstart in Deutschland
2:40 min
Rund 11 Monate nach den ersten bekannten Fällen des Coronavirus in Deutschland wurden nun die ersten Pflegeheimbewohner und das Personal geimpft.  © Reuters

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) bezeichnete den Impfstart in Hamburg als einen sehr guten Tag. „Weil jede Schutzimpfung, die jemand bekommt, dazu beitragen kann, dass ein schwerer Krankheitsverlauf vermieden wird. Sie erreicht damit Schritt für Schritt, dass es uns gelingt, den Weg aus der Pandemie zu finden. (...) Wir haben diesen Tag sehr lange erwartet.“

Günther ruft zur Impfbeteiligung auf

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) rief zum Auftakt der Corona-Schutzimpfungen zu einer großen Beteiligung auf. Wer sich impfen lasse, “schützt seine Gesundheit und die Gesundheit anderer und hilft Leben zu retten”, sagte Günther am Sonntag anlässlich eines Besuches im Logistikzentrum der Johanniter in Lübeck.

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Dort waren am Vormittag drei mobile Impfteams mit Impfstoffen ausgestattet worden. Kurz darauf sollte in Seniorenheimen der Stadt mit dem Impfen von Bewohnern und Pflegepersonal begonnen werden. Ebenfalls am Sonntag sollte auch in Kliniken des Landes die Impfung besonders gefährdeter Mitarbeiter starten.

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) zeigte sich erfreut, dass der Impfstart noch im alten Jahr erfolgte. “Ich bin sehr froh, dass wir jetzt soweit sind und jetzt diesen großen Schritt zur Bekämpfung der Pandemie gehen können”, erklärte er. Doch gelte es weiterhin, die Abstands- und Hygieneregeln streng einzuhalten, um den Erfolg der weiteren Schritte nicht zu gefährden.

Beide Politiker kündigten an, sich ebenfalls impfen lassen zu wollen, und zwar dann, wenn sie nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission an der Reihe seien.

Kalayci: Nie zu spät fürs Impfen

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hat sich erleichtert über den “guten Start” der Impfungen gegen das Coronavirus in der Hauptstadt gezeigt. Drei hochbetagte Frauen eines Pflegeheims in Berlin-Steglitz bekamen am Sonntagmorgen die ersten Spritzen.

Es sei das Signal, dass es für das Impfen nie zu spät sei, sagte die Senatorin vor Ort. Gerade bei älteren Menschen könnten durch Impfungen schwere Krankheitsfälle und viel Leid vermieden werden.

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Die SPD-Politikerin appellierte an die Hausärzte, ihre Patienten in den Pflegeheimen gut auf das Impfen vorzubereiten und sie zu begleiten. Das mobile Impfteam, das zum ersten Mal im Einsatz war, habe “super funktioniert”, so Kalayci. Für den Impfstart hat Berlin nach Angaben der Gesundheitsverwaltung zunächst 9750 Impfdosen erhalten.

Laumann: “Großes Weihnachtsgeschenk”

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat den Beginn der Corona-Impfungen als “großes Weihnachtsgeschenk an die Bevölkerung” bezeichnet. Er empfinde große Dankbarkeit, dass die Wissenschaft in der Lage war, innerhalb von zehn Monaten einen Impfstoff zu entwickeln, sagte Laumann am Sonntagmittag vor einem Besuch eines Altenheims in Emsdetten (Kreis Steinfurt).

“Das Impfen ist ein Aufbruch, um das Virus beherrschen zu können”, sagte Laumann. Das Virus werde zunächst aber nicht verschwinden. Deshalb sei weiterhin Vorsicht geboten, mahnte der Minister. Abstandsregeln und Hygienebestimmungen müssten weiter eingehalten und Kontakte vermieden werden. Mobile Teams impfen seit Sonntag in verschiedenen Städten zunächst Bewohnerinnen und Bewohner sowie Beschäftigte in Pflegeheimen.

Sachsens Gesundheitsministerin: “Hoffnungsschimmer”

Sachsen hat mit den Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. In einem Seniorenheim in Lichtentanne (Landkreis Zwickau) wurde am Sonntag als erstes die 85 Jahre alte Heimbewohnerin Hanna Hertzsch geimpft. Gezögert habe sie nicht, sagte Hertzsch. “Das ist doch selbstverständlich.” Ihr größter Wunsch sei es, bald wieder ihre Urenkel in die Arme schließen zu können. Von 55 Heimbewohnern in Lichtentanne wollen sich 51 eine Spritze verabreichen lassen.

Zum offiziellen Impfstart war auch Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) in Lichtentanne dabei. Die Ministerin bezeichnete die Seniorin als Vorbild und nannte den Beginn der Impfungen einen “Hoffnungsschimmer”. “Wir haben jetzt eine Möglichkeit, etwas zu tun, wir können aktiv werden”, so Köpping.

Köpping sprach von einem “Ausweg aus dieser Pandemie” und rief die Menschen auf, sich impfen zu lassen. Gerade in Sachsen seien die Infektionszahlen hoch, von knapp 1000 Pflegeeinrichtungen seien 250 von Corona-Infektionen betroffen. Bundesweit gilt der Freistaat als Corona-Hotspot.

Bovenschulte: “Tag für Hoffnung und Zuversicht”

Mit 14 mobilen Impfteams haben die Corona-Impfungen am Sonntag auch in Bremen begonnen. Die Teams waren in sechs Alten- und Pflegeheimen im Einsatz, wie Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sagte. Er besuchte das private Seniorenhaus Ansbacher Straße, in dem eine 85 Jahre alte Bewohnerin zuerst geimpft wurde.

“Das ist ein Tag für Hoffnung und Zuversicht”, sagte Bovenschulte. Nun müsse möglichst schnell möglichst viel Impfstoff produziert und verteilt werden. Dann sei es möglich, dass das kommende Jahr schon nicht mehr so stark von der Corona-Pandemie beherrscht werde.

In dem Seniorenhaus ließen sich den Angaben nach 27 von 30 Bewohnerinnen und Bewohnern und das Personal impfen. “Die Impfbereitschaft ist sehr hoch”, sagte Bürgermeister Bovenschulte.

Zum offiziellen Start der Impfung gegen das Corona-Virus im Südwesten ist am Sonntag eine Pflegerin des Stuttgarter Klinikums geimpft worden “Klein, aber fein”, sagte die 30-Jährige zu der Spritze im Beisein von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).

Kretschmann sagte: “Der Impfstoff ist ein Meilenstein in der Pandemiebekämpfung. Er ist der Schlüssel für die von uns allen ersehnte Rückkehr zum gewohnten Leben – auch wenn wir weiter geduldig bleiben müssen.” Er werbe deswegen mit Nachdruck für das Impfen.

Haseloff: Per SMS von vorzeitigem Impfstart erfahren

In einem Pflegeheim in Dessau-Roßlau ist am Sonntag der offizielle Start für die Corona-Impfungen in Sachsen-Anhalt erfolgt. “Jetzt liegt es an allen, mitzumachen”, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Er besuchte gemeinsam mit Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) die Martha-Haus Seniorenresidenz GmbH mit 68 Bewohnerinnen und Bewohnern. Laut Geschäftsführer Axel Peiler wollten sich nur zwei Bewohner nicht impfen lassen. Die Bereitschaft beim Personal sei deutlich geringer.

Haseloff betonte: “Wir brauchen eine hohe Akzeptanz. Nur wenn wir große Teile der Bevölkerung in den nächsten Wochen und Monaten durchimpfen können, werden wir mit den medizinischen Möglichkeiten die entsprechenden Infektionen zurückdrängen und die Pandemie bekämpfen.” Nötig sei auch ausreichend Impfstoff.

Mit Blick auf den vorzeitigen Start der Impfungen in Halberstadt am Samstagnachmittag sagte der Regierungschef: “Hier ist der Start. Ich kann das nur zur Kenntnis nehmen. Auf der anderen Seite geht es darum, dass so schnell wie möglich geimpft wird in Sachsen-Anhalt.” Und: “Ich habe es per SMS vom Bundesminister erfahren und habe mich so wie er genauso gewundert. Aber ich kann es nur so erklären, dass sich dort der Druck so aufgestaut hat, so schnell wie möglich loszulegen.”

Schwesig: In Ostdeutschland positives Verhältnis zum Impfen

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat sich hoffnungsvoll gezeigt, dass mit dem Anfang der Corona-Schutzimpfungen das Ende der Pandemie eingeleitet wird. “Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir uns mit den Impfstoffen Schritt für Schritt aus der Pandemie befreien können. Wir fangen bei denen an, wo das Risiko am höchsten ist, bei den älteren Menschen, vor allem auch hier in den Pflegeheimen”, sagte Schwesig am Sonntag bei einem Besuch einer Senioreneinrichtung in Schwerin.

“Je mehr wir impfen können, umso mehr können wir auch Dinge wieder lockern”, betonte Schwesig. Sie erwarte eine auch insgesamt hohe Impfbereitschaft in der Bevölkerung des Landes. “Gerade bei uns in Ostdeutschland ist das Verhältnis zum Thema impfen doch eher positiv”, konstatierte Schwesig. Wichtig sei nun, dass der Impfstoff zügig und in möglichst großen Mengen bereitgestellt werde.

Zum Impfstart am Sonntag hatten der Mainzer Impfstoff-Hersteller Biontech und der Pharmakonzern Pfizer knapp 10 000 Impfdosen in den Nordosten geliefert, die an die Impfzentren in Kreisen und kreisfreien Städten verteilt wurden. Von dort aus machten sich mobile Impfteams auf den Weg, um zuerst Bewohner und Mitarbeiter in Seniorenheimen zu impfen.

Impfstart auch in Thüringen

Auch Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) verbindet mit dem bundesweiten Beginn der Corona-Impfungen große Hoffnungen. Dies sei ein beeindruckender und bewegender Tag für sie, sagt sie. Ein Corona-Impfstoff stehe nun doch schneller zur Verfügung, als dies im Sommer noch erwartet worden sei.

Werner betont, dass die Impfungen nicht nur für die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sehr wichtig seien, sondern auch für die dort Beschäftigten. Denn egal wie sehr die Pflegerinnen und Pfleger sich und andere mit Masken und Handschuhen schützten - im Pflegealltag kämen sie und die Bewohner sich stets sehr nahe, sagt Werner.

Hygieneregeln weiter einhalten

Einige Gesundheitspolitiker haben zum Start der Impfungen gegen Covid-19 vor einem Nachlassen bei den Hygieneregeln gewarnt. “Trotz der berechtigten Freude müssen wir alle Vorsichtsmaßnahmen weiterhin streng befolgen”, erklärte die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag, am Sonntag in Berlin.

“Wir sehen an den aktuellen Infektionszahlen, dass uns die Corona-Pandemie noch einige Zeit im Griff haben wird.” Sie appellierte, die AHA+L Regeln weiter einzuhalten, auch an Silvester. Nur so könnten weitere schwere Erkrankungen vermieden werden.

Anfangs sei der Impfstoff nur begrenzt verfügbar, fügte Maag hinzu. “Deswegen müssen wir bei der Impfung nach Prioritäten vorgehen.” Die vorgesehene Reihenfolge sei absolut richtig: “Zuallererst muss dort geimpft werden, wo besonders schwere Krankheitsverläufe oder gar Todesfälle drohen.”

RND/dpa

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